Picknick-Konzert in Redefin : Virtuoses Spiel in der Reithalle

Weltklasse: Pianist Rudolf Buchbinder beeindruckt bei drei Beethoven-Klavierkonzerten mit sensibler Klangsprache .
Weltklasse: Pianist Rudolf Buchbinder beeindruckt bei drei Beethoven-Klavierkonzerten mit sensibler Klangsprache .

Mehr als 1600 Besucher feiern Wiener Pianist Rudolf Buchbinder bei zweitem Picknick-Konzert im Landgestüt Redefin

svz.de von
06. Juli 2014, 19:45 Uhr

Der Intendant gähnte herzhaft. Was natürlich nichts mit dem eben gehörten Konzert „seines“ Württembergischen Kammerorchesters Heilbronn (WKO) zu tun hatte: Nein, Christoph Becher hatte schlicht das tropische Klima in der Reithalle zugesetzt. Erst ein traumhafter Sommertag auf dem Landgestüt Redefin, dann pünktlich zum Konzertbeginn ein heftiges Gewitter – solch Schwüle hinterlässt eben ihre Spuren. Zum Glück indes nicht bei den mehr als 1600 Besuchern, die sich zuvor auf Campingstühlen und Decken im Schatten der großen Eichen und Buchen auf den Rasenflächen des Gestüts den kulinarischen Genüssen aus Kühltaschen und Picknickkörben hingegeben hatten. Und auch die Musiker aus dem Südwesten der Republik – das „beste Stück Baden-Württembergs“, so Festspiel-Intendant Markus Fein in seiner Begrüßung – schwächelten ebenso wenig ob der Hitze wie Solist Rudolf Buchbinder.

Ja, der geniale Beethoven-Pianist nahm sich sogar vorab sogar noch die Zeit für ein entspanntes Plauderstündchen mit Fein im Kreise des Vereins der Festspielfreunde, die das zweite Picknick-Pferde-Sinfoniekonzert dieses Sommers für ihre Jahreshauptversammlung samt Mitgliederfest nutzten. „Mein Konzertdebüt habe ich als Elfjähriger mit Beethovens 1. Klavierkonzert im Großen Saal des Wiener Musikvereins gegeben – damals spielte ich noch in einer kurzen Hose“, erinnerte sich der Österreicher schmunzelnd. Ähnlich lang reicht auch seine Zusammenarbeit mit dem WKO zurück: „Unsere erste Tournee war vor 50 Jahren – damals sind wir mit dem Autobus durch ganz Europa gereist“, erzählte Buchbinder. „Und es gibt tatsächlich noch einige Musiker, die von Beginn an dabei sind – Sie werden sie nachher im Konzert sicher sofort erkennen.“

Die grauen und schlohweißen Haare in den hinteren Orchesterreihen waren tatsächlich unübersehbar – zu hören indes war von Alter oder gar Altersmüdigkeit bei dieser Beethoven-Gala keine Spur. Stattdessen beeindruckten die rhetorische Brillanz des Ensembles, seine Fähigkeit, Einzelheiten der Partitur sorgfältig zu gestalten und auszumodellieren. Womit das WKO nicht allein eine erfrischende Spielfreude und Artikulationsvielfalt in den Klavierkonzerten Nr. 2, 3 und 4 bewies, sondern auch trefflich mit dem Beethoven-Bild des vom Flügel aus leitenden Solisten harmonierte. Denn Buchbinder wählte für den vermeintlichen „Titan“ – „ein völlig falsches Bild: Beethoven ist für mich der romantischste Komponist“ – einen lyrisch-verinnerlichten Ansatz wie etwa im Adagio des B-Dur-Konzertes und pflegte eine sehr sensible Klangsprache, die selbst den aufs Grandiose zielenden Solo-Kadenzen ihre Wucht nahmen.

„Einfach fantastisch“, befand Fritz Horst Melsheimer, frischgebackener Aufsichtsratschef des Festspielsponsors HanseMerkur. Vor bald zehn Jahren hatte er als damaliger Vorstandsvorsitzender des Versicherungskonzerns das Engagement beim Musiksommer in MV in die Wege geleitet und freute sich nun sehr, im Rahmen dieses Konzertes mehr als 100 Gäste zum Empfang laden zu können. „Beethoven ist für mich einer der Größten.“ Allein den Getränke-Wunsch des gefeierten Solisten nach dem Konzert vermochte auch Melsheimer nicht zu erfüllen: Hegt Buchbinder doch eine Vorliebe für einen guten Whiskey „on the rocks“.

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