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VS-Skandal : Volkssolidaritäts-Prozess: Kein Ende in Sicht

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Volkssolidaritäts-Prozess: Rostocker Landgericht legt Termine bis Ende Juni fest

svz.de von
erstellt am 17.Apr.2014 | 07:30 Uhr

Der Staatsanwalt schaut auf die Uhr. Die Zeiger schleppen sich mühsam vorwärts. Verteidiger Dietmar Rudloff blättert in den Akten. Sein Mandant Amandus K., Ex-Manager der Volkssolidarität, schaut schweigend an die Decke. Die älteren Herrschaften hinten im Saal plaudern leise miteinander. Sie sind inzwischen „alte Hasen“ in diesem Prozess, der im Oktober 2013 vor dem Rostocker Landgericht begonnen hat. Die wichtigen Zeugen wurden längst befragt.

Nun wiederholt sich seit Tagen das gleiche ermüdende Prozedere. Für 9 Uhr hat die Kammer unter Vorsitz von Guido Lex die Verhandlung anberaumt. Jetzt ist es 9.30 Uhr – und von den Richtern keine Spur. „Die beraten noch die Beweisanträge vom letzten Mal“, ist sich ein Rentner sicher. „Er soll wissen, dass wir ihn nicht aus den Augen lassen“, sagt eine ältere Dame und zeigt auf den Angeklagten. Zwei Eheleute – beide fast 80 Jahre alt – fahren jedesmal gut eine dreiviertel Stunde, um hier dabei zu sein. „Unser Erspartes ist futsch“, sagt der Mann. Dabei waren sie sich so sicher, dass es bei der Volkssolidarität gut aufgehoben ist. Und nun noch dieser schier unendliche Prozess!

Amandus K. zieht mit seinem Verteidiger alle Register, die der Rechtsstaat bietet. Auf „weit über 50“ schätzt Rechtsanwalt Rudloff die Zahl der Beweisanträge, die er bislang gestellt hat, um die Unschuld seines Mandanten zu beweisen. Der soll nämlich laut Anklage als Fondsmanger maßgeblich dazu beigetragen haben, dass die alten Leute um ihr Erspartes geprellt wurden. Betrug und Insolvenzverschleppung wirft ihm der Staatsanwalt vor.

Die Senioren hatten hohe Summen in zwei Immobilienfonds der früheren Kreisverbände Mecklenburg Mitte und Bad Doberan/Rostock-Land der Volkssolidarität gesteckt. Rund 1, 1 Millionen Euro sollen allein von 2004 bis 2005 irgendwo im Schneeball-System versickert sein. Auch noch, als Amandus K. schon wusste, dass die Fonds pleite sind, ist Anklagevertreter Holger Schütt überzeugt. „Ich könnte längst plädieren“, sagt er. Doch dazu kam er auch gestern nicht.

Gegen 9.44 Uhr betreten die Richter den Saal. Sie lehnen das halbe Dutzend Beweisanträge vom vorhergehenden Prozesstag ab. Mal sollten Zeugen gehört werden, die von angeblichen „stillen Reserven“ sprechen würden. Oder davon, dass eigentlich Lothar V. das Sagen hatte. Dem, damals ebenfalls Fonds-Manager bei der Volkssolidarität, blieb wegen Demenz der Platz auf der Anklagebank erspart. Nun wollte die Verteidigung ihn als Zeugen laden. Das abzulehnen, fällt dem Gericht leicht. Gleichwohl muss sich Lothar V. oder sein Betreuer ab Mitte Mai in einem Zivilprozess in Rostock verantworten, in dem es um Schadenersatzforderungen geht.

Andere Beweisanträge hatte der Verteidiger in ähnlicher Form schon früher gestellt. Das Gericht lehnt sie nun mit ähnlicher Begründung erneut ab. „Haben Sie weitere Anträge“, fragt der Vorsitzende Richter danach fast tonlos. „Ja, zwei“, antwortet der Verteidiger und stellt sie umgehend. Worauf das Gericht den Verhandlungstag für beendet erklärt. Der kleine Zeiger der Uhr hat gerade die Zehn erreicht.

Nach Ostern geht es weiter. Mit dem gleichen Prozedere, sind sich die Senioren sicher: Das Gericht wird die Beweisanträge ablehnen, die Verteidigung neue stellen, die das Gericht ablehnt, um neue entgegenzunehmen. Ein Perpetuum mobile mit Terminen, die nun bis Ende Juni reichen.

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