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Vorpremiere in Parchim : Viel Alfons, wenig Puschel

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Kultreporter erprobte sein neues Programm in Parchim – eine Tradition, an der er festhalten will

svz.de von
erstellt am 11.Apr.2016 | 08:00 Uhr

Hamburg hat unbestritten den größeren Flughafen. Und selbst von den meisten Vorortzügen der Hansestadt fahren mehr Züge ab als vom Parchimer Hauptbahnhof. Hamburg hat auch mehr Theater – und in einem davon am Sonnabend die Premiere des neuen Bühnenprogramms von Alfons, dem Kultreporter aus der ARD, erlebt. Die Vorpremiere aber, die gab es schon am Freitag – und zwar in Parchim.

„Das Geheimnis meiner Schönheit“ hat der sympathische Franzose, dessen Markenzeichen die orange Trainingsjacke und das Puschelmikrofon sind, die Show genannt. Und er hat natürlich auch eine Geschichte dazu parat, wie er auf diesen Titel kam. Ursprünglich, so erzählt Alfons, sollte sein fünftes Bühnenprogramm ganz einfach „Nr. 5“ heißen. „Aber da gab es ein kleines Problem; es gab einen Anruf von Chanel. ,Nr. 5‘ gehört uns, sagten die.“ Er hätte zwar zu diskutieren versucht, dass doch auch er auf Plakaten eine gute Figur machen würde, aber da habe man ihm gesagt, du bist auch schön, aber man sieht es nicht, deine Schönheit ist mehr geheim. „Und so bin ich dann auf den Titel für mein Programm gekommen.“

Es ist ein sehr persönliches Programm, dass viel über Alfons verrät, der mit bürgerlichem Namen Emmanuel Peterfalvi heißt und seit Jahren in Hamburg lebt. Geboren und aufgewachsen in Paris, wurde der Junge Ende der 70er -Jahre aufs Land geschickt, um in den Sommerferien sein Asthma zu kurieren. „Es war so langweilig, ich hätte fast meine Schulbücher rausgeholt.“ Doch dann gab es da Auguste, den einsilbigen Bauern, der in den Nächten die Sterne beobachtet und dabei Nietzsche und andere Philosophen zitiert. Tagsüber rüstet er für den Stadtjungen seinen Traktor um, sodass der Gaspedal und Kupplung erreichen kann „ohne sich zu fühlen wie Sarkozy“. Und Auguste hätte ihm, frei nach Nietzsche, auch mit auf den Weg gegeben: „Werde wer du bist – dann wirst du automatisch schöner…“

Den alten Bauern aus der Provence hätte es wirklich gegeben, verrät Alfons. Er selbst habe auch tatsächlich wie seine Bühnenfigur ein Ingenieurstudium absolviert – dass er allerdings so viel von seinem Nachbarn abgeschrieben hat, dass es fürs Diplom reichte - „in Deutschland hätte ich dafür sogar den Doktortitel bekommen“ - darf man getrost bezweifeln.

Die für ihn typischen Interviews mit starkem französischen Akzent und Puschelmikrofon gibt es auch – allerdings weniger als in früheren Programmen. Zum Beispiel zum Thema Sexualität. „In welchem Zustand ist die Frau besonders fruchtbar?“ „Im Sommerurlaub.“ „Man kann an jeder Ecke Dessous kaufen. Was war das Schärfste, das Ihnen Ihre Frau präsentiert hat?“ „Chilli con Carne.“

Nein, es sei nicht schwer, diese Szenen zu filmen, meint Alfons. „Viele erkennen mich - wenn auch nicht alle. Und viele lieben die Figur und helfen ihr deshalb auch gern weiter.“ Seine Bekanntheit öffne ihm zudem manche Tür, die anderen verschlossen bleiben würde. So durfte Alfons auch eine Seniorenschulung für Bahnautomaten mit Kamera und Mikrofon begleiten - der Film, der dabei herauskam, ist unbestritten ein Höhepunkt des Bühnenprogramms.

Auch die Panama Papers, die Flüchtlingsdebatte oder den VW-Skandal lässt Alfons nicht aus. Die Deutschen seien doch Menschen, hätten seine Landsleute gedacht, als der Abgasbetrug publik wurde. „Aber ihr Deutschen betrügt gründlich. Ihr habt eine Software entwickelt, für die es sicher ein 500 Seiten starkes Handbuch gibt. Wir Franzosen hätten einfach den Prüfer bestochen“, erklärt er und erntet dafür viel Applaus. „Wir sind allerdings auch nicht besser, wir haben jahrelang eine Ente verkauft, die nicht mal fliegen kann…“

Das Parchimer Publikum sei ein toller Gradmesser dafür, ob ein neues Programm funktioniere, erzählt Alfons nach der Vorpremiere. Schon dreimal hätte er das probiert. Nur beim ersten Mal sei es ein zufälliges Arrangement zwischen seiner Agentur und dem Parchimer Theater gewesen, aber das sei so gut gelaufen, dass feststand, dass das nicht das letzte Mal sein sollte. „Und das sage ich nach diesem Abend auch.“

Vor dem Start seiner Deutschlandtour ist Alfons am Mittwoch und Donnerstag um 20 Uhr zwei weitere Male in Hamburg in „Alma Hoppes Lustspielhaus“ zu erleben. Tickets: 040-5556-5556
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