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Mecklenburg-Vorpommern

24. November 2017 | 10:33 Uhr

Volkssolidarität lässt Anleger abblitzen

vom

svz.de von
erstellt am 23.Jun.2010 | 07:33 Uhr

Rostock | Zeugt ihr Vorpreschen von Mut und Einsatz für die Schicksalsgenossen, oder könnte es den Zusammenhalt der Anlage-Opfer gefährden? Mit einem eigenen Schadensersatz-Prozess haben sich zwei Anleger der beiden insolventen Volkssolidarität-Fonds in MV aus der großen Gruppe der Geprellten nachdrücklich zu Wort gemeldet. Der 75-jährige Manfred K. aus Güstrow und seine Frau Karin wollen die Gesellschafter der Immobilienfirmen zur Rechenschaft ziehen, sie werfen ihnen Täuschung über die Sicherheit der Einlagen vor. Wie 800 Investoren war das Paar einem Geschädigten-Verein beigetreten. Nachdem Anwälte der Volkssolidarität gestern vor dem Rostocker Landgericht einen Vergleich ablehnten, ist unklar, ob die Einzelklage den Interessen der Gemeinschaft wirklich dient.

"Die Volkssolidarität kann jetzt sehen, wie sie damit umgeht", meinte der Chef der Verbraucherzentrale in Rostock, Jürgen Fischer. "Der Prozess wird der Sache der Betroffenen nicht schaden, aber wir hätten das schon gern übernommen." Auf Initiative der Verbraucherschützer hatten sich die Anleger Ende April in dem Verein zusammengetan, um ihre Schlagkraft und damit auch die Aussicht auf Erfolge vor Gericht zu erhöhen.

Ende August will die Kammer bekanntgeben, ob die Eheleute Anspruch auf Entschädigung für die verloren gegangenen Ersparnisse haben. Das Paar hatte im März 1998 insgesamt 10 000 Mark als stille Beteiligung an einem Senioren-Wohnprojekt der Volkssolidarität-Sozial-Immobiliengesellschaft mbH (VSI) in Teterow eingezahlt. Aus Sicht der Kläger war die Grundschuld jedoch schon lange vor der Insolvenz der Fonds 2009 wertlos; es habe sich um "Schrott-Immobilien" gehandelt. Die Güstrower fordern die Rückzahlung der Summe einschließlich der entgangenen Zinsen für alternative Anlagen.

Insgesamt sollen bis zu 9 Millionen Euro von 1600 Investoren in den pleitegegangenen Fonds verschwunden sein. Die Rostocker Staatsanwaltschaft ermittelt gegen zwei Ex-Chefs wegen des Verdachts auf Betrug und Insolvenzverschleppung.

Seine Klage will das Paar keinesfalls als Bruch der Solidarität mit anderen Geprellten interpretiert sehen. "Wir sind nur überzeugt, dass die Angaben im Werbeprospekt falsch waren", erklärte Manfred K. Er sehe sich getäuscht, weil die Fonds der Kreisverbände Mecklenburg-Mitte und Bad Doberan/Rostock Land offenbar nicht so solide waren wie dargestellt. Obwohl die Vertreter der Volkssolidarität einer außergerichtlichen Einigung eine Absage erteilten, beurteilen die Kläger die Chancen als gut.

Mit dem Prozess wolle er zudem zeigen, dass die Volkssolidarität "als Ganzes wenig mit den Geschäften zu tun hat", betonte K. Tausende Menschen leisteten weiterhin eine vorbildliche ehrenamtliche Arbeit. Das Problem sei die Haltung der Führung, die sich trotz angeblichen Wissens um die heikle Finanzlage bei den beiden Pleite-Fonds aus ihrer Verantwortung stehle. Als einer der gegnerischen Anwälte dem entgegenhielt, die Volkssolidarität habe Anlegern auch noch nach der Insolvenz Vorrang bei Plätzen für betreutes Wohnen eingeräumt, reagierten Dutzende Zuhörer im Publikum mit Empörung. Eine Haftung der Volkssolidarität schlossen deren Anwälte aus.

Der Vorsitzende Richter wollte sich noch nicht auf eine Bewertung der Vorwürfe festlegen. Anzeichen für eine bewusste Täuschung sehe er bisher nicht. Zugleich betonte er die Dringlichkeit einer Klärung.

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