Neue Flächenbewertung : Verlustgeschäft für Landesforst

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Der bisher größte Tausch wertvollen Mischwaldes im Landkreis Ludwigslust-Parchim mit einem minderwertigeren Kiefernwald in Vorpommern mit der Milliardärsfamilie Rethmann droht dem Land Millionenausfälle zu bescheren.

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28. Mai 2013, 06:53 Uhr

Schwerin | Verlustgeschäft im Wald: Der heute im Landtag zur Abstimmung stehende bisher größte Tausch wertvollen Mischwaldes im Landkreis Ludwigslust-Parchim mit einem minderwertigeren Kiefernwald in Vorpommern mit der Milliardärsfamilie Rethmann droht dem Land Millionenausfälle zu bescheren. Mit der Übertragung von 426 Hektar aus Landesbesitz an Rethmann und die Übernahme von 609 Hektar aus Privatbesitz gehen dem Land in den kommenden zehn Jahren Erträge von mehr als einer Million Euro verloren. Zu diesem Schluss kommt eine Analyse des renommierten Waldplaners Holger Weinauge aus Serrahn, die unserer Redaktion vorliegt. So weist das Gutachten für den Dabeler Wald in den nächsten zehn Jahren einen Jahreserlös aus dem Holzverkauf von 142 066 Euro aus, für den Kiefernwald in Vorpommern nur 66 705 Euro. Zudem legt die Analyse in Dabel eine deutlich höhere Nutzungsmenge je Hektar zugrunde. Alle Kennziffern fielen in Dabel deutlich besser aus als in Eichhof, heißt es in der Analyse. Der Rethmann-Familie - geschätztes Vermögen: sechs Milliarden Euro - winken noch höhere Einnahmen: So hatte das Land vor vier Jahren, als Rethmann das Tauschangebot unterbreitete, im Dabeler Wald den Holzeinschlag weitgehend eingestellt. Mit der Übertragung könnte er sofort die Motorsäge anwerfen und ernten: Aus der Analyse ergibt sich eine Einschlagsmenge von etwa 12 000 Festmeter. Erwartete Einnahmen: knapp eine halbe Million Euro. "Ein ungleiches Geschäft", erklärte Weinauge gegenüber unserer Redaktion.

Die Analyse Weinauges, der im Agrarausschuss als Sachverständiger geladen war, offenbart Bewertungsmängel der beiden Waldgebiete. Das bisher vorgelegte und von Rethmann bezahlte Gutachten nach so genanntem Walderwartungswert geht von einem wertgleichen Tausch aus. Es berücksichtigt Fachleuten zufolge aber nur den langfristigen Ertragswert der Wälder bis zum Ende der Umtriebszeit, lässt aber die Wirtschaftlichkeit und die kurz- und mittelfristigen Ertragserwartungen unberücksichtigt. Der Wald in Dabel sei zum Nachteil des Landes unterbewertet worden, heißt es. In dem Rethmann-Gutachten sei eine Modifikation "vorsätzlich zu Gunsten der Bewertung des Forstobjekts Eichhof" in Vorpommern erfolgt, so das Weinauge-Papier.

Dennoch: "Es gibt keinen Grund an der Güte des bestehenden Gutachtens zu zweifeln", meinte Rethmanns Anwalt Florian Asche gestern. Nachverhandlungen kämen nicht in Betracht. Meldungen, wonach Rethmann wegen der Kritik von dem Deal zurücktreten wolle, wies er zurück. Aber: In dem langen Verfahren habe "es Phasen der Ungeduld" gegeben.

Die Bedenken scheinen auch die Regierungskoalition nicht zu scheren: Erwartet wird, dass SPD und CDU trotz Bedenken des Landesrechnungshofes, von Fachleuten und der Opposition den umstrittenen Waldtausch heute durchwinken werden. "Der Waldtausch liegt im Interesse des Landes", befürwortete CDU-Landtagsabgeordnete Beate Schlupp schon zu Jahresbeginn den Deal. SPD-Landtagsabgeordneter Thomas Krüger witterte ob der kritischen Nachfragen gar Verschwörungstheorien und ließ keine Kritik gelten: Der Tausch erfolge wertgleich und sichere Arbeitsplätze, stellte er fest. Das bleibt abzuwarten: So räumt Rethmann der Landesforst lediglich die Chance ein, Aufträge in seinem Wald zu erhalten - sicher ist das nicht. Er garantiert nur die Beförsterung seines Waldes - für 30 000 Euro im Jahr.

Bei der Opposition sitzt der Frust tief. Linke und Grüne fordern in einem Antrag an den Landtag, den Waldtausch vorläufig auszusetzen und eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung durchzuführen. Es müsse die Wertsteigerung des ertragsstarken Waldgebietes bei Dabel wiedergegeben werden, forderte Prof. Fritz Tack von den Linken. SPD und CDU würden ihrem Regierungsauftrag, wirtschaftlichen Schaden vom Land abzuwenden, nicht gerecht, kritisierte die Grünen-Abgeordnete Ursula Karlowski.

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