Geständnis in Rostock : Verlockende Ferienwohnungen

Der Angeklagte Hans-Joachim H. versteckt sich gestern hinter einem Aktenordner im Amtsgericht Rostock
Der Angeklagte Hans-Joachim H. versteckt sich gestern hinter einem Aktenordner im Amtsgericht Rostock

56-Jähriger prellt Urlauber – heute legte er ein umfassendes Geständnis ab

svz.de von
25. August 2016, 21:00 Uhr

Das Rostocker Amtsgericht eröffnete heute das Strafverfahren gegen den 56-Jährigen Diplom-Betriebswirt Hans-Joachim H. wegen gewerbsmäßigen Betruges. Die Staatsanwaltschaft Rostock wirft dem Angeklagten vor, über Internetplattformen nicht vorhandene Ferienwohnungen in Kühlungsborn angeboten und den im Voraus gezahlten Mietpreis für sich behalten zu haben. Für 60 Straftaten und einen Schaden von 60 000 Euro macht sie ihn verantwortlich.

Alles begann im Juli 2014. Der selbstständige Dozent für Finanzen und Trainer in Sachen Baufinanzierung im gesamten Bundesgebiet war selber in finanzielle Bedrängnis geraten. Er brauchte Geld und kam auf die Idee, dazu seine Kenntnisse bei der Vermietung eigener und fremder Ferienwohnungen an der Ostsee zu nutzen. An einem Kiosk in Lütten Klein lernte er Steffen St. kennen und offerierte ihm sein Problem: Seine Ex-Ehefrau, die es gar nicht gab, würde ihm zusetzen und ständig mehr Alimente fordern. Deshalb wolle er Geld, das er durch die Vermietung von Ferienwohnungen verdiene, auf einem Konto parken, an das sie nicht herankäme. Als erste Anzahlung erhielt Steffen St. 150 Euro. Der Angeklagte richtete neue Telefonkontakte ein und der Gewährsmann ein Konto bei der Postbank.

„Traumferienwohnungen mit Meeresblick“, die Nacht für etwas über 100 Euro und alles noch im laufenden Sommer 2014 – das waren Schnäppchen. Auch für erstaunte Anfragen hatte der 56-Jährige eine Ausrede parat: Wegen eines plötzlichen Todesfalles sei die Wohnung frei geworden. 60 Familien und Einzelpersonen gingen in Vorkasse und zahlten Summen in Höhe von 900 bis 1600 Euro auf das Konto des Steffen St. ein. Zehn Prozent behielt er für sich. Mitte August 2014 war Schluss. Betroffene hatten sich gemeldet und Steffen St. flog auf. Er wurde bereits im Januar 2015 zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Hans-Joachim H. machte mit Kleinanzeigen weiter und zog sogar seine Ehefrau mit hinein. Mit Perücke verkleidet als Reinigungskraft nahm sie zweimal an bestimmten Treffpunkten das Geld der Feriengäste entgegen.

Am 20. Januar 2016 strahlte das ZDF die Sendung Aktenzeichen XY-ungelöst aus, in der das Geschehen um die Kühlungsborner Ferienwohnungen thematisiert und eine Tonaufnahme abgespielt wurde. Kurz danach erhielt Hans-Joachim H. einen Anruf von seinem Rotarierfreund und Golfspielkollegen, der seine Stimme erkannt hatte. Er riet ihm, einen Anwalt aufzusuchen. Am 26. Januar 2016 fand eine Hausdurchsuchung statt. Erst als es zu einer Gegenüberstellung mit Steffen St. kommen sollte, legte der Angeklagte ein Geständnis ab, das er gestern unter Tränen wiederholte. Schulden beim Finanzamt, ein verlorener Prozess und weitere Forderungen hätten ihm zugesetzt. Er habe den finanziellen Schaden wieder gutgemacht. Der Prozess wird am 1. September fortgesetzt.
 

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