Demokratie-Studie : Viele trauen Demokratie wenig zu

73 Prozent der Deutschen meinen: „Parteien zerreden alles“

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20. November 2014, 20:18 Uhr

Viele Deutsche trauen der Demokratie offensichtlich wenig zu. Einer gestern vorgestellten Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zufolge stimmen 73,1 Prozent der Bundesbürger dem Satz zu: „Die demokratischen Parteien zerreden alles und lösen die Probleme nicht“. Das Ergebnis dürfte Nachdenklichkeit bei den Parteien auslösen.

Neben den allgemeinen Zweifeln an Demokratie ist laut Studie auch die Kritik am Verhalten der politischen Elite weit verbreitet. 75,6 Prozent der Befragten stimmen dem Satz zu: „Politiker nehmen sich mehr Rechte heraus als normale Bürger“. Ähnlich hoch ist der Anteil derer, die meinen, dass zu viele Entscheidungen an den wirtschaftlichen Interessen ausgerichtet werden. „Letztlich entscheidet die Wirtschaft in unserem Land und nicht die Politik“. 74,6 Prozent der Befragten stimmten dem Satz zu. Auch sind 74,1 Prozent der Ansicht, „gegen soziale Missstände wird in Deutschland zu wenig protestiert“. Ostdeutsche würden der Demokratiekritik häufiger zustimmen als Westdeutsche.

Die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung gibt Studien zur gesellschaftlichen Mitte seit 2006 in Auftrag. Für die aktuelle Auflage wurden von Juni bis August rund 2000 repräsentativ ausgewählte Menschen befragt.

Trotz sinkender Wahlbeteiligung konnte eine allgemeine Politikverdrossenheit in der Studie nicht festgestellt werden. 35 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich in einer Partei engagieren oder für sich die Möglichkeit einer Mitgliedschaft sehen. 70 Prozent würden sich an einer Bürgerinitiave beteiligen oder haben dies bereits getan. An Unterschriftensammlungen haben bereits die Hälfte der Befragten teilgenommen, 42 Prozent könnten sich dies vorstellen.

Die Verfasser der Studie kommen zu einer ambivalenten Bewertung: Grundsätzliche Zweifel an der Funktionsfähigkeit von Demokratie stünden demokratischen Grundwerten wie der Gleichwertigkeit und Gewaltfreiheit entgegen. Differenzierte kritische Einstellungen „können aber auch mit demokratischen Grundwerten kompatibel sein und diese fördern“, heißt es.

Die Studie belegt außerdem, dass immer weniger Menschen in Deutschland ausländerfeindlich, nationalistisch und antisemitisch sind.

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