Letztes Festspiele-Konzert der Saison : Virtuoser Schlussakkord

Stargeiger Daniel Hope glänzte in der Neubrandenburger Konzerthalle mit temperamentvollem Zugriff auf die Musik.Lawrenz
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Stargeiger Daniel Hope glänzte in der Neubrandenburger Konzerthalle mit temperamentvollem Zugriff auf die Musik.Lawrenz

Was einen Musiker von Format ausmacht, zeigte Daniel Hope zum Abschlusskonzert der Festspiele MV in der Neubrandenburger Konzertkirche. Als künstlerischer Leiter des Festivals hatte er eine offizielle Rede zu halten.

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10. September 2012, 06:04 Uhr

Neubrandenburg | Was einen Musiker von Format ausmacht, zeigte Daniel Hope zum Abschlusskonzert der Festspiele MV in der Neubrandenburger Konzertkirche. Als künstlerischer Leiter des Festivals hatte er dort eine der offiziellen Reden zu halten und weiß natürlich, dass diese Sprechtexte vor der Musik meist alles andere als ein Amuse Gueule des Konzertes sind. Das wollte der Brite mit seinem speziellen Humor einmal anders machen, begann seine Ansprache mit dem Goethe-Satz: bilden, nicht reden solle der Künstler… und kleidete seine folgenden Worte in ein launiges Versmaß.

An diese charmante Geste reichte auch der stets geistreiche Intendant Mattias von Hülsen nicht heran. Er bilanzierte wie im vergangenen Jahr am selben Ort, dass ungünstiges Wetter und diesmal auch die Konkurrenz der Fußball-EM die Besucherzahlen etwas unter die Erwartungen drückte. Möglicherweise ist mit den stattlichen 66 000 Besuchern in 125 Konzerten, von denen 85 ausverkauft waren (Auslastung 82 Prozent), das Potenzial eines solchen Flächen-Events annähernd ausgeschöpft.

Wollen die Festspiele auch weiterhin innovativ sein, bleibt immer ein Rest unkalkulierbaren Zuspruchs. Dazu gehörte die Wiederentdeckung der mecklenburgischen Komponistin Emilie Mayer ebenso wie die 30 Entdeckungs-Konzerte der "Jungen Elite". Immer für ein volles Haus sorgten die 14 Auftritte der bislang jüngsten "Preisträgerin in Residence", der in guter Form zu erlebenden Geigerin Veronika Eberle.

Von einem hohen Neugier-Effekt profitierten die Reihe "Komponierte Landschaften" mit Führungen durch ausgewählte Parks und Gärten rund um die Spielstätten oder die spannenden Projekte mit verlockenden Namen wie "Lincoln-Center", "Carnegie-Hall" und "Savannah". Im Kern werden die Festspiele Erfolg immer wieder aus einem eingelösten Qualitätsversprechen generieren können.

Das trifft insbesondere auf das Abschlusskonzert zu. Auch musikalisch war das der Nachmittag des Daniel Hope. Er wählte für seinen Auftritt das g-Moll-Violinkonzert von Max Bruch, mit dem sich der Komponist schwer tat und doch in einem fast schon unerträglichen Maße erfolgreich wurde. In der Spielpraxis setzte etwa Jascha Heifetz mit einer tief romantischen Sinngebung Interpretationsmaßstäbe.

Hope zeigte einen temperamentvollen Zugriff auf die Musik nicht nur im ungarisch angehauchten, virtuosen Finalsatz. Er bewies auf diesem Feld gefahrvoller Hingebung durchweg große Formungsintensität und mätzchenfreie Rhetorik, bot mit technischer Souveränität und klangfarblichem Reichtum eine erfrischende Gesamtschau auf das Werk. Ravels aus tiefer Seele gespieltes "Kaddisch" gab es als Zugabe.

Zweifelsfrei eine Überraschung war der 1986 in Nizza geborene Dirigent Lionel Bringuier, der am Pult der herrlich agil und forsch aufspielenden NDR Radiophilharmonie Hannover stand. Dieser junge Franzose, der bereits mit den New Yorker Philharmonikern musizierte, offenbarte eine fast schon irritierende musikalische Reife und einen erstaunlichen Gestaltungswillen. Sowohl bei Felix Mendelssohn Bartholdys Hebriden-Ouvertüre wie auch bei Beethovens siebter Sinfonie, die im Programm das Violinkonzert rahmten, strebt er nach einem auf Präzision und Glanz ausgerichteten Stil. Damit schuf er in der Konzertkirche ein außerordentlich Klang-Erlebnisses, für das sich das Publikum mit Standing Ovations bedankte.

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