Verseuchtes Futtermittel nach MV geliefert

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01. März 2013, 07:29 Uhr

Schwerin | In Mecklenburg-Vorpommern haben mindestens neun landwirtschaftliche Betriebe Futtermittel niedersächsischer Hersteller mit hochgiftigem Mais aus Serbien erhalten. Das teilte gestern das Landwirtschaftsministerium in Schwerin mit. Insgesamt 560 Tonnen Futtermittel, in denen der Mais verarbeitet wurde, gingen an Schweine-, Masthühner-, Puten- und Legehennenbetriebe im Nordosten. Mischfutterwerke sind nicht betroffen. Der aus Serbien importierte Mais ist mit dem krebserregenden Schimmelpilzgift Aflatoxin B1 belastet.

Insgesamt hatte die Sendung Mais, die über den niedersächsischen Hafen Brake importiert wurde, 45 000 Tonnen umfasst. 35 000 Tonnen wurden gesperrt, 10 000 Tonnen gingen an Futtermittelhersteller in Niedersachsen und in geringen Mengen auch in weitere sechs Bundesländer. "Die Futtermittelüberwachung M-V hat unverzüglich mit allen Empfängern Kontakt aufgenommen, um gegebenenfalls noch vorhandene Futtermittel zu sperren, das heißt von einer weiteren Verfütterung auszuschließen" , sagte Landwirtschafts- und Verbraucherminister Till Backhaus (SPD).

Nach einer vorläufigen Risikoeinschätzung des Ministeriums sei eine Überschreitung des im nationalen Recht festgelegten Höchstgehaltes für Aflatoxin B1 in Lebensmitteln nicht zu befürchten. Für Eier von Hühnern, die mit dem Futtermittel gefüttert wurden, werde nach vorläufiger Eischätzung eine Höchstgehaltsüberschreitung ebenfalls nicht erwartet.

MV-Bauernpräsident Rainer Tietböhl forderte "abschreckende Strafen" bei Verstößen. "Kriminelle Machenschaften von Unternehmen müssen öffentlich gebrandmarkt und die Kontrolldichte im Kreislauf der Lebensmittelproduktion deutlich verbessert werden", erklärte er gestern. Immer wieder werde die Urproduktion der Landwirtschaft in Krisen hineingezogen, die sie nicht zu verantworten habe. Erst vor zwei Jahren waren in MV und anderen Bundesländern dioxinbelastete Futtermittel entdeckt worden. Fast 20 Betriebe wurden vorrübergehend gesperrt. Tietböhl zufolge seien die Verantwortlichen auch zwei Jahre danach noch nicht belangt worden, kritisierte er die schleppenden Ermittlungen.

Der größte Teil des vergifteten Futters gelangte an mehr als 3500 Höfe in Niedersachsen, wie das Agrarministerium in Hannover mitteilte. Der zulässige Höchstwert von 0,02 Milligramm pro Kilo sei um mehr als das Zehnfache überschritten worden. Schon geringe Überschreitungen könnten zum Beispiel zu einer kritischen Belastung von Rohmilch führen. Wenn Molkereien die Milch von verschiedenen Höfen abholen, wird sie den Angaben aus Hannover zufolge vermischt.


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