Prepper-Szene : Versorgungsprofis im Visier

<p>'Prepper': Sie erwarten den Kollaps des Staates und hamstern deshalb Lebensmittel, aber auch Waffen.</p>

"Prepper": Sie erwarten den Kollaps des Staates und hamstern deshalb Lebensmittel, aber auch Waffen.

Kommission zur Prepper-Szene in MV nimmt Arbeit auf: Linksfraktion befürchtet Geheimniskrämerei.

svz.de von
01. November 2017, 21:00 Uhr

Harmlose Hamsterer, die Lebensmittel für den Ernstfall horten oder terroristische Waffennarren? Die „Prepper“-Szene (von engl.prepare - vorbereiten), der zwei Terrorverdächtige in Mecklenburg-Vorpommern zugerechnet werden, wird im Nordosten genauer unter die Lupe genommen. Die von Innenminister Lorenz Caffier (CDU) dazu vor Wochen eingesetzte Kommission konstituiert sich am Mittwoch, wie eine Sprecherin des Innenministeriums mitteilte.

Anlass für die Bildung der Kommission unter Leitung des Inspekteurs der Landespolizei war eine Anti-Terror-Razzia Ende August im Nordosten. Polizisten und Spezialeinsatzkräfte der GSG 9 hatten Wohnungen und Büros von sechs „Preppern“ in MV durchsucht. Diese hatten sich im Internet über einen möglichen Zusammenbruch der staatlichen Ordnung ausgetauscht und Vorkehrungen getroffen. Zwei von ihnen wird die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vorgeworfen. Ein Polizist und ein Rechtsanwalt sollen die Adressen und Namen von Personen aus dem linken politischen Spektrum aufgelistet haben, die sie im Krisenfall umbringen würden. Festnahmen gab es bei dem Einsatz an mehreren Orten im Land jedoch nicht – die Ermittler beschlagnahmten aber zahlreiche Dokumente und Ordner.

Bisher ist laut Innenministerium über die „Prepper“ nicht viel mehr bekannt, als dass das Spektrum sehr weit reicht – von Personen, die sich mit Vorräten auf Unwetter vorbereiten, bis hin zu Menschen, die den Untergang der Zivilisation befürchten und sich gegebenenfalls mit Waffen vor vermeintlichen Gegnern schützen wollen („Doomer“). Die Kommission soll nun ein detailliertes Bild zu dem ursprünglich aus den USA stammenden Phänomen der „Prepper“ erstellen.

Die beiden mutmaßlichen Rechtsterroristen aus MV waren in einer rund 30 Mitglieder zählenden Preppergruppe mit dem Titel „Nordkreuz“ aktiv. Die Gruppe hatte sich 2016 gegründet und weitestgehend unbehelligt agiert. Die Mitglieder diskutierten in Chats über Krisenszenarien wie Umweltkatastrophen, Stromausfälle oder den Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung – dem besagten Tag X – und wie man sich auf solche Ereignisse vorbereiten könne. Fünf Nordkreuz-Mitglieder gehörten auch dem Reservistenverband in MV an. Einige aus der Gruppe sollen laut Medienberichten auch an Schießübungen einer Reservistenarbeitsgemeinschaft teilgenommen haben. Aufrufe zu Gewalt habe es nach Aussage von Nordkreuz-Aktiven aber nicht gegeben.

Unklarheit besteht nach wie vor über den konkreten Inhalt der bei den Verdächtigen beschlagnahmten Dokumente. „Bis heute wurden den Abgeordneten keinerlei Dokumente vorgelegt, aus denen hervorgeht, ob und in welchem Umfang von den Verdächtigten Listen mit Namen von Personen aus dem linken Spektrum angelegt wurden“, kritisiert der parlamentarische Geschäftsführer der Linksfraktion Peter Ritter. Mit der eingerichteten Kommission sollten die erforderlichen Untersuchungen zur Prepper-Bewegung offenbar am Parlament vorbei erfolgen. Für ein im Parlament geplantes Expertengespräch hätten sämtliche geladenen Institutionen abgesagt.

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