Aus dem Gerichtssaal : Versuchter Mord aus Eifersucht?

Messerattacke auf der Straße bei Tessin: Das Opfer sieht im Angeklagten den Täter

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11. Mai 2017, 07:00 Uhr

Nach einem hinterhältigen Messerangriff auf einer Landstraße bei Tessin hat das Opfer einen 30-jährigen Angeklagten ohne Zweifel als Täter benannt. „Ich habe das Gesicht genau erkannt“, sagte der 28-jährige ehemalige Zeitsoldat gestern vor dem Landgericht Rostock. Der angeklagte Ex-Freund seiner Lebensgefährtin bestritt jedoch, etwas mit dem Angriff zu tun zu haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Mord aus Eifersucht vor.

Er war am 31. Oktober auf dem Rückweg von seiner Freundin in Laage zur Kaserne in Parow, als kurz vor Tessin sein Auto liegen blieb, berichtete der Ex-Soldat. Er habe arglos auf Hilfe gehofft, als der Fahrer eines anderen Wagens in der Dämmerung das Fernlicht einschaltete und hinter dem Pannenwagen hielt. Der Fahrer sei wortlos auf ihn zugekommen, habe ihm das Handy aus der Hand geschlagen und ihm mit einem Messer einen tiefen Schnitt in den Hals zugefügt. „Als ich mich wegdrehte, schnitt er mich ein zweites Mal.“ Der Mann flüchtete und versteckte sich 200 Meter weiter im Wald.

Der Angreifer folgte ihm im Auto und leuchtete den Waldrand aus, konnte sein Opfer aber nicht entdecken. Mit seinem blutdurchtränkten Pullover versuchte der Soldat, seine klaffenden Wunden abzubinden. „Ich wusste, wenn ich wegdämmere, ist es aus. Ich hatte Todesangst“, berichtete der Zeuge. Kurz danach half ihm ein vorbeifahrendes Ehepaar.

Der Angeklagte behauptete, er habe im Tatzeitraum jemanden zum Bahnhof in Tessin gebracht und dann seine Eltern besucht. „Meine Mutter löste gerade Kreuzworträtsel.“

Angeklagter beruft sich auf Alibi

Zurück in seinem Haus im Nachbardorf habe er zwei Stunden lang telefoniert, bis die Polizei kam. „Überrascht und schockiert“ sei er gewesen, als er hörte, ihm werde ein versuchter Mord vorgeworfen. Angeblich, so der Angeklagte, habe ihn seine Ex-Freundin schon einmal mit falschen Vorwürfen überzogen, „um mir ´was anzuhängen“.

Die Staatsanwaltschaft jedoch ist offenbar überzeugt, das Alibi des Angeklagten durch Zeugenaussagen, Spuren und Indizien widerlegen zu können. Die Ermittler vermuten, dass er auch die Panne des Autos des Soldaten durch eine Tankmanipulation verursachte. Am Pannenfahrzeug soll er aber durch Zufall vorbeigekommen sein.

Der mutmaßliche Täter und seine Ex-Freundin hatten Anfang Oktober ein Kind bekommen. Kurz darauf gab sie ihm den Laufpass. Er soll die Trennung nicht akzeptiert haben. Ihren neuen Freund, das Opfer der Messerattacke, warnte der Angeklagte angeblich: „Soll es denn wieder passieren, dass einer einfach verschwindet?!“ Damit könnte er auf einen Mann aus Kronskamp angespielt haben, der seit April 2016 verschwunden ist. Die Ermittler vermuten, dass der Angeklagte ihn getötet haben könnte. Im Januar wurde sein Grundstück nach der Leiche des Kronskampers abgesucht – ohne Erfolg.

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