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Ballett in Schwerin : Viel Witz im Wilden Westen

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Aus der Onlineredaktion

Eine augenzwinkernde Miniatur mit viel Witz bis zur Groteske, mit Country-Musik von Johnny Cash oder sogar einer Piece von Claude Debussy.

svz.de von
erstellt am 30.Okt.2017 | 11:55 Uhr

Fröhliches Pfeifen im Dunkeln. Nach Angst im Walde klingt das nicht. Die Musik orgelt Dissonanzen, im Blitzlicht die unvermeidliche Leiche. Blutrot geht die Sonne auf – und hinterm Zaun reiten zwei Cowboys, die auf einen Coup aus sind, auf Steckenpferden. Jetzt erklingt „Farewell“ von Ennio Morricone, aber Bud Spencer und Terence Hill aus den Italowestern der 1960er schlagen hier nicht zu. Doch die Colts werden sprechen.

„Who shot the Sheriff?“ Es gibt im Western-Ballett des italienischen Choreographen Francesco Nappa nicht nur einen Verdächtigen, der den Gesetzeshüter umgelegt haben könnte. Einer sitzt im Knast, wird aber befreit. Zwei Männer werden am Strang baumeln, doch ziemlich lebendig. Auch zwei Damen hantieren aggressiv mit dem Schießeisen. Liebespaare sind natürlich unverdächtig. Taten im Bordell stehen nicht unter Strafe. Und ansonsten herrscht überwiegend stürmische Stimmung, wenn Männer wie Frauen, zusammen oder allein, in diesem Cowboy-und-Indianer-Spiel für Erwachsene auch mit ihren Gefühlen feuern. Die naive Phantastik der Italo-Westernfilme eines Sergio Leone etwa, der den Mythos in die Commedia tauchte, hat Nappa zur aktionsgeladenen Tanz-Parodie inspiriert. Das Schweriner Ensemble, von Bregje van Balen wie zum Fasching typisch kostümiert, hat die Gaudi im E-Werk uraufgeführt. Eine augenzwinkernde Miniatur mit viel Witz bis zur Groteske, mit Country-Musik von Johnny Cash oder sogar einer Piece von Claude Debussy. Bunt wie die Szenerie mit Kämpfen, Feiern und „Liebe in der Luft“, bietet die Choreographie einen Stilmix. Der von tradierten Elementen in sportliche Expression springt, in dem der eleganten Drehung die Verdrehung des Körpers, der Formation der Tumult folgt oder dem Jeté die Pantomime und eine Spur Artistik.

Das Ensemble gestaltet das voller Temperament und Komik. Mit verführerischer Allüre Eliza Kalcheva im Duett mit Dan Datcu als viriler Bursche bei einer Liebe auf den ersten Blick. Ein poetisches Umeinander, das von einem Zaun getrennte Begehren zwischen Maria Pawelec und Alyosa Forlini. Heftige Emotionen in Soli von Ennio Zappalá und Irene López Ros. Rundum Gruppen mit wildem Puls.

Nappas Scherzo ermuntert die Phantasie des Zuschauers, bei der Schaukelstuhl-Nummer muss das Programmheft helfen. Nicht alles, was dort erdacht ist, kann tänzerisch deutlich werden. Egal, es ist jedenfalls ein Spaß-Ballett.

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