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Kultusminister weist Verantwortung des Landes zurück : Volksinitiative will Theater retten

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Mit der Gründung einer landesweiten Volksinitiative wollen Prominente die Theater- und Orchesterlandschaft in MV retten. Es sollen 15 000 Unterschriften gesammelt werden, damit sich der Landtag des Themas annimmt.

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erstellt am 18.Nov.2011 | 11:00 Uhr

Schwerin | Mit der Gründung einer landesweiten Volksinitiative wollen prominente Künstler, Mediziner und Politiker die Theater- und Orchesterlandschaft in MV retten. Zu den Erstunterzeichnern der gestern in Schwerin initiierten Unterschriftensammlung zählen u.a. Prof. Rainer Biffar, Direktor für Zahnheilkunde an der Universität Greifswald, Professor Hartmut Möller von der Hochschule für Musik und Theater in Rostock, die Sängerin Anette Uhland vom Theater Stralsund und der Links-Politiker Torsten Koplin aus Neubrandenburg. In den nächsten Monaten sollen 15 000 Unterschriften gesammelt werden, die laut Landesverfassung notwendig sind, damit sich der Landtag des Themas annimmt.

Wörtlich heißt es in der Initiative: "Der Landtag wird aufgefordert, unverzüglich die Rahmenbedingungen für den Erhalt der bestehenden Theater- und Orchesterstrukturen in ihrer Vielfalt in Mecklenburg-Vorpommern zu schaffen. Dazu gehört insbesondere eine auskömmliche finanzielle Unterstützung durch das Land. Seit 15 Jahren wurden die Zuweisungen des Landes nicht erhöht. Die Theater und Orchester haben in der Folge massiv Personal abgebaut und unter größten Anstrengungen ihre Einnahmen erhöht. Die Schmerzgrenze ist erreicht..."

Ein Eckpunktepapier der Landesregierung zur Weiterentwicklung der Theater- und Orchesterstrukturen war in der letzten Legislatur gescheitert. Deshalb heißt es auch im Koalitionsvertrag von SPD und CDU: "Die Koalitionspartner sind sich einig, dass das Theater- und Orchesterkonzept im engen Dialog mit allen Akteuren grundlegend zu überarbeiten ist." Die weitere Förderung durch das Land soll ab 2013 an Strukturentscheidungen geknüpft werden, die Fusionen von Orchestern und Theatern oder Spartenreduzierungen nicht ausschließen. Die derzeitigen Landeszuschüsse von 35,8 Millionen Euro sollen bis 2020 nicht erhöht werden. Das ist den Initiatoren der Initiative jedoch zu wenig. In jüngster Vergangenheit nehmen drohende Theater-Insolvenzen zu. Am nächsten Montag will die Stadtvertretung in Schwerin einem Rettungsplan des Landes für das Mecklenburgische Staatstheater zustimmen, durch den mit 500 000 Euro Landeshilfe und einem Sonderzuschuss in gleicher Höhe aus der Stadtkasse eine Insolvenz des größten Theaters des Landes abgewendet werden soll.

Torsten Koplin, Kulturexperte der Linkspartei, spricht von notwendigen Soforthilfen für alle Theater von insgesamt über drei Millionen Euro, davon u.a. 1,45 Millionen für das Volkstheater in Rostock, 750 000 für Neubrandenburg/Neustrelitz und 150 000 für die Vorpommersche Landesbühne in Anklam. Ursprünglich war die Theaterfinanzierung so geplant, dass die Höhe der Landeszuschüsse in der Regel der Höhe der kommunalen bzw Eigenmittel der Theater entsprechen sollen. Inzwischen hat sich dieses Gefüge jedoch zu Ungunsten der Kommunen verschoben.

Der neue Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) weist eine Primärverantwortung des Landes jedoch zurück. "Ich freue mich über jeden, der sich für die Theater- und Orchesterlandschaft engagiert", sagte er gestern unserer Zeitung. Allerdings sei das Land "die falsche Adresse". "Die Eigner sind die Kommunen", erklärt Brodkorb, "Dort dürfen die Finanzen nicht gekürzt werden, wie das derzeit in Rostock diskutiert wird." Er forderte die Initiatoren der Volksinitiative auf, sich an der Konzeptdebatte für künftige Strukturen zu beiteiligen. Wörtlich: "Die Trägerkommunen selbst müssen die Debatte führen, wie sie sich künftig aufstellen wollen. Ich hoffe, dass die Theater und Kommunen die Kraft finden, ein zukunftsfähiges Konzept für ihre Theater aufzustellen." Der Minister will in den nächsten Tagen mit allen Häusern ins Gespräch kommen.

Ab kommender Woche sollen in allen Theater-Städten Unterschriften gesammelt werden.

Erfolgreiche Volksinitiativen beschäftigten sich in der Vergangenheit mit dem Erhalt des Studienganges Zahnmedizin an der Uni Rostock, mit der Änderung der Landesverfassung und mit der Forderung nach einem kostenfreien Mittagessen in Kita und Schule.

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