Verräterische Spuren im Netz

<strong>Im sozialen Netzwerk Facebook</strong>, beispielsweise, muss man sich mit seinem Namen einloggen. Die Spuren, die die Nutzer dabei hinterlassen, können dann ganz konkret ihm zugeordnet werden. Foto: imago/Jochen Tack
Im sozialen Netzwerk Facebook, beispielsweise, muss man sich mit seinem Namen einloggen. Die Spuren, die die Nutzer dabei hinterlassen, können dann ganz konkret ihm zugeordnet werden. Foto: imago/Jochen Tack

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17. Juli 2012, 11:05 Uhr

Gerade hat man sich schicke Sneaker in einem Online-Shop angesehen. Und kurz darauf tauchen die Schuhe wieder auf - als Werbebanner auf einer völlig anderen Seite. Zufall? Von wegen! Im Verborgenen des Internets sammelt ein ganzer Zweig der Werbeindustrie Informationen. Und zwar jede, die er von einem Surfer bekommen kann, ob diesem das recht ist oder nicht. Mit dem sogenannten Datentracking versuchen die Unternehmen, Profile der Nutzer zu erstellen. Denn je mehr sie über die Gewohnheiten eines Surfers wissen, desto effektiver lässt sich Werbung einsetzen.

Schuld sind sogenannte Cookies. Das sind kleine Textdateien, die sich auf dem Computer einnisten und dafür sorgen, dass Internet-Nutzer von diversen Seiten und Diensten immer wieder erkannt werden. "Die Werbenetzwerke sammeln das Surfverhalten des Nutzers und ordnen ihm eine weltweit eindeutige Identifikationsnummer zu", sagt Christian Krause vom Unabhängigen Landeszen trum für Datenschutz Schleswig-Holstein. "Nutzer mit einer solchen Nummer auf ihrem Computer sind jederzeit wiederzuerkennen." Das kann dazu führen, dass ein Online-Shop weiß, auf welchen Seiten man sich vorher umgeschaut hat und was man dort gemacht hat.

Personalisierte Werbung ist dabei noch das geringste Problem. Gefährlich wird es immer dann, wenn man sich auf Seiten bewegt, auf denen man sich mit seinem Namen einloggen muss - also etwa in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Google+. "Das Problem ist, dass diese Daten dem Namen zuzuordnen sind", sagt Schleswig-Holsteins Datenschutzbeauftragter Thilo Weichert. Eine Tatsache, die der Datenschützer mit Sorge sieht. Denn die namentlich zugeordneten Surfprofile könnten Weichert zufolge nicht nur von der Werbeindustrie genutzt werden, sondern auch von Firmen, die etwa den Hintergrund eines Bewerbers oder die Bonität eines Kunden überpüfen wollen. Auch "Sicherheitsbehörden greifen auf solche Daten zu".

Internet-Nutzer können sich allerdings mit verschiedenen Strategien gegen die Datensammelei schützen. "Nutzer sollten möglichst nach jeder Internet-Sitzung die gespeicherten Cookies und den Browserverlauf löschen", sagt Ragni Serina Zlotos von der Computerzeitschrift "ct": "Das ist bei allen gängigen Browsern möglich. Beim Firefox etwa kann man auch einstellen, dass die Cookies automatisch nach jeder Sitzung gelöscht werden." Diese Strategie hilft allerdings nur gegen herkömmliche Cookies. Denn die Online-Werber haben inzwischen aufgerüstet. Sie verwenden inzwischen auch sogenannte Flash-Cookies, die nach Angaben von Datenschutz-Experte Krause unabhängig vom Browser auf dem Rechner abgespeichert werden. Man sollte sie im Einstellungs-Manager des Flash-Players deaktivieren, der in der Systemsteuerung zu finden ist.

Firefox-Nutzer sind mit dem Add-on Better Privacy gut bedient, das Flash-Cookies und sogenannte DOM-Storage-Cookies löschen kann. Schutz vor den Spähattacken im Internet bietet zum Beispiel das Browser-Add-on Ghostery, das für alle großen Browser erhältlich ist. Es zeigt an, welche Tracking-Dienste und Werbenetzwerke einen gerade verfolgen und kann diese blockieren. "Das ist für viele Nutzer ein Aha-Effekt", sagt Datenschutz-Experte Krause. Gleichzeitig versuche Ghostery, das Tracking zu verhindern: "Allerdings sollte man sich nicht allein darauf verlassen. Das Programm funktioniert nämlich je nach verwendetem Browser unterschiedlich gut."

Viele Browser haben inzwischen eine sogenannte Do-not-Track-Funktion. "Dazu kann man in den Einstellungen des Browsers angeben, dass man nicht verfolgt werden möchte", erklärt Zlotos. Ob sich die Gegenseite daran hält, ist die andere Frage. Inzwischen hat sich zum Beispiel Twitter zur Einhaltung verpflichtet.

Wer nicht durch die Facebook- oder Google+-Buttons auf vielen Seiten identifiziert werden will, sollte mit zwei Browsern surfen, rät Datenschützer Krause: "Den einen benutzt man nur für soziale Netzwerke, den anderen für alle übrigen Internet-Seiten."


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