Reiligion : Viele finden Kirche wichtig

Banken in MV sollen künftig zusätzlich fällige Kirchensteuer pauschal weitergeben – eine bundesweite Praxis

svz.de von
01. Juli 2014, 20:30 Uhr

Für Christen wird es auch in Mecklenburg-Vorpommern schwieriger, bei der Kirchensteuer zu schummeln. Die Banken müssen bereits pauschal Kapitalertragssteuer ans Finanzamt abführen, wenn ihre Kunden entsprechend hohe Zinsen oder Dividenden für ihre Geldanlagen kassieren. Künftig sollen die Banken auch die zusätzlich fällige Kirchensteuer pauschal weitergeben. Das sieht ein Gesetzentwurf der Landesregierung vor, der heute im Landtag beraten wird. Damit sollen bundesweite Regelungen in Mecklenburg-Vorpommern übernommen werden.

Die Kirchensteuer beträgt in der Regel neun Prozent von der Lohn- oder Einkommenssteuer. Auch der Steuer-Aufschlag auf die Kapitalertragssteuer ist jetzt schon Pflicht, geriet aber bei manchen Kirchenmitgliedern offenbar in Vergessenheit, weil die Banken eine Pauschale abführt. Diese Lücke soll per Gesetz geschlossen werden.

Außerdem wird geregelt, wie Schwule und Lesben, die eine eingetragene Lebenspartnerschaft geschlossen haben, Kirchensteuern bezahlen.

Die beiden großen christlichen Kirchen haben in Mecklenburg-Vorpommern rund 320 000 Mitglieder. Soweit sie Einkommen hatten, zahlten sie im vergangenen Jahr 42 Millionen Euro Kirchensteuern. Allerdings basierte davon nur ein Prozent auf Kapitaleinkünften.

Die FDP-Jugendorganisation Junge Liberale forderte jüngst erneut vom Staat, nicht mehr die Steuern für die Kirchen einzuziehen. Das steht im Landtag nicht zur Debatte. Finanzministerin Heike Polzin (SPD) wird sich darauf auch kaum einlassen. Schließlich kassiert das Land fürs Steuerkassieren Gebühren von den Kirchen. Die Ministerin rechnet in diesem Jahr mit knapp 1,2 Millionen Euro. Um Kirchensteuer-Sünder muss die Kirche sich allerdings selbst kümmern. Die „weltlichen“ Buß- und Strafverfahren sollen die Finanzämter auf die Kirchensteuer nicht anwenden.

Unterdessen sieht die evangelische Nordkirche ihre „gesellschaftliche Rolle“ auch von Konfessionslosen in Mecklenburg-Vorpommern „erstaunlich gut akzeptiert“, so Bischof Andreas von Maltzahn gestern in Schwerin. Eine Studie mit knapp 500 Befragten habe ergeben, dass auch Nicht-Gläubige vor allem das soziale Engagement der Kirchen in Pflegeheimen und Kindergärten oder zum Beispiel in Flüchtlingsfragen schätzen. Viel Sympathie bringen die Nicht-Gläubigen zudem den Kirchen-Gebäuden entgegen. Das werde auch an den vielen Fördervereinen zur Rettung der Dorfkirchen deutlich, in denen im ganzen Land viele Bürger mitarbeiten, die nicht in der Kirche sind. Gut finden Konfessionslose auch, „dass man in der Kirche nicht perfekt sein muss, um angenommen zu werden“.

Von Maltzahn sieht eine gute Basis, um bei Konfessionslosen bestehende Vorurteile gegenüber der Kirche abzubauen. Wenig Erfolg verspricht sich der Bischof jedoch, wenn Kirchenmitarbeiter den Dialog mit Konfessionslosen in erster Linie suchen, um neue Mitglieder zu gewinnen. Andererseits sollten die Christen sich nicht scheuen, sich zu ihrem Glauben zu bekennen.

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