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8. Schulgesundheitstag in Warnemünde : Vier von zehn Lehrern burnout-gefährdet

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Insgesamt 38,3 Prozent der Pädagogen arbeiten über ihre Grenzen hinaus und überschätzen sich selbst. Mangelnde Unterstützung und schlechte Ausbildung führen oft zu gesundheitlichen Problemen. Ein Burn-Out droht.

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erstellt am 07.Dez.2011 | 08:16 Uhr

Rostock | Vier von zehn Lehrern im Land sind burnout-gefährdet. Insgesamt 38,3 Prozent der Pädagogen arbeiten über ihre Grenzen hinaus und überschätzen sich selbst. Daraus entstehe schnell ein Burnout, weiß Dr. Albrecht Schumacher, Leitender Psychologe AHG Kliniken Waren, der gestern beim 8. Schulgesundheitstag in Warnemünde vor rund 180 Lehrern sprach.

Unter dem Motto "Lehrer stärken - zufrieden in der Schule?" organisierten das Bildungsministerium und die Unfallkasse Mecklenburg-Vorpommern (UK MV) diese Veranstaltung. Auch Thomas Rupf, seit 13 Jahren Diplom-Pädagoge, stellte in seinem Vortrag heraus, dass die Lehrer oftmals alleingelassen werden. Vor allem im Studium gehe es nur um fachdidaktische Dinge. "Elterngespräche zu führen, müsste bereits im Studium gelehrt werden. Aber das fehlt", weiß Thomas Rupf aus Erfahrung. Doch nicht allein das Lehrer-Studium müsste umstrukturiert werden, auch die Lehrkräfte müssten stärker im Alltag betreut werden. Denn die Situation habe sich in den vergangenen Jahren stark verändert. "Wir Lehrer müssen lernen, uns abzugrenzen. Wir sind nicht für alles verantwortlich", sagte Thomas Rupf. Er verdeutlichte immer wieder, dass die Lehrer den Eltern auch deutlich sagen müssen, dass sie nicht für die Erziehung ihrer Kinder verantwortlich seien.

Pädagogen fehlt eine Entspannungsphase

Mit den Jahren haben sich nicht nur die Anforderungen an die Pädagogen geändert, sondern auch die Schüler haben sich verändert. Dabei stellte Thomas Rupf den Unterschied zwischen verhaltensgestörten und verhaltensoriginellen Kindern heraus. "Verhaltensoriginell, dieser Begriff ist in Deutschland gar nicht bekannt", so Rupf. Der Pädagoge meint Mädchen oder Jungen, die besonders sind. Rupf kennt mehrere Typen dieser Schüler. "Es gibt den konsequenten Typ, dieser will zum Beispiel immer nur Nudeln zum Essen. Wenn die Eltern immer nachgeben, wird das Kind es auch in der Schule austesten, wie oft es seinen Willen bekommt", erklärt Thomas Rupf. Und genau an dieser Stelle wird es schwierig. Denn wenn verhaltensoriginelle Kinder keine Grenzen kennenlernen, entstehen Sozialstörungen, mit denen die Lehrer lernen müssen, umzugehen.

Doch nicht allein diese Probleme und die schlechte Zusammenarbeit zwischen Lehrern und Eltern führe zu gesundheitlichen Problemen, weiß Dr. Albrecht Schumacher. Oftmals fehlte den Pädagogen einfach eine Entspannungsphase. "Viele von Ihnen arbeiten als Springer. Ihre Pause können Sie nicht genießen, weil sie bereits innerhalb weniger Minuten an einer anderen Schule sein müssen", sagt Dr. Schumacher. Diese Situation kennen bereits die Referendarinnen Claudia Ulrich und Katharina Seidl. Die jungen Frauen arbeiten in Stralsund - an zwei Schulen. "Die Belastung ist enorm hoch. Wir kommen mit sehr viel Fachwissen von der Uni, das wir vermitteln wollen, können es aber nicht in die Tat umsetzen, weil es an der Schule wieder ganz anders ist", sagt Claudia Ulrich. Auch ihre Kollegin Seidl plädiere dafür, praktische Elemente ins Studium einzubauen. "Die Gesprächsführung mit Eltern zum Beispiel müsse gelehrt werden und auch das Thema Gesundheit", sagt die 32-Jährige.

Die Schirmherrschaft über die Tagung übernahm Bildungsminister Mathias Brodkorb. Er versprach den Lehrkräften, dass es in den kommenden Jahren keine Veränderungen mehr am Schulsystem in Mecklenburg-Vorpommern geben werde, ohne sich eingehend darüber informiert und die Öffentlichkeit miteinbezogen zu haben. "Wer den Führerschein macht, setzt sich auch nicht ins Auto, bevor er nicht theoretisch und praktisch etwas gelernt hat. Wir wollen das auch nicht mehr", sagte Brodkorb. Der Minister wolle in den kommenden Jahren die Auseinandersetzung mit der Öffentlichkeit - vor allem mit den Lehrern, die oftmals die Leidtragenden sind. "Frustrierte Lehrer können keine Kinder begeistern", sagte der Bildungsminister.

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