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Naturpark Sternberger Seenland : Versteckte Lichtschranke für Kanuten

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Wer durch das idyllische Warnowtal bei Görnow paddelt, soll künftig ohne es zu merken eine Lichtschranke passieren. Sie soll an geheimer Stelle aufgebaut werden, damit die Anlage besser geschützt ist.

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erstellt am 06.Jan.2012 | 07:17 Uhr

Sternberg | Wer durch das idyllische Warnowtal bei Görnow paddelt, soll künftig ohne es zu merken eine Lichtschranke passieren. "Wir versuchen, in diesem Jahr eine automatische Zählstelle zu installieren", sagt Jan Lippke, der stellvertretende Leiter der Naturparkverwaltung Sternberger Seenland. Sie soll an geheimer Stelle aufgebaut werden, damit die Anlage besser geschützt ist. Um ihre Anonymität müssen sich die Paddler keinesfalls sorgen. Denn sie werden nicht wie bei einer Radarkontrolle geblitzt, sondern die Lichtschranke erfasst lediglich die Anzahl der Boote.

Bis jetzt gibt es keine verlässlichen Daten darüber, wie viele Kanuten wirklich in der Region unterwegs sind, erklärt Naturparkleiter Volker Brandt: "Wir können nur auf die Besucherlenkung Einfluss nehmen, wenn wir wissen, wie viele Kanuten unterwegs sind."

Im Frühjahr vergangenen Jahres hatten Kanuanbieter der Region eine freiwillige Vereinbarung unterzeichnet, um die Natur entlang sensibler Flüsse zu schützen. Dabei geht es u.a. um die vom Aussterben bedrohte Kleine Bachmuschel (Unio Crassus). Einige der letzten Bestände, die noch Nachkommen zeugen, sind im Sternberger Seenland. Um die Muschelbänke zu schützen, sollen bestimmte Flussabschnitte beispielsweise auf der Bresenitz bei Niedrigwasser durch Kanuten gemieden werden.

Das Sternberger Seenland nimmt mit dieser freiwilligen Übereinkunft eine Pilotrolle in Mecklenburg-Vorpommern ein. Das kommt nicht zuletzt dadurch zustande, dass es seit Jahren Tradition in der Region ist, dass im Frühjahr bei Zusammenkünften der Wasserwanderer Probleme diskutiert werden.

Einen solchen Wasserwandertag wird es auch in diesem Jahr wieder Ende März/Anfang April im Besucherzentrum des Naturparks in Warin geben. Ein Vertreter vom Naturpark Stechlin in Brandenburg stellt die dortigen Erfahrungen mit einem Informationssystem für Wasserwanderer vor.

Gerade für die Lenkung der Wasserwanderer will auch der Naturpark Sterberger Seenland mehr unternehmen. Dazu gehört die Prüfung der vorhandenen Kanuein- und -aussatzstellen. "Es besteht Handlungsbedarf", so Brandt. Die in den 90er-Jahren gebauten Anlagen seien teils zu klein. Jan Lippke sieht aber auch noch andere Probleme: Bei Hochwasser saufen einige dieser Einsatzstellen ab, bei Niedrigwasser liegen sie einen Meter vom Ufer weg.

Um bessere Informationen über Niedrigwasser an sensiblen Flussabschnitten zu erhalten, wurden im Vorjahr zusätzliche Pegel an den Flüssen gesetzt: zwei an der Bresenitz, einer im Warnowtal bei Görnow, einer an der Warnow bei Karnin. Das ist die Voraussetzung, um den Kanuten freie Fahrt anzuzeigen oder auch eine Sperrung auszusprechen. Geklärt werden muss allerdings, wie es weiter geht für die Paddler, wenn sie bei Niedrigwasser aussteigen müssen. Dann müsse ihnen ein Service angeboten werden, sagt Volker Brandt. Und auch Info-Tafeln müssen installiert werden mit Warnungen, wenn Flussabschnitte bei Wasserständen von unter 30 Zentimeter nicht passiert werden dürfen.

Das alles ist nicht von heute auf morgen umsetzbar, weiß Brandt. An den Uckermärkischen Seen habe es zehn Jahre gedauert, bis sich das Wasserwanderlenkungssystem etabliert hatte.

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