Volkssolidarität: Anlegern läuft die Zeit davon

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18. September 2012, 07:47 Uhr

Rostock | In der unendlichen Geschichte vom Immobilienskandal der Volkssolidarität droht ein trauriges Ende für die Anleger: Der Großteil der 1600 Geschädigten könnte nach Einschätzung der Verbraucherzentrale (VZ) Mecklenburg-Vorpommern leer ausgehen. Ende des Jahres verjähren alle Forderungen, wie VZ-Vorstand Jürgen Fischer gestern in Rostock sagte. Wer bis dahin weder eine Schlichtung beantragt noch eine Schadenersatzklage eingereicht habe, vergebe die Chance, vielleicht doch einen Teil seines verlorenen Geldes wiederzusehen. "Es ist fünf vor 12", sagte er.

Im Herbst 2009 war die Pleite von zwei Immobilienfonds des Wohlfahrtverbandes bekannt geworden: Der Schaden wird auf neun Millionen Euro geschätzt. Geld, das überwiegend ältere Menschen "ihrer" Volkssolidarität anvertraut hatten in der Hoffnung, ihre Ersparnisse sicher und sozialverträglich wachsen zu lassen. Die nunmehr entstandene Zeitnot hat nach Ansicht von VZ-Vorstand Fischer zwei Gründe: Zum einen schleife die juristische Aufarbeitung bei Justizbehörden des Landes, zum anderen wirke sich die "sture Haltung" der Volkssolidarität aus. "Für sie stehen die Chancen nicht schlecht, das Problem durch Verjährung zu lösen", urteilt Rechtsanwalt Jochen Resch. Der Jurist aus Berlin, spezialisiert auf Anlegerrechte, berät die Verbraucherzentrale und vertritt rund 70 Betroffene. Etwa 300 weitere kämpfen in einem Geschädigtenverband gemeinsam um ihre Rechte.

Im Januar hatte die Staatsanwaltschaft am Landgericht Rostock gegen zwei mutmaßliche Hauptdrahtzieher der Pleite-Fonds Anklage erhoben. Den früheren Geschäftsführern der Volkssolidarität im Kreis Rostock-Land und Mittleres Mecklenburg wird schwerer Betrug und Insolvenzverschleppung vorgeworfen. Darüber hinaus liegen seit 2010 vier Zivilklagen beim Landgericht Rostock. Ein erster Verhandlungstermin platzte, da die Volkssolidarität einen Befangenheitsantrag gegen die Richter gestellt hatte. Sie wiesen den Verdacht zurück, nach dem Einspruch der Volkssolidarität ist nun das Oberlandesgericht gefragt. Zudem warten etwa 50 bis 60 Anträge auf Schlichtung bei der Öffentliche Rechtsauskunft- und Vergleichsstelle (ÖRA) Hamburg auf Bearbeitung. Sie schieben die Verjährungsfrist auf. Da rum hofft Anwalt Resch, dass bis Jahresende weitere Schlichtungsanträge hinzukommen.

Im laufenden Insolvenzverfahren ist für die geprellten Kleinanleger nichts zu holen. "Alles was irgendwie verfügbar ist, geht an die Banken", schätzt VZ-Vorstand Jürgen Fischer ein.

Darum geht's im MEDIENPROJEKT von SVZ und NNN

Etwa 75.000 Schüler und Lehrer in Mecklenburg-Vorpommern erhalten in einem gemeinsamen Projekt der Zeitungsverlage und des MV-Bildungsministeriums bis zum Jahresende kostenlosen Zugang zu den Newsportalen. Fragen Sie an den Einrichtungen ihrer Kinder nach den Bedingungen und Login-Daten, die Sie auch in der Familie nutzen können.
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