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Erster Fall von Vogelgrippe in MV : Video: „Wie sollen wir das alles lösen“

vom
Aus der Onlineredaktion

Stallpflicht wegen Vogelgrippe / Virus macht Geschäft mit Freilandgeflügel einen Strich durch die Rechnung

Die wegen der Vogelgrippe verhängte Stallpflicht für Geflügel lässt die Chefin des Pommernhofs in Zarnewanz, Nicole Höftmann, verzweifeln. 3000 Gänse und 12 000 Enten hält der Betrieb östlich von Rostock – ausschließlich im Freiland. Ställe gibt es nicht. Mit dem Schlachten der Tiere im eigenen Schlachthaus wurde begonnen: „Jetzt zum Martinstag am 11.11. war die Nachfrage nach unseren Gänsen vergleichsweise groß“, sagt Höftmann. Etwa 1000 Gänse sind schon weg. „Der nächste Höhepunkt folgt erst unmittelbar vor Weihnachten.“

Jetzt mehr Tiere zu schlachten als vorgesehen sei ein Problem: „Erstens bekommen wir so schnell keine zusätzliche personelle Hilfe“, gibt sie zu bedenken. „Die Mitarbeiter für die zweimonatige Schlachtzeit bis Weihnachten haben wir in Rumänien gefunden. Hierzulande wollte das keiner machen.“ Auch habe der Betrieb nicht die entsprechenden Kühlkapazitäten, ergänzt Höftmann. Jetzt alle Tiere wegen fehlender Ställe kurzfristig zu schlachten würde auch deshalb nicht funktionieren, weil noch nicht alle Gänse und Enten das Schlachtgewicht haben. „Im Moment weiß ich nicht, wie wir das alles lösen sollen“, sagt die studierte Landwirtin. Sie hatte als Prokuristin der Entenfarm Kobande bei Schwerin im vorigen Jahr den finanziell angeschlagenen Pommernhof übernommen.

„Wir haben alles selbst in der Hand. Von der Elterntierhaltung und der Brüterei über die Aufzucht der Jungtiere mit anschließender Mast bis hin zur Schlachtung und Vermarktung.“ Seit Frühjahr wurden in regelmäßigen Abständen neue Jungtiere auf die voneinander getrennten Weideflächen gebracht.

Ob der Betrieb eine Ausnahmegenehmigung von der Stallpflicht erhält, ist unsicher. Agrarminister Till Backhaus (SPD) sagte in Schwerin, es werde generell keine Ausnahmen geben. Das Virus sei zu gefährlich, um mögliche Krisenherde zuzulassen. Zu entscheiden haben die regional zuständigen Veterinärbehörden. Im Falle eines Verlustes ersetze die Tierseuchenkasse die Einbußen.

Ein gutes Timinig hatte das Landwirte-Ehepaar Georg Siems und Chris Bokemeyer-Siems auf Hof Walden in Saal bei Ribnitz-Damgarten. Ihre 150 Gänse seien am Martinstag alle geschlachtet, sagt die Züchterin. Das passiere in einem kleinen Betrieb bei Teterow. Am Sonnabend feiert der Bioland-Betrieb sein Hoffest, da sollen etliche Gänse frisch verkauft werden.

Für das Landwirte-Paar, das auch noch 400 Hühner hält, ist aber auch die Stallpflicht kein Problem. „Wir hatten für die Gänse einen fahrbaren Unterstand gebaut. Bei Legehennen kennt man das schon. Aber mit Gänsen, glaube ich, sind wir die einzigen im Land“, erzählt Chris Bokemeyer-Siems.

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