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Mecklenburg-Vorpommern

22. November 2017 | 05:00 Uhr

Fernwärme in MV : Versorger kassieren ab

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Unternehmen verlangen die zweithöchsten Preise

Sinkende Fernwärmepreise für zehntausende Haushalte in MV: Etliche Energieversorger im Nordosten haben offenbar jahrelang zu hohe Preise kassiert und senken jetzt auf Druck der Landeskartellbehörde die Tarife. Die Wettbewerbshüter beim Wirtschaftsministerium hatten seit mehr als zwei Jahren 40 Versorger unter Preiskontrolle gestellt. Neun Unternehmen haben jetzt reagiert und die Preise gesenkt – deutlich um bis zu 40 Prozent, teilte das Wirtschaftsministerium gestern mit. Berichten zufolge sollen sowohl die Stadtwerke Barth als auch Stralsund und Neubrandenburg auf Druck der Kartellhüter die Tarife gesenkt haben. Mit 18 Unternehmen werde über Preissenkungen noch verhandelt. Zudem seien zahlreiche Fernwärmelieferverträge zwischen Wohnungsgesellschaften und Versorgern neu verhandelt worden.

Die Fernwärmeversorger in Deutschland und MV stehen seit Jahren im Verdacht, ihren Kunden zu hohe Preise in Rechnung gestellt zu haben. Nach Untersuchungen des Bundeskartellamtes in 1200 Netzgebieten hatten die Wettbewerbshüter Preisunterschiede in einigen Fällen von über 100 Prozent festgestellt. Zumindest in MV war bislang kaum Besserung erkennbar: Die Lieferanten verlangen für Fernwärme im Nordosten die bundesweit zweithöchsten Preise, ergab eine aktuelle Preisanalyse der Arbeitsgemeinschaft Fernwärme (AGFW) – bei einem durchschnittlichen Abnahmefall von 160 Kilowatt ein Mischpreis von 88,27 Euro netto je Megawattstunde. Nur in Brandenburg ist es noch teurer. In Berlin werden hingegen nur 70,33 Euro, in Nordrhein-Westfalen 72, 67 Euro fällig. Dabei haben die Versorger in MV vor den vereinzelten Preissenkungen in den vergangenen Wochen die Preise weiter angezogen. 2012 hatten die Unternehmen im Abnahmefall von 160 Kilowatt noch 85 Euro verlangt. In Berlin blieben die Preise konstant.

Verbraucherschützer hatten kritisiert, dass sich durch die quasi Monopolstellung der Versorger auf dem Fernwärmemarkt „gute Geschäfte“ machen ließen. Die Versorger hatten die höheren Preise hingegen mit hohen Investitionen ins Leitungsnetz begründet. Das Landeskartellamt nimmt indes die Versorgungsunternehmen weiter unter die Lupe. Auch in der Heizperiode 2014/15 werde es eine Preisabfrage geben, kündigte das Wirtschaftsministerium an. Die Behörde rechnet indes angesichts der fallenden Preise auch bei der Fernwärme mit „preissenkenden Effekten“.

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