Unfall auf der A14 : Video: 600 Ferkel verenden auf der Autobahn

Als dreieinhalb Stunden nach dem Unfall die Ladeklappe geöffnet wurde, konnten die Helfer nur noch wenige Tiere lebend bergen.
1 von 2
Als dreieinhalb Stunden nach dem Unfall die Ladeklappe geöffnet wurde, konnten die Helfer nur noch wenige Tiere lebend bergen.

Viehtransporter kippte im Kreuz Schwerin um: Fahrer verletzt, Bahn gesperrt und für die meisten Tiere kam die Rettung zu spät.

svz.de von
27. Juni 2017, 19:24 Uhr

„Lebende Tiere“ steht auf einem Schild, das an der Heckklappe des Viehtransporters klebt, der im Autobahnkreuz Schwerin umgekippt ist. Als Feuerwehrleute die Klappe des verunglückten Fahrzeugs am späten Dienstagmittag öffnen, wird eines schnell klar: In diesem Transporter ist nicht mehr viel Leben. Dafür müssen die Helfer mehr als 600 qualvoll verendete Ferkel aus dem Transporter ziehen.

Warum der Viehtransporter mit polnischem Kennzeichen dreieinhalb Stunden zuvor in der lang gezogenen Rechtskurve zwischen der A 14 und A 24 auf die Seite kippte – das herauszufinden ist eine der Aufgaben von Mathias Elert. Elert ist stellvertretender Leiter des Autobahnverkehrspolizeireviers Stolpe, koordiniert gerade den Einsatz im Schweriner Kreuz und hat viel zu besprechen. Das Gespräch mit dem polnischen Beifahrer des Transportes gestaltet sich dabei als schwierig. „Verständigungsprobleme“, sagt Elert. Der Beifahrer steht an der Planke, hält sich die linke Schulter und hat ein Handy am Ohr. Den Fahrer des Transportes können die Beamten jetzt nicht befragen, denn er ist mit Gesichtsverletzungen schon auf dem Weg nach Schwerin ins Krankenhaus. Was Polizeihauptkommissar Elert bisher weiß: Der Lastkraftwagen war auf dem Weg nach Rumänien und hat 700 Ferkel geladen.

Das Quieken der eingeschlossenen Tiere ist auch für die gestandenen Feuerwehrmänner vor Ort nur schwer zu ertragen. „Das braucht man nicht jeden Tag“, sagt einer von ihnen und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Die Laderampe öffnen? Auf keinen Fall, sagen die Polizisten. Erst muss die Autobahn komplett gesperrt werden. Die Gefahr, dass die jungen Schweine in Panik über die Fahrbahn rennen, sei zu groß. Außerdem muss noch ein Ersatzfahrzeug her, das die lebenden Tiere aufnimmt. Darum kümmert sich Dr. Gerald Stumpf vom Veterinäramt des Landkreises Ludwigslust-Parchim. Gerade angekommen, hat er sich einen blauen Schutzanzug angezogen und sich ein Bild von der Lage gemacht. „Die Tiere sind großem Stress ausgesetzt“, weiß er und hält per Telefon seinen Fachdienstleiter auf dem Laufenden. Das ist Dr. Olav Henschel vom Fachdienst Veterinär und Lebensmittelüberwachung des Landkreises. Einen speziellen Notfallplan habe der Landkreis für solche Fälle nicht, sagt er. „Alles Einzelfallentscheidungen.“ Wichtig sei es, ergänzt er, dass die Tiere so wenig Schaden wie möglich erleiden. „Aber machen wir uns nichts vor. Wir haben hier einen umgekippten Viehtransporter auf einer Autobahn. Das ist eine schwierige Situation“.

Der Viehtransporter war auf dem Weg nach Rumänien.  Warum der Fahrer beim Wechsel von der A 14 auf die A 24 die Kontrolle über das Fahrzeug verlor, ist noch unklar.
Hans Taken
Der Viehtransporter war auf dem Weg nach Rumänien. Warum der Fahrer beim Wechsel von der A 14 auf die A 24 die Kontrolle über das Fahrzeug verlor, ist noch unklar.
 

Die Autobahnmeisterei schafft Fangzäune herbei. Im Winter sollen sie Schnee aufhalten. Jetzt Ferkel, die ausbüxen könnten. Ein Ersatzfahrzeug rollt auch rückwärts heran. Aus dem Landkreis Rostock kommt es, aus Teterow. „Ein freies Fahrzeug für solch einen Einsatz zu bekommen, das ist gar nicht so einfach“, weiß auch Polizeihauptkommissar Elert. Die Autobahnzufahrten in Wöbbelin und Neustadt-Glewe sind jetzt gesperrt, der Verkehr wird von der A 24 und der A 14 abgeführt.

Ein Stahlseil spannt sich, der Fahrer eines Feuerwehrwagens gibt vorsichtig Gas. Die zerbeulte Hintertür wird aufgezogen. Das Gequieke ist fast verstummt, ohne Hilfe kommt kein Tier aus dem Gefährt. Als der Wagen umkippte, fielen die Ferkel aus verschiedenen Ebenen aufeinander. Sie erdrückten sich, andere erstickten. Ein paar Tiere taumeln aus dem Hänger, doch die Feuerwehrleute haben viel mehr damit zu tun, leblose Körper aus dem stickigen Fahrzeug zu ziehen. Die nicht verendeten Ferkel kommen später zu einer Sammelstelle nach Brandenburg. Die Kadaver werden zur Tierkörperbeseitungsanstalt nach Malchin gefahren. Nach zwei Stunden rollt der Verkehr wieder und nach und nach rücken die Einsatzkräfte ab. So was, da sind sich mittlerweile alle einig, brauchen sie wirklich nicht jeden Tag.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen