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Mecklenburg-Vorpommern

17. Oktober 2017 | 15:30 Uhr

Biber in MV : Vierbeinige Baumeister

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Biber galten im Norden 200 Jahre lang als ausgerottet / Nun kehren sie ins Warnowtal zurück

An der schmalsten Stelle des Radebachs türmen sich Äste und Zweige fast zwei Meter hoch. Abgedichtet mit Pflanzen und Schlamm, staut der Biberdamm den kleinen Bach unweit von Warin an.

Obwohl der Winter schneearm und das Frühjahr trocken war, erstreckt sich nun bachaufwärts eine rund zehn Hektar große Wasserfläche, durchsetzt mit Inseln, auf denen Erlen und allerlei Buschwerk wachsen und ein Reiherpaar nistet. Ein idealer Lebensraum für Biber.Und den haben die vierbeinigen Baumeister mit den kräftigen Vorderzähnen selbst geschaffen. „Sich die Umwelt gezielt nach eigenen Bedürfnissen zu gestalten, das kann neben dem Menschen nur der Biber“, sagt Mario Krüger, Ranger im Naturpark Sternberger Seenland, und zeigt hinüber zur knapp 200 Meter entfernten Biberburg. In der nur durch eine Unterwasserröhre erreichbaren Behausung wird in den kommenden Wochen Nachwuchs erwartet. Von den dämmerungsaktiven, bis zu 35 Kilogramm schweren Tieren ist hingegen nichts zu sehen.

Das Gebiet östlich des Schweriner Sees zählt heute wieder zu den größeren Verbreitungsgebieten des Bibers in Deutschland. Krüger und seine Kollegen haben 140 Reviere ausfindig gemacht, rund 110 seien derzeit auch besetzt. Noch vor 20 Jahren galt der größte Nager Europas in der gesamten Region als ausgestorben. Heute, so schätzt Krüger, leben im wasserreichen Naturpark rund 300 Tiere. Zusammen mit der Population an der Peene im Osten Mecklenburg-Vorpommerns und an der Elbe bei Boizenburg sollen es landesweit inzwischen mehr als 1500 sein. Selbst am Rostocker Warnowufer seien Biber heimisch geworden. „Zu DDR-Zeiten gab es nur noch einen kleinen Bestand des sogenannten Elbebibers in Steckby in Sachsen-Anhalt. Von dort kamen auch die zwölf Tiere, die Anfang der 90er-Jahre hier bei uns am Stettiner See bei Kleefeld ausgesetzt wurden. Und auch die Biber an der Peene stammen von denen dort ab“, berichtet Krüger.

Zum Bibertag am heutigen Sonnabend nimmt er Naturfreunde wieder mit auf Touren im Warnowgebiet und berichtet dann über die Wiederansiedlung des Bibers. Aus Sicht Krügers eine Erfolgsgeschichte. „Wir leben in einer Region mit vielen Niedermooren, in denen der Biber heimisch war und wo er auch hingehört“, so Krüger. Doch nicht alle sehen die Rückkehr des Nagers so begeistert. „Allein auf unserem Betriebsterritorium leben 30 Biberfamilien“, berichtet Roland Ohlendorf, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Gustävel. Von den 480 Hektar Grünland, auf denen Rinder grasen oder Futter gewonnen wird, seien 80 Hektar durch Biberdämme beeinträchtigt. Zehn Hektar seien nicht mehr nutzbar, weil sie unter Wasser stehen. „Wir als Landwirte könnten sehr gut ohne den Biber leben. Aber er ist nun mal da und wir müssen uns arrangieren“, sagt Ohlendorf einlenkend.

Mit Zustimmung der Umweltbehörden durfte Ohlendorf dieser Tage einen Biberdamm am Bach Goewe, fast in Sichtweite seines Hofes, schleifen. Auch von Fischern kamen Klagen, der Biber hole die Fische. „Der Biber ist Vegetarier. Er ernährt sich von Wasserpflanzen und Rinde von Ästen“, erklärt Krüger.

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