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Ludwigsluster Klinik : Verunsicherung bei Patienten des Stifts

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Wolfgang Witte aus Kummer braucht spezielle kardiologische Behandlung und ist entsetzt über Situation am Ludwigsluster Klinik-Standort

von
erstellt am 08.Jan.2015 | 08:00 Uhr

Was viele befürchtet haben ist eingetreten. Die Kollegen der Parchimer SVZ-Lokalausgabe haben erfahren, dass die dortige Asklepios-Klinik ihr herzmedizinisches Angebot ausbauen wird. Dazu sei ein Team um den anerkannten Kardiologen Prof. Dr. Dierk Werner (bisher in Ludwigslust tätig) gewonnen worden, hat das Konkurrenzunternehmen des hiesigen Westmecklenburg-Klinikums „Helene von Bülow“ mitgeteilt.

Für Herzpatienten wie Wolfgang Witte aus Kummer eine schwer zu verdauende Nachricht. Er schildert, wie es aussehen kann, wenn die kardiologische Versorgung nicht optimal funktioniert.

Es ist Sonnabend, der 8. November 2014. Gegen 11 Uhr durchzuckt Wolfgang Witte ein mörderischer Schmerz wie ein Blitz. Kurze Zeit später ein zweites Mal. Wolfgang Witte ist alarmiert. Er trägt einen Defibrillator („Defi“), der durch gezielte Stromstöße bei Bedarf Herzrhythmusstörungen beseitigen soll. Irgendetwas scheint nicht zu stimmen. Das Gerät müsste von einem Spezialisten im Krankenhaus ausgelesen werden, was da los ist. Der Sohn ruft den Notarzt, der auch sofort kommt. Was sich nun herausstellt, ist kaum vorstellbar: Im Ludwigsluster Krankenhaus ist kein Kardiologe vor Ort, der das Gerät auslesen könnte – die gleiche Situation in Schwerin. „Daraufhin raste der Rettungswagen mit mir in höllischem Tempo über die Autobahn, Umleitungen, Baustellen und Staus nach Lübeck, und es wurde dort Kammerflimmern festgestellt“, schildert Wolfgang Witte.

Der 65-Jährige hatte schon damals ein ungutes Gefühl, dass im Ludwigsluster Krankenhaus etwas nicht stimmen könnte. Und in der Tat schrieb SVZ am 28. November das erste Mal über die geplanten Umstrukturierungen im Westmecklenburg-Klinikum.

Wolfgang Witte ist auf eine ganz spezielle kardiologische Versorgung angewiesen. Der „Defi“ kontrolliert die eine Herzhälfte, die andere steuert ein kompliziertes Kunstherzsystem. Es gibt nicht viele Kardiologen in der Gegend, die sich mit den Geräten hundertprozentig auskennen. Der Kummeraner kann bei Bedarf auf die Hotline des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein zurückgreifen und wird direkt mit dem diensthabenden Kardiologen verbunden oder zumindest mit der koordinierenden Schwester.

„Es ist für mich sehr erschreckend wie hier in Ludwigslust mit dem Leben von schwer herzerkrankten Menschen zugunsten der Rentabilität des Krankenhauses umgegangen wird“, so Wolfgang Witte. „Alle vier Kardiologen haben gekündigt bzw. sind nach Aussagen anderer Ärzte ,rausgeekelt‘ worden“.

Für Patienten wie ihn ist das Vertrauensverhältnis zu den Ärzten enorm wichtig. „Zu Professor Werner und Frau Dr. Würfel hatte ich gleich Vertrauen. In der Kardiologie wurde mit Liebe und Einsatz gearbeitet. Hier ist mir zweimal das Leben gerettet worden“, so der Kummeraner. Er hat bereits gehört, dass viele Patienten nach Perleberg oder in andere Krankenhäuser abwandern wollen.

„Man spürt, dass die Stimmung im Ludwigsluster Krankenhaus auf dem Nullpunkt ist. Manche sagen es sogar ganz offen“, so Wolfgang Witte. „Die Leitungsgremien müssen sich den Mitarbeitern schnellstens offenbaren, wie es weitergehen soll. Der Schaden ist schon angerichtet. Er darf nicht noch größer werden.“

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