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Ausstellung „Credo“ : Vier große Namen und ein Thema

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Gerhard Richter, Georg Baselitz, Gotthard Graupner und Günther Uecker teilen nicht nur den Ruf als wichtige zeitgenössische Künstler, sondern auch ein Stück ihrer Biografie.

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erstellt am 11.Nov.2011 | 08:11 Uhr

Reutershagen | Gerhard Richter, Georg Baselitz, Gotthard Graupner und Günther Uecker teilen nicht nur den Ruf als wichtige zeitgenössische Künstler, sondern auch ein Stück ihrer Biografie. Sie alle verließen die DDR, um im Westen frei arbeiten zu können. In der Rostocker Kunsthalle stellen sie nun erstmals gemeinsam und nebeneinander aus. Für die Ausstellung "Credo" beschäftigten sie sich mit Religion und dem Glauben. Heute Abend ist die Vernissage.

"Credo" ist in seiner ursprünglichen Bedeutung ein Glaubensbekenntnis. In der Rostocker Kunsthalle wird daraus jedoch auch eine Frage an das eigene Leben: Wo stehe ich selbst? Kurator Dr. Ulrich Ptak ist von diesem kleinen Wort, das der Ausstellung den Namen gibt, fasziniert und glaubt, dass der Begriff in jedem Menschen irgendetwas auslöst. Darum wird dem Betrachter in dieser Ausstellung eine besondere Rolle zugewiesen. Ptak sagt: "Von ihm hängt es ab, ob sich eine Vertrauensbeziehung herstellt, ohne die der Begriff Glauben nicht denkbar wäre."

Was Credo in den einzelnen Künstlern auslöst, ist ab sofort in vier voneinander abgetrennten Räumen zu sehen. Insbesondere Gerhard Richters Gedanken zu diesem Thema dürften das Rostocker Publikum interessieren. Denn er gilt zurzeit als einer der wichtigsten Künstler der Gegenwart. Erst Mitte Oktober war in London sein Gemälde einer brennenden Kerze für 12 Millionen Euro versteigert worden. Vor ein paar Tagen erzielte sein "Abstraktes Bild 849-3" bei einer New Yorker Auktion einen Preis von etwa 15 Millionen Euro. Richter zeigt in Rostock nun eines seiner wohl berühmtesten Werke, das Gemälde "Schädel mit Kerze".

Die anderen Künstler müssen sich hinter Richter jedoch nicht verstecken. Georg Baselitz etwa ist bekannt für seine an den Expressionismus angelehnten Arbeiten, die provozieren. In Rostock zeigt Baselitz großformatige, verfremdete Menschengestalten. Gotthard Graubner, der ein Kunstwerk für den Protokollraum des Deutschen Bundestags im Reichstagsgebäude schuf, stellt in Rostock eigenständige Farbraumkörper aus, die wie große Kissen anmuten und ein pulsierendes Eigenleben der Farbwerte bewirken sollen. Günther Ueckers Gesamtwerk umfasst Malerei, Objektkunst, Installationen sowie Bühnenbilder und Filme. In Rostock gibt es einen Film über Uecker zu sehen, der ihn bei der künstlerischen Arbeit zeigt. Ebenso ein riesiges Kunstwerk, das Farbe, Hölzer und Leinenstoff vereint.

Was die Arbeiten im Einzelnen für Bedeutungen haben und was genau sie ausdrücken, bleibt unbeantwortet. Ptak sagt: "Die Besucher sollen sich auf die Kunst vertrauensvoll einlassen." Neben den Kunstwerken finden die Gäste jeweils einen Credo-Spruch der Künstler selbst. Richter äußert sich so: "Ich misstraue nicht der Realität, von der ich ja so gut wie gar nichts weiß, sondern dem Bild von Realität, das uns unsere Sinne vermitteln und das unvollkommen ist."

Die neue Ausstellung in der Kunsthalle ist Teil eines ganzen Projekts zu dem Thema "Credo", das neben der bildenden Kunst auch Vertonungen sowie interpretierende Vorträge von Theologen umfasst. Initiiert wurde es von Prof. Matthias Langer, Kirchenmusikdirektor von Rostock, und Prof. Eckart Reinmuth, Theologe an der Universität Rostock. "Die Idee für ein solches Projekt schlummerte schon lange in mir. Nun bin ich glücklich zu sehen, wie eng die Kunst in Rostock zusammenrückt", sagt Langer.

Auch für den Leiter der Kunsthalle, Dr. Jörg-Uwe Neumann, ist so ein Projekt Neuland. Er sagt: "Das Projekt ist aufwändig, sowohl finanziell als auch organisatorisch." Noch nie hätte es in der Rostocker Kunsthalle eine so hohe Dichte an Arbeiten so namhafter Künstler gegeben. In einer gesonderten Ausstellung, die jedoch ebenfalls "Credo" heißt, werden darüber hinaus noch Arbeiten von Georges Rouault gezeigt.

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