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Bericht aus Klink : Video: „Rrrumms“ – und weg

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Tausende Menschen beobachteten das Ende des alten Gebäudes

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erstellt am 28.Sep.2017 | 14:52 Uhr

Exakt 15 Uhr war es so weit: Ein ohrenbetäubender Knall ertönte gestern in Klink (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte). Zuvor hatten drei Signaltöne die Zuschauer an Land und zu Wasser auf die Sprengung des Müritz-Hotels hingewiesen. Handys wurden gezückt, Kameras in Position gebracht und es war trotz rund 1500 Zuschauern mucksmäuschenstill. Dann ein lautes „Rrrumms“: Das Gebäude mit zehn Geschossen – das zu den bekanntesten Hotels in Ostdeutschland gehörte – fiel zusammen.

Eine Staubwolke überdeckte den 20 000-Tonnen-Betonberg. „380 Kilogramm Sprengstoff wurden dafür gebraucht“, berichtet Projektleiter Andreas Fricke der Balance Ingenieur- und Sachverständigengesellschaft mbH Rostock. „Es gab keine Probleme.“ „Das Haus war für die Marktwirtschaft zu groß, aber für den FDGB nicht“, erzählt der 77-jährige Gerd Schröter. Der rüstige Klinker war über Jahrzehnte „Chef des Hauses“ mit rund 800 Betten, das der „Freie Deutsche Gewerkschaftsbund“ über seinen eigenen Feriendienst bewirtschaftete.

Seit 1962 hat Schröter Tourismus auf dem Filetgrundstück betrieben, von 1974 an mit dem für damalige Verhältnisse noblen Hotel. „Die Sprengung war aber unumgänglich“, erläutert Douglas Fernando, Vorstandschef der Avila Management & Consulting GmbH Berlin, der die Immobilie gehört. Aufgrund der Statik und der verbauten Schadstoffe hätte das Müritz-Hotel nicht umgebaut werden können. „Von 2018 an wollen wir neu bauen: Ein geschwungener Bau, ähnlich wie die Reha-Klinik nebenan“, sagt Fernando.

Sieben Geschosse, großzügig verglast mit Tagungs-, Sport und Wellnessanlagen, heißt es im Prospekt. Von 60 Millionen Euro Investitionen ist die Rede. Erneut sollen fast 200 Arbeitsplätze entstehen, auch die Reha-Klinik soll erweitert werden.

Das hören Ex-Hotelier Schröter und die Klinker mit Wohlwollen. Brachte die früher spröde als „FDGB-Urlaubersiedlung“ bezeichnete Anlage doch schon immer einen Hauch Großstadtflair in den kleinen Ort. Prominente aus dem In- und Ausland gaben sich die Klinke in Klink in die Hand: Von Andy Borg, Andrea Berg und Rex Gildo über erst viel SED- und nach 1990 FDP-, SPD- und CDU-Politprominenz. So waren Björn Engholm, Guido Westerwelle, Günter Rexrodt, Jürgen Möllemann und Angela Merkel teils mehrfach in Klink.

Der idyllisch gelegene Ort ist auch durch das Schlosshotel bekannt. Der Adelssitz im Stil der Renaissance gehörte jahrzehntelang einer Familie von Schnitzler. Eines der bekanntesten Familienmitglieder war Karl-Eduard von Schnitzler (1918-2001), in der DDR Autor des „Schwarzen Kanals“, viele nannten ihn „Sudel-Ede“. Das Schloss fand 1998 seinen neuen „Prinzen“, der es sanierte, so dass es zu den ersten touristischen Adressen der Seenplatte gehörte.

Das hat Fernando mit dem 45 Hektar große Filetgrundstück zwischen Kölpinsee und Deutschlands größtem Binnensee Müritz auch vor. Erst mussten noch die Denkmalpfleger überzeugt werden. Denn nach dem Auszug des letzten Hotelbetreibers 2015 wurde das „Müritz-Hotel“ kurzzeitig noch unter Denkmalschutz gestellt. Es sei beispielhaft für die Entwicklung des DDR-Tourismus, hieß es.

Klink war neben Templin (Brandenburg) und Friedrichroda (Thüringen) eines der größten FDGB-Hotels. „Auf einen Urlaub hier musste man länger warten als auf einen Trabi“, sagt Schröter. Schließlich konnte die Avila-Gruppe die Denkmalpfleger überzeugen, aber eine akribische Dokumentation des Hotels war nötig. Rund 2,5 Millionen Euro hat allein der Abriss gekostet.

Die Avila-Gruppe hatte am Donnerstag zur „feierlichen Sprengung“ geladen, doch nicht allen Besuchern war danach zumute. Auf der Müritz, wo die Boote so dicht wie nie lagen, ertönten laute Hupsignale. Viele gingen nach dem Knall aber auch einfach leise davon, auf der „Straße der Völkerfreundschaft“, die ihren Namen behalten hat.

 Zahlen & Fakten

380 Kilogramm Sprengstoff wurde benötigt, um das dreiflügelige Gebäude zum Fallen zu bringen.

1500 Löcher wurden für die  Sprengladungen gebohrt.

300 Meter betrug der Abstand von dem aus Schaulustige die Sprengung mitverfolgten.

1500 Menschen sahen der spektakulären Sprengung teilweise auch vom See aus zu.

2,5 Millionen Euro wird der Abriss mit Sprengung  schätzungsweise verschlingen. 

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