Flüchtlinge in MV : Viele helfen und haben Ängste

Umfrage unserer Zeitung zur Willkommenskultur ergab differenziertes Bild bei teilnehmenden Lesern

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16. September 2015, 21:00 Uhr

In Wittenburg hat Unternehmer Jürgen Baumgarten 70 Flüchtlinge untergebracht. In der Seenplatte hat Familie von Maltzahn einen Wohnblock hergerichtet. Hunderte Helfer melden sich in Notunterkünften und Kleiderkammern. Eine große Mehrheit unserer Leser ist davon überzeugt, dass die Willkommenskultur in MV sehr ausgeprägt ist.

Viele formulieren in einer Umfrage unserer Zeitung aber auch ihre Ängste deutlich. Vor einer Woche hatten wir aufgerufen, bis gestern erreichte unsere Redaktion ein großer Berg von knapp 300 Briefen mit teilweise ausführlichen Zuschriften. „Wir geben unseren Lesern eine Stimme“, sagt Chefredakteur Michael Seidel. Zwei Drittel der Leser, die an unserer Umfrage teilnahmen, finden, dass die Städte und Gemeinden genug tun, um dem Zustrom Herr zu werden. Ein Drittel meint allerdings auch, es könnte noch mehr sein. Angesichts jüngster Prognosen von 20 000 Einreisenden in MV wird auch mehr getan werden müssen.

Nach Meinung der Leser sollten die Menschen vor allem in großen Unterkünften untergebracht werden. Es kamen Vorschläge, z.B. die Kasernen in Demen bei Schwerin zu nutzen. Ob Wohnungen in Wohngebieten bezogen werden sollten, ist umstritten. 123 Leser sagten Ja, 156 Nein, keine Antwort 15.

Eine übergroße Mehrheit aber ist überzeugt, dass die Flüchtlinge das Land verändern werden. In den Erstaufnahmestellen in MV ist immer wieder davon die Rede, dass Flüchtlinge gerne nach MV kommen, weil sie hier schnell in ein Asylverfahren kommen. „Es fehlt ein Einwanderungsgesetz, überall in Deutschland müssen die gleichen Standards sein“, schreibt ein Leser, der wie viele seinen Namen nicht nennt. Der Leser fordert: „Die Bundes- und Landespolitik muss sich drehen. Sonst gibt es wieder Demos vom rechten Rand und das brauchen wir nicht.“

K. Henning aus Crivitz schreibt „Ende mit dem Krieg im Nahen Osten, Ende mit deutschen Waffenlieferungen.“ Die Leserin berichtet, dass sie sich zur Hilfe gemeldet hat. Im Gegensatz dazu sind unter den Antwortenden wenige, die selbst bereit wären zu helfen oder Flüchtlinge aufzunehmen. Gestern wurden weitere Notunterkünfte vorbereitet. Helfer werden dringend gebraucht. 

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