Berufsweltmeisterschaften : Vier Tage Schweißen in Sao Paulo

Marven Vöge (l.) und sein Coach Thomas Schreinert beim Prüfen der Gerätekonstruktion.
Marven Vöge (l.) und sein Coach Thomas Schreinert beim Prüfen der Gerätekonstruktion.

Marven Vöge aus Rostock vertritt Deutschland bei der Weltmeisterschaft der Berufe in Brasilien

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12. August 2015, 12:00 Uhr

Schweißen vergleicht Marven Vöge sportlich mit Eiskunstlaufen. In der A-Note kommt es auf technische Abläufe an, in der B-Note wird der subjektive Eindruck bewertet. „Eine schöne Schweißnaht ist letztlich eine Sache der Betrachtung“, befindet der 21-jährige Rostocker. Wie beim Eiskunstlaufen gibt es beim Schweißen keine identischen Kopien, nur die wiederholte Annäherung an die perfekte Übung, an ein „perfektes Zusammenfügen“.

In den zurückliegenden Monaten hat Marven sich wieder und wieder besonders schönen Nähten angenähert. Das alles nur für diese Woche. Bis Samstag misst er sich mit 37 Schweißern aus aller Welt bei der 43. Auflage der Berufsweltmeisterschaften in Brasilien. Am Sonntag werden die Sieger geehrt.

  Für die Welttitelkämpfe hatte sich Marven als Sieger bei den Deutschen Schweißer-Meisterschaften im vorigen Jahr qualifiziert. Der Wettbewerb war in seinem Ausbildungsbetrieb, der Liebherr-MCCtec Rostock GmbH, ausgetragen worden. Trotz Heimvorteils war es bis zum Meistertitel ein hartes Stück Arbeit, denn bis zum Schluss lieferte er sich mit seinem Liebherr-Kollegen Thorben Richter ein Kopf-an-Kopf-Rennen. „Zuletzt hatte ich in einer Naht ein Wurzelproblem und habe dadurch entscheidende Punkte liegengelassen“, blickt Vize-Meister Thorben neidlos zurück. „Wer von uns beiden Champion werden würde, war letztlich egal. Wir haben als Team gewonnen.“ Das kämpferische Duo von der Ostseeküste bescherte der Liebherr-Gruppe zum ersten Mal die Deutsche Meisterschaft.

Das Erfolgserlebnis hat die jungen Männer „zusammengeschweißt“, wie der 20-jährige Thorben sagt. In der Ausbildung, die Thorben ein Jahr später als Marven begonnen hatte, lernten sie sich kennen. Und wie. „Von Anfang an waren wir in einem Battle“, beschreibt Marven in jugendlichem Slang die Konkurrenz. „Plötzlich war da einer im ersten Lehrjahr, der es auf Anhieb drauf hatte, gute Schweißnähte zu ziehen“. Marven grinst. Bei den Lehrkräften in der Liebherr-Akademie galt er bis dahin als talentiertester Azubi im Umgang mit Schweißdraht und Lichtbogen. „Marven und Thorben haben beide sehr früh eine gute Handschrift beim Schweißen erkennen lassen“, sagt anerkennend Ausbildungsbeauftragter Enrico Engel. Der interne Wettstreit habe den Ehrgeiz der beiden zu Bestleistungen zusätzlich angestachelt.

Liebherr-MCCtec wollte die Leistungen von Thorben bei den natioanlen Meisterschaften nicht unhonoriert lassen. Kurzerhand spendierten sie ihm  die Reise zu den WorldSkills. Die Spannung wuchs. „Theoretisch ist alles klar“, bekennt Marven, „aber die Praxis wird keine leichte Aufgabe“. Der Wettkampf um die WM-Krone gestaltet sich höchst anspruchsvoll. Die nächsten vier Tage werden die Juroren seine Schweißnähte akribisch unter die Lupe nehmen. Schön sollen sie aussehen und frei von Einbrandkerben und anderen Mängeln, betont Fachausbilder Thomas Schreinert. Er ist Schweißlehrer in der Liebherr-Akademie und bereitete Marven auf die WM vor. „Wir haben unseren Plan“, erklärt der 45-Jährige. Er weiß um die handwerklichen Qualitäten von Marven, „aber Talent ist nur eine Seite der Medaille, die andere hartes Training“.

  Marven kann Schweißnähte in stoischer Ruhe hinlegen. Schreinert bescheinigt dem Jungfacharbeiter neben Ehrgeiz eine „gewisse Leichtigkeit“, die für Top-Leistungen beim Schweißen unerlässlich sei. Während der Lichtbogen noch grellblitzend leuchtet, merkt Marven bereits, „ob es gut läuft“.   Seit Abschluss der Lehre im Februar dieses Jahres arbeitet der 21-Jährige im Stahlbau des Rostocker Liebherr-Werkes, verschweißt große Stahlkomponenten für Offshore-Schiffskrane.

Nach einem Schulpraktikum wusste Marven, der aus  Rambin auf der Insel Rügen stammt, „Metallbau ist mein Element“.  Als er Deutscher Meister wurde, sprach sich das nur wenig herum im Heimatort. Das dürfte sicherlich beim Gewinn des WM-Titels anders laufen, vermutet Marven und lächelt schelmisch. „Dann setzen sie mir ein Denkmal.“

 

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