Schwerin/Waren : Vetternwirtschaft im DRK?

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Anonymes Schreiben belastet Führungsebene eines Kreisverbandes . Der Präsident verspricht Aufklärung

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05. Januar 2018, 20:45 Uhr

Das Deutsche Rote Kreuz in Mecklenburg-Vorpommern untersucht Vorwürfe über Vetternwirtschaft im Vorstand und Präsidium eines Kreisverbandes. „Wir werden prüfen, ob es Verstöße gegen Satzung, Gesetze und die Geschäftsordnung gab“, kündigte der DRK-Landespräsident und Europaabgeordnete Werner Kuhn (CDU) gestern an. Für die Aufgabe solle auch ein unabhängiger Wirtschaftsprüfer beauftragt werden.

Anonyme Verfasser hatten in einem Schreiben schwere Anschuldigungen gegen die Führungsebene des DRK Kreisverbandes Mecklenburgische Seenplatte erhoben. Demnach sollen Mitglieder aus Präsidium und Vorstand ihre ehrenamtliche Tätigkeit genutzt haben, um finanzielle Vorteile zu erlangen. Laut einem Bericht des NDR betreibt der Präsident des Kreisverbands eine Versicherungsagentur in der über 700 DRK-Mitarbeiter Lebensversicherungen als betriebliche Altersversorgung abgeschlossen haben sollen. Außerdem sollen über die Agentur auch die Versicherungen für DRK-Dienstfahrzeuge und Gebäude des Kreisverbandes abgeschlossen worden sein.

In dem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt, werden zudem Vorwürfe gegen zwei Ärzte erhoben. Beide Mediziner sitzen ehrenamtlich im Präsidium, sollen aber auch gleichzeitig Patienten in den DRK-Pflegeheimen betreuen.

Der Kreisverband wies die anonymen Vorwürfe über Vetternwirtschaft in einer gestern veröffentlichten Stellungnahme zurück. Die in Rede stehenden Vertragsbedingungen seien immer ohne Beteiligung der genannten Personen ordentlich zustande gekommen, heißt es darin. Weitere Ergebnisse der Überprüfung kündigte DRK-Landespräsident Präsident Kuhn für Anfang nächster Woche an.

Mit den Anschuldigungen gegen das DRK an der Seenplatte wird sich auch der Sozialausschuss im Landtag befassen. Das Thema wurde kurzfristig für die nächste Sitzung am Mittwoch auf die Tagesordnung gesetzt. „Rasche Aufklärung ist dringend geboten“, so Ausschusschef Torsten Koplin (Linke). Erwartet wird ein Bericht des Sozialministeriums. Womöglich könnten die Vorgänge beim DRK an der Seenplatte auch noch im Parlamentarischen Untersuchungsauschuss eine Rolle spielen. Das hänge davon ab, inwieweit öffentliche Gelder im Spiel seien, erklärte Koplin. Das Kontrollgremium untersucht derzeit die Förderpraxis und das Finanzgebaren der Sozialverbände in MV.

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