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Mecklenburg-Vorpommern

22. November 2017 | 19:47 Uhr

Vier Brände in Wittenberge

vom

svz.de von
erstellt am 09.Apr.2012 | 06:37 Uhr

Wittenberge | Die Anspannung fällt ab, langsam übermannt die Kameraden die Müdigkeit. Seit fast 15 Stunden sind sie faktisch im Einsatz - vier Brände gelöscht, vier Personen aus einem Mehrfamilienhaus in der Friedrich-Engels Straße evakuiert, weitere aus angrenzenden Häusern in der Bahnstraße vorsorglich geholt. Zwei Familie können anschließend nicht wieder in ihre Wohnungen, kommen unter bei Verwandten oder Bekannten. Rico Schädler muss zusehen, wie Garage und Carport und die darüber liegenden Zimmer in Flammen aufgehen und damit die Arbeit der letzten Monate und Wochen.

Sonnabend, 23.02 Uhr:

Wohnungsbrand in einem leerstehenden Gebäude in der Wittenberger Zimmerstraße. Beim Eintreffen der Feuerwehr schlagen die Flammen so hoch, dass sie das darüber liegende Geschoss erreichen. Trotzdem gelingt es dem ersten Trupp im Innenangriff, das Feuer relativ schnell unter Kontrolle zu bringen. "Noch während wir beim Löschen sind ruft ein Anwohner, dass es dahinten lichterloh brennt und deutet auf die Liebigstraße", berichtet Einsatzleiter Steven Reppert.

Sonnabend, 23.16 Uhr:

Bis auf ein Fahrzeug der Wittenberger Wehr, das in der Zimmerstraße bleibt, fährt alles, was Räder hat, zur Liebigstraße/Ecke Tivolistraße. Von unterwegs werden die Wehren aus Perleberg, Weisen und Breese nachgeordert. Zirka 50 Kameraden, Rettungsdienst und ein Großaufgebot von Polizei sind vor Ort. Carport und die Zimmer darüber sind nur noch Schutt und Asche. Erst im November vergangenen Jahres hatte Rico Schädler das Anwesen gekauft. Ein Zuhause für seine Familie will er hier schaffen, Wohnungen sanieren und eine oder zwei Gästewohnungen für Fahrradtouristen einrichten. "Wir hatten das Dach schon dicht, waren dabei, den Fußboden auszugleichen", berichtet der junge Eigentümer. Was einem durch den Kopf geht, wenn die Flammen alles vernichten? "Alles mögliche". Wut, Enttäuschung und zugleich eine gewisse Ohnmacht machen sich breit. Denn von alleine könne sich das Feuer nicht entzünden. Zumal es im dazu gehörigen leerstehenden Wohnhaus auch noch in einem Zimmer im Erdgeschoss brannte. "Die Vermutung, dass es sich hier, wie in der Zimmerstraße, um Brandstiftung handelt, liegt nahe. Aber man ermittle in alle Richtungen", heißt es auf Nachfrage von der Polizei. Wie der "Prignitzer" in Erfahrung brachte, soll die Polizei eine Person, die offensichtlich an allen Tatorten zugegen war, angehört haben.

Sonntag früh klingt Rico Schädler ein wenig gefasster, doch der Schreck sitzt tief. "Ich will jetzt so schnell wie möglich erst einmal eine Wohnung so herrichten, dass wir als Familie hier einziehen können. Denn leider ist es in Wittenberge so, brennt 24 Stunden irgendwo kein Licht, wird alles ausgebaut."

Sonntag 7.34 Uhr:

Gegen 3.30 Uhr sind die letzten Kameraden vom Einsatz zurück, berichtet Wehrführer Chris Brandt. Sie sind gerade mal warm geworden im Bett, da ruft der Pieper erneut zum Einsatz. Wohnungsbrand in der Friedrich-Engels-Straße. Während ein Trupp sofort im Innern mit der Brandbekämpfung beginnt, sichert ein zweiter, dass alle Bewohner des Mehrfamilienhauses dieses verlassen. Vier werden an Ort und Stelle von Notärzten und Rettungskräften wegen Verdacht auf Rauchgasvergiftung behandelt. Sie müssen aber nicht ins Krankenhaus. Allerdings ist die Brandwohnung nicht mehr bewohnbar, die Mieter kommen über Ostern bei Verwandten unter, bestätigt Ordnungsamtsleiter Gotthard Porten. Am heutigen Dienstag wolle man sehen, ob über die WGW zeitweise vielleicht sogar eine möblierte Unterkunft für die Familie gefunden werden könne.

Hinsichtlich der Ursache vermutet man einen technischen Defekt, denn augenscheinlich hat sich der Brand vom Computertisch her ausgebreitet. Die Ermittlungen laufen aber auch hier noch. Der Schaden: Mehrere tausend Euro.

Sonntag, 11.26 Uhr:

Die Einsatzmonturen sind gerade gewechselt, die Schläuche getauscht, ein Fahrzeug ist noch einmal in die Zimmerstraße ausgerückt. Ein Glutnest in der Decke wurde entdeckt und nun abgelöscht. Da wird erneut Alarm ausgelöst. Wohnhausbrand in der Bahnstraße. Beim Eintreffen steht das Dach komplett in Flammen. "Wir haben sofort auf Großbrand erhöht und Wehren aus Perleberg, Weisen und Breese nachgeordert", so Einsatzleiter Steven Reppert. 60 Kameraden mit kompletter Technik, das Feuerwehrtechnikzentrum mit Schlauch und Atemschutz sowie Rettung und Polizei rücken an. Die Familie mit ihren drei Kindern kann rechtzeitig das brennende Haus verlassen, aus den Nachbarhäusern links und rechts sowie aus dem Hotel bringen die Kameraden die Menschen in Sicherheit.

Von der gegenüberliegenden Straßenseite beobachtet ein Ehepaar, wie die Kameraden versuchen, das Feuer unter Kontrolle zu bringen. "Wir haben einfach Angst. Das Haus daneben ist unsers", gesteht der Mann. Jeweils mit einem Innentrupp sichern die Kameraden in den Nachbarhäusern, dass das Feuer nicht überspringt. Mit Erfolg, die Brandwände halten, die Bewohner links und rechts können wieder zurück in ihre Häuser, so Chris Brandt. Doch für die fünfköpfige Familie muss eine Unterkunft gefunden werden. Über Ostern kommt sie bei Verwandten unter, bestätigt der Ordnungsamtsleiter, dann werde man sehen. Zur Brandursache könne in diesem Fall noch überhaupt nichts gesagt werden. Der Schaden: mehrere zehntausend Euro.

Vier Brände - unglücklicher Zufall, so Chris Brandt. Genauso wie fast auf den Tag vor sechs Jahren, als ebenso eine Serie von Bränden die Wittenberger Kameraden in Atem hielt.


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