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Serie von Busbränden : Verteidigung geht Ankläger im Prozess an

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Nach der Serie von Busbränden in Plau, Plauerhagen und Parchim brennt nun die Luft im Landgericht. Gestern stellte der Verteidiger den Antrag, den Staatsanwalt aus dem Prozess abziehen zu lassen. Dieser wurde abgelehnt.

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erstellt am 19.Dez.2012 | 08:16 Uhr

Schwerin | Nach der Serie von Busbränden in Plau, Plauerhagen und Parchim brennt nun die Luft im Saal 18 des Schweriner Landgerichts. Im übertragenen Sinn freilich, wie auch der gestrige 14. Prozesstag zeigte. Verteidiger Tobias Schiener stellte einen Befangenheitsantrag gegen seinen juristischen Widerpart - Staatsanwalt Thomas Bardenhagen. Das Gericht solle darauf hinwirken, dass der Anklagevertreter aus dem Prozess abgezogen wird. Er stehe dem Angeklagten nicht so unparteiisch gegenüber, wie es das Gesetz verlangt, begründete der Verteidiger die ungewöhnliche Forderung. Das Gericht indes sah keinen Grund, an der Objektivität des Staatsanwaltes zu zweifeln - und lehnte das Ansinnen nach einstündiger Beratung ab. Derselbe Verteidiger hatte Anfang Dezember bereits einen Befangenheitsantrag gegen das Gericht gestellt - auch dieser wurde abgelehnt. Sein Mandant ist 27 Jahre alt und soll einen von fünf Bränden gelegt haben. Den letzten - danach wurde er festgenommen und in Untersuchungshaft gebracht. Wo er weiter bleiben muss. Denn gestern hatte das Gericht auch den Antrag abgelehnt, ihn vorläufig zu entlassen. Es bestehe nach wie vor dringender Tatverdacht und damit Flucht- und Verdunklungsgefahr, argumentierten die Richter.

Es geht also heiß her in dem Prozess um die spektakuläre Serie von Busbränden, die gut ein Jahr lang für Aufsehen gesorgt hat. Fünfmal hatte der "Feuerteufel" zugeschlagen. Von Februar 2011 bis Januar 2012. Mehr als 20 Busse gingen in Flammen auf. Rund drei Millionen Euro Schaden rechnete die Staatsanwaltschaft aus, die lange im Dunklen tappte. Bis im Februar der 40-jährige Mitinhaber des Busunternehmens festgenommen wurde, das am meisten betroffen war. Zweimal brannte es auch bei der Konkurrenz in Parchim - laut Anklage ein Ablenkungsmanöver. Der Hauptangeklagte, davon geht die Staatsanwaltschaft aus, soll es auf das Geld von der Versicherung abgesehen haben, um dem Familienunternehmen aus der Patsche zu helfen. Der 27 Jahre alte ehemalige Mitarbeiter soll im Auftrag von Firmenchef Michael M., der neben ihm auf der Anklagebank sitzt, den Brand Anfang Januar dieses Jahres gelegt haben.

Beide Angeklagte bestreiten die Vorwürfe. Ein reiner Indizienprozess, deshalb wohl schlagen die Wogen so hoch. Das Gericht ist auf die Aussagen von zwei Belastungszeugen angewiesen, die einen zwielichtigen Eindruck hinterließen. Der eine will im Knast ein Geständnis des 27-Jährigen gehört haben. Um sich selbst Haftverschonung zu erkaufen, argwöhnt die Verteidigung. Er war unmittelbar nach seiner Aussage entlassen worden, sitzt aber inzwischen wegen anderer Sache wieder im Gefängnis. Der zweite Belastungszeuge ist in den Augen der Verteidigung selbst verdächtig, Feuerteufel zu sein. Die Verteidiger des Hauptangeklagten Michael M., die Rechtsanwälte Peter-Michael Diestel und Benjamin Richert, wollen deshalb die Glaubwürdigkeit dieses Zeugen prüfen lassen. Über ihre Anträge hat das Gericht noch nicht entschieden. Gestern wurden weitere Termine bis Ende Februar festgelegt.

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