Kritik am Bildungsminister : Viele Plätze frei beim Produktiven Lernen

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Links-Politikerin Oldenburg kritisiert Bildungsminister: Förderangebot muss besser koordiniert werden

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16. August 2016, 12:00 Uhr

An den Schulen des Landes bleiben zunehmend Plätze im Fach Produktives Lernen frei. Im letzten Schuljahr waren 156 Plätze an 27 Schulen unbesetzt, das geht aus einer Anfrage der Links-Abgeordneten im Landtag, Simone Oldenburg, an das Bildungsministerium hervor. Die besondere Förderung war nach einem Pilotversuch im Schuljahr 2008/2009 flächendeckend in allen vier Schulamtsbezirken eingeführt worden.

Das Produktive Lernen ist ein Angebot für Jugendliche mit besonderen Problemen. Schüler mit wenig Chancen auf einen Schulabschluss und Schulschwänzer sollen durch eine individuelle Förderung mit sozialen und zum Teil auch medizinisch-therapeutischen Hilfen zum Abschluss geführt werden. Nach Angaben des Bildungsministeriums sei schon im Schuljahr 2012/2013 die Zahl der Schulabgänger ohne Berufsreife „deutlich gesenkt“ worden. Im Schuljahr 2014/2015 erreichten 225 Schüler an den teilnehmenden Schulen die Berufsreife nach der 9. bzw. die Mittlere Reife nach der 10. Klasse. 100 Schüler gingen ohne Abschluss von den Schulen mit dem Förderangebot.

Die vielen freien Plätze nimmt die Bildungsexpertin der Linken, Simone Oldenburg, im Wahlkampf zum Anlass für Kritik an Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD). Obwohl das Produktive Lernen die erfolgreichste Möglichkeit sei, mit der Jugendliche mit Schwierigkeiten im Schulalltag einen Schulabschluss erlangen können, seien zahlreiche Plätze unbesetzt.

Oldenburg: „Durch mangelnde Koordinierung der bestehenden Plätze wird den Jugendlichen die Chance genommen, erfolgreich die Schule mit der Berufsreife oder der Mittleren Reife zu beenden.“ Sie fordert, das Produktive Lernen besser zu bewerben und die Platzvergabe zu koordinieren. Die überdurchschnittlich hohe Quote der Schüler ohne Abschluss zwinge zum Handeln.

Der Bildungsminister lässt seinen Sprecher, Henning Lipski, antworten: „Wenn nicht alle Plätze besetzt sind, so ist dies ein Ausdruck besonders guter Entwicklung. Wir werden auch nicht zwangsweise Jugendliche zuweisen, damit alle Plätze belegt sind. Das würde spiegelbildlich nur dazu führen, dass dann Plätze in Regelklassen nicht belegt werden.“

Das Bildungsministerium schiebt den Ball zurück ins Feld der Links-Abgeordneten: Frau Oldenburg fordere immer wieder, kleine Schulstandorte zu erhalten. Eine Konsequenz von kleinen Schulen sei aber, dass nicht jede Klasse voll ausgelastet ist. Zum Vergleich: Im Schuljahr 2011/2012 blieben 62 Plätze frei. Ein Jahr später waren es schon 113 Plätze, und 2014/2015 waren es 136 Plätze. Insgesamt wurden für das Angebot 108 Lehrer speziell ausgebildet, von denen aber nicht mehr alle aktiv sind.



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