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Prozess gegen Hansa-Fan : Verräterisches Muttermal

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

von
erstellt am 23.Okt.2015 | 21:00 Uhr

Ein im November 2014 während des Fußballspiels Hansa Rostock gegen Dynamo Dresden gefilmter Steinewerfer könnte mit einem in Rostock vor Gericht stehenden Hansa-Fan identisch sein. „Dies ist möglich“, sagte gestern eine Sachverständige, die zahlreiche Körpermerkmale des Mannes auf Standfotos aus den Überwachungsfilmen und des Angeklagten miteinander verglichen hat. Allerdings könnte sich unter der Sturmmaske auch einer von vielen anderen Randalierern verborgen haben, sagte die Anthropologin Ursula Wittwer-Backofen von der Universität Freiburg.

Eindeutige Merkmale, die nur dem Angeklagten zuzuordnen sind, hat sie bei dem Maskierten nicht gefunden. Zwar wurde der Angeklagte durch die Expertise der Sachverständigen nicht direkt belastet, aber auch nicht entlastet. Bei keinem der Steinewerfer, so Wittwer-Backofen, könne sie mit Sicherheit sagen, dass es sich um einen anderen als den Angeklagten handelt. Dies schloss sie u. a. aus der Kopfform, die auch unter einer schwarzen Maske zu erkennen war. Auch anhand der Form des Nasenrückens, des Ansatzes der Nasenwurzel oder der Farbe und der Bogen der Augenbrauen konnte die Expertin den Personenkreis eingrenzen.

Der 32 Jahre alte Nautische Offizier muss sich wegen versuchten Totschlags und schwerer Körperverletzung verantworten. Während der brutalen Ausschreitungen beim Dresden-Spiel soll er mehrmals Steine geworfen haben. Ein zwei Kilogramm schweres Geschoss traf nach Ansicht der Staatsanwaltschaft einen Polizisten und verletzte ihn schwer. Der mutmaßliche Hooligan wurde am 16. Dezember festgenommen und sitzt in Untersuchungshaft. Die Ankläger glauben inzwischen, dem Fußballfan weitere Steinwürfe und den Einsatz von Reizgas am Rande des Spiels Hansa gegen RB Leipzig im Frühjahr 2014 nachweisen zu können.


Angeklagter will seine Zähne nicht zeigen


Selbst bei der Analyse von Fotos zweier unverhüllter Gesichter zog die Sachverständige nur vorsichtige Schlüsse. Selbst wenn laienhafte Beobachter darauf den Angeklagten zu erkennen glauben, war dies in einem Fall für sie nur „hoch wahrscheinlich“. Beim zweiten Foto kam sie aufgrund eines kleinen Muttermals am Hals unter dem linken Ohr zu dem Schluss, mit „an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ handele es sich um den Angeklagten. Auf dem selben Foto hatte sie einen schiefen Zahn entdeckt.

Der Angeklagte weigerte sich allerdings, für einen Vergleich den Mund zu öffnen. Auf diesen Fotos ist er im Stadion, nicht aber als Randalierer zu erkennen. Der Prozess wird Anfang November fortgesetzt.

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