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Sanddorn vom Wohlenberger Wiek : Vitamin C in Beerenform

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Aus der Onlineredaktion

Der Sanddorn ist dank des nassen Sommers prächtig gediehen. Manufaktur verarbeitet Früchte

svz.de von
erstellt am 27.Sep.2017 | 12:00 Uhr

Niklot Pagels (39), studierter Ernährungswissenschaftler und Sanddorn-Spezialist, fährt in diesem Jahr seine bisher beste Ernte ein. Schon als Jugendlicher habe er mit der Familie die Wildfrüchte an der Ostseeküste gesammelt und verarbeitet. Zum Ende des Studiums machte er sich selbstständig und baute voll und ganz auf Sanddorn. 2001 bepflanzte Pagels eine zwei Hektar große Pachtfläche an der Wohlenberger Wiek bei Klütz. In den Boden kamen vor allem alte Ludwigsluster Zuchtsorten wie „Leikora“, die für besonders hohe Erträge bekannt ist.

Die Idee: Aus den selbst angebauten vitaminstrotzenden Früchten reinen gesunden Saft und Aufstriche in Handarbeit herzustellen und direkt im Hofladen sowie via Internet zu verkaufen. Bei der aufwändigen Ernte und Verarbeitung hilft nicht nur die Familie mit, auch drei Angestellte beschäftigt Pagels inzwischen in der lütten Manufaktur. Ziel sei es, die Beeren so sauber wie möglich von der Plantage zu holen, damit Wertstoffe und Geschmack unverfälscht erhalten bleiben, erklärt der Unternehmer.

Der als „Zitrone des Nordens“ bekannte Sanddorn ist in diesem Jahr dank des nassen Sommers prächtig gediehen. Die grell orangefarbenen Wildfrüchte werden bis Ende September nicht nur auf Deutschlands ältester Plantage in Ludwigslust von den Dornensträuchern geholt, sondern auch von kleinen Pflanzungen an der Ostseeküste wie der in Wohlenberg. Hofladenbesitzer Pagels rechnet mit einer Rekordernte von mehr als zehn Tonnen Einzelbeeren, wie er sagt. Die Sträucher hingen so voll, dass einige unter ihrer Last bereits umgekippt seien.

Mit scharfen Gartenscheren werden die dicken Fruchtäste von den mannshohen Sträuchern geschnitten und dann in Eistruhen bei 35 Grad unter Null tiefgefroren, damit sich die Beeren leichter lösen lassen. Auch das Abtrennen der Früchte geschieht bei Pagels mit ganzem Körpereinsatz. „Wir schlagen die Beeren mit einer Hacke von den gefrosteten Ästen, dreschen sie ab“, erklärt er. Große Betriebe wie die Sanddorn Storchennest GmbH in Ludwigslust ließen das von Rüttelmaschinen erledigen.

Zum Säubern der Beeren nutzt Pagels ein paar einfache Ventilatoren. „Von oben lassen wir die abgedroschenen Früchte in den Windstrahl fallen, Staub und Blätter werden weggepustet und die schweren Beeren aufgefangen.“ Anschließend müssen die Früchte entsaftet und mehrfach gesiebt werden, um einen möglichst reinen Extrakt mit allen wichtigen Ölen und Inhaltsstoffen zu gewinnen. Das Produkt kann nun verdünnt, gewürzt, gesüßt oder zu Marmelade verarbeitet werden. Auch pur bietet Pagels seinen flüssigen Sanddorn an – sozusagen als Power-Konzentrat.

„Der Bedarf steigt“, resümiert der Sanddorn-Bauer. Nicht nur im Hofladen, sondern auch online orderten Verbraucher in wachsenden Mengen seine selbst gemachten Vitaminbomben. Für höhere Erträge wolle er im kommenden Jahr seine Plantage verjüngen, also alte Sträucher abholzen und durch Neupflanzungen ersetzen. Auch plane er, alpine Sanddornsorten anzubauen. Deren Früchte hätten noch mehr Vitamine und gesundheitsfördernde Elemente, die Qualität noch besser.

 

Sanddorn - Lat.: Hippophae rhamnoides – „leuchtender Pferdedorn“

Der Dornenstrauch, ein Ölweidengewächs, ist am Ende der Eiszeit vor rund 17 000 Jahren aus Zentralasien – Tibet, China, Mongolei, Südostsibirien – nach Mitteleuropa „eingewandert“. Die Beeren enthalten sieben- bis zehnmal mehr Vitamin C als Zitronen, außerdem Spurenelemente, Mineralstoffe, Fruchtsäure, Zucker und Öl.  Zu DDR-Zeiten züchtete der VEG Saatzucht/Baumschulen Berlin in den 1970er-Jahren in Ludwigslust die ersten Kultur-Sorten, um das Saft- und Vitamin-C-Angebot für die Bevölkerung zu verbessern. Mit der Sorte „Leikora“ wurde 1980 eine Plantage angelegt. Die Flächen gehören heute zur Sanddorn Storchennest GmbH und messen 117 Hektar. Erwartet werden rund 70 Tonnen Einzelbeeren, 30 Tonnen mehr als 2016. Laut Verband zur Förderung von Sanddorn und Wildobst wächst kultivierter Sanddorn bundesweit auf mindestens 800 Hektar vor allem in Brandenburg, MV und Sachsen-Anhalt.



 

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