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SVZ-Serie „Nachtschicht“ : Video: Kripo-Leute im Nachteinsatz

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Streifenfahrt und klickende Handschellen: Unsere Zeitung begleitete den Kriminaldauerdienst in Schwerin

von
erstellt am 28.Feb.2017 | 20:45 Uhr

Es gibt Putengeschnetzeltes mit Pilzen. „Selbst gemacht“, sagt Polizeioberkommissar René Will. Der Duft des Essens erfüllt den ganzen Raum. Kriminaloberkommissar Jens Fuhrmann und Polizeioberkommissarin Katharina Schmidt greifen in ihre Brotdosen. Ein bisschen beneiden sie ihren Kollegen um die warme Mahlzeit. Es ist 20.20 Uhr. Gut zwei Stunden sind die Beamten des Schweriner Kriminaldauerdienstes (KDD) jetzt auf Schicht, halten die Stellung in ihrem Zimmer im Polizeizentrum in der Graf-Yorck-Straße. Zwei Computer-Arbeitsplätze, ein Stadtplan und Zettel mit Dienstplänen und wichtigen Adressen an der Wand.

Serie „Nachtschicht“
Mit den Schweriner Kripo-Beamten starteten wir eine neue crossmediale Serie von Videoreportagen: Wenn am Himmel von Mecklenburg-Vorpommern die Sonne untergeht, beginnt für viele Menschen die Nachtschicht! Wir begleiten alle 14 Tage einige von ihnen - im Polizeiauto, in der Notaufnahme, im Obdachlosenheim, in der Bäckerei, bei der Post, im Hafen...

Der Abend für die drei Polizisten beginnt ruhig. Ein Vermisster ist wieder da, per Telefon kommt die Meldung. Es geht um einen 17 Jahre alten Syrer. Jens Fuhrmann macht sich Notizen, löscht die Fahndung im Rechner. Der 47-Jährige, seit 1990 bei der Polizei, hat in dieser Nacht den Hut auf beim KDD. „Ob Vermisstensuche, Raub oder Körperverletzung – wir sind zuerst am Tatort, fahren den ersten Angriff“, sagt Fuhrmann. Wenn es ernst wird, nehmen er und seine Kollegen die Anzeigen auf, sichern Spuren und befragen Zeugen. „Uns begegnet die ganze Bandbreite der Kriminalität“, sagt der Polizeibeamte.

 

René Will legt die Gabel aus der Hand. „Unser Job ist unberechenbar“, sagt der 44-Jährige, der an diesem Tag schon um 5 Uhr aufgestanden ist, Sport gemacht und sich danach noch einmal hingelegt hat, um für die Nacht fit zu sein. „Aber das macht ja auch den Reiz aus.“ Katharina Schmidt ist Quereinsteigerin, kümmert sich eigentlich um Wirtschaftskriminalität. Beim KDD soll sie Praxisluft schnuppern. Sie habe einen großen Gerechtigkeitssinn, sagt die 34-Jährige, Mutter von zwei kleinen Mädchen.

21 Uhr: Zeit für eine Streifenfahrt durch die Stadt. Jens Fuhrmann und René Will steigen in den dunklen Kleintransporter. An Bord haben sie, was Kripo-Leute so brauchen, wenn sie unterwegs sind: Utensilien zur Spurensicherung, Fototechnik, einen Laptop.

Vom Dreesch aus geht es in die Innenstadt. Auf dem Marienplatz ist noch reichlich Bewegung. Junge Leute stürzen sich ins Nachtleben, ältere Schweriner warten auf die Straßenbahn. Durch die Schelfstadt führt die Fahrt schließlich Richtung Lankow. René Will steuert den Transporter ins Wohngebiet am Mühlenberg. Ein Fußgänger mit Kapuze über dem Kopf erregt die Aufmerksamkeit der Kriminalisten. „Den Mann sehen wir uns mal an“, sagt Jens Fuhrmann.

Doch bei der Kontrolle entpuppt sich die Sache als völlig harmlos: Der 27-Jährige holt seine Mutter vom Sport ab. Fuhrmann und Will setzen ihre Tour fort. Über die Weststadt und einen Schlenker durchs Mueßer Holz kehren sie ins Revier zurück. Es ist kurz nach 23 Uhr.

Im KDD-Zimmer hat Katharina Schmidt unterdessen eine Vermisstenmeldung aufgenommen. Ein 15-jähriger Junge ist aus einer Wohngruppe verschwunden. Die Fahndung geht raus, Nahverkehr und Taxi-Genossenschaft werden verständigt. Bis 6 Uhr müssen Fuhrmann, Will und Schmidt nun noch durchhalten – und dann bekommen sie doch noch ihren großen Einsatz. Um 1.30 Uhr geht der Alarm ein: An der Straßenbahn-Haltestelle in der Leibnizstraße soll ein 15-Jähriger von vier Männern überfallen und ausgeraubt worden sein.

Sofort eilen Fuhrmann, Will und Schmidt in Richtung Tatort, begleitet von mehreren Streifenwagen. In Höhe einer Tankstelle in der Hamburger Allee stellen sie vier Verdächtige. Reifen quietschen, Handschellen klicken, die Szenerie ist wahrhaft filmreif. Die KDD-Beamten fahren weiter zur Hegelstraße, wo sie das Opfer in einem Rettungswagen antreffen. Es ist der Junge, der just in der Nacht vermisst gemeldet worden war. Da habe wohl Kommissar Zufall seine Hände mit im Spiel gehabt, sagt Jens Fuhrmann.

Die vier Verdächtigen, zwischenzeitlich aufs Revier gebracht, müssen die KDD-Leute vorerst wieder ziehen lassen, weil der 15-Jährige
die jungen Männer nicht zweifelsfrei identifizieren konnte. Ende einer Nachtschicht beim Kriminaldauerdienst in Schwerin.

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