Nach dem Winter : Viele marode Kreisstraßen

Schlaglöcher sind auf vielen Straßen im Kreis ein Problem – die Politik fürchtet, dass das Land die Schäden auf Landesstraßen größtenteils nicht mehr beseitigen will.
Im Winter bilden sich auf den Straßen oft Schlaglöcher

Straßen in MV ohne größere Schäden durchgekommen

svz.de von
02. April 2017, 20:55 Uhr

Die Straßen haben die kalte Jahreszeit im Nordosten gut überstanden. „Dass die Straßen nach dem Winter deutlich schlechter sind, wird in der Öffentlichkeit oft so wahrgenommen. Stimmt aber nicht“, sagt der Leiter des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr, Manfred Rathert. Seine Behörde ist für die Instandhaltung von Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen zuständig. Trotzdem ist nicht alles in Ordnung: Rund die Hälfte der 3300 Kilometer Landesstraßen habe „Erhaltungsbedarf“, bei den 1900 Kilometern Bundesstraße sei es immer noch rund ein Drittel, sagt Rathert. Mit der Finanzierung seines Amtes sei er „durchaus zufrieden“.

Rund 243,3 Millionen Euro stehen in diesem Jahr laut Infrastrukturministerium für Bau und Instandhaltung von Landes- und Bundesstraßen sowie begleitende Radwege zur Verfügung, im Vorjahr waren es 212,5 Millionen Euro. Den Löwenanteil zahlt mit rund 181 Millionen Euro der Bund, den Rest das Land. Problematischer ist die Situation der Kreisstraßen: 3740 Kilometer gibt es davon im Land, hinzu kommen noch einmal 588 Kilometer Radwege und 218 Brücken, die den Kreisen gehören, wie der Geschäftsführer des Landkreistages, Matthias Köpp, sagt. Im Kreis Ludwigslust-Parchim seien 2015 fast die Hälfte aller Kreisstraßen in schlechtem oder sehr schlechtem Zustand gewesen, heißt es vom Kreis. Nur 5,4 Prozent entsprachen demnach der Zustandsnote Eins. Auch im Kreis Mecklenburgische Seenplatte besteht laut Verwaltung bei mehr als der Hälfte der Kreisstraßen „umfassender Sanierungsbedarf“. In Nordwestmecklenburg gibt es laut Köpp derzeit 18 Bauabschnitte in sehr schlechtem und 50 in schlechtem Zustand.

Die Situation sei in allen Kreisen ähnlich. Grund sei die chronische Unterfinanzierung. „Wir haben einen Investitionsstau, der sich nicht mehr so leicht abbauen lässt“, sagt Köpp. Der Landesrechnungshof geht von einem jährlichen Instandhaltungsbedarf von 12 600 Euro pro Kilometer Kreisstraße aus. 2016 konnten die Kreise jedoch nur 8431 Euro einplanen, in den Vorjahren noch weniger. Die tatsächlich investierte Summe könne noch niedriger ausfallen, denn andere Zahlungen, wie Sozialleistungen, würden vorgehen, erklärt Köpp. Der Investitionsbedarf allein im Landkreis Rostock belaufe sich auf 170 Millionen Euro, eingeplant seien für 2017/18 gerade einmal 12,3 Millionen, teilte der Kreissprecher mit. Die Höhe der Fördermittel sinke kontinuierlich. „Wir kritisieren schon lange, dass nicht alle Straßen so unterhalten werden, wie es gut wäre“, sagt Jörg Schnell, Geschäftsführer des Bauverbandes.

Hannes Stepputat

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