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Mecklenburg-Vorpommern

21. November 2017 | 22:37 Uhr

Verlängerte Werkbank Ost bleibt Sorgenkind

vom

svz.de von
erstellt am 18.Jan.2010 | 07:58 Uhr

Gütersloh/ Schwerin | Tourismus und Haushaltspolitik - Top, Einkommen und Patente - Flop: Der neuestes Länder-Vergleich der Bertelsmann-Stiftung sieht MV trotz vieler Verbesserungen in Wirtschaft und Arbeitslosenstatistiken noch immer auf den unteren Plätzen. "Im Zielgruppenbereich Einkommen gehört MV nach wie vor zu den am wenigsten erfolgreichen Bundesländern", schreiben Thorsten Heilmann und Eric Thode, die die Studie aufstellten. Laut Statistik verfügt jeder Einwohner über 14 610 Euro Einkommen für Konsum und Sparen, im deutschen Durchschnitt waren es 18 411 Euro. Dabei hatten die Einwohner in Uecker-Randow nur 13 406 Euro, die in Mecklenburg-Strelitz dagegen mit 16 055 Euro das meiste.

Ursache: Trotz guter Wirtschaftsdynamik und gestiegener Investitionsquote liegt das Land beim Bruttoinlandsprodukt weiter auf dem letzten Platz. Den verteidigt MV auch erfolgreich bei der Zahl der Patentanmeldungen."Das ist ein gesamtostdeutsches Problem", sagt Thorsten Heilmann gegenüber unserer Redaktion,"Innovationspolitik ist in den neuen Ländern zum Teil der Wirtschaftspolitik geschuldet." Das Problem verlängerte Werkbank Ost ist auch 20 Jahre nach der Wende nicht überwunden.

Aber hier tut sich etwas in der Wirtschaftspolitik von Minister Jürgen Seidel (CDU). Bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung kletterte das Land zwei Plätze nach oben auf Rang elf. 222 Euro werden inzwischen pro Kopf ausgegeben, allerdings immer noch elf Euro weniger als im Bundesdurchschnitt.

MV braucht dringend mehr Unternehmen. Die Selbstständigenquote rangiert mit zehn Prozent nur über dem Saarland mit 9,2 Prozent und weit unter dem Bundesdurchschnitt auf Platz 14. Unternehmen ereile überdurchschnittlich oft die Insolvenz, konstatieren die Autoren. Jüngstes Beispiel: die Wadan-Werften.

Das alles kann durch die Erfolgsbranche Tourismus nicht aufgewogen werden. Zwar bescheinigen Heilmann und Thode MV, das "Land der touristischen Superlative" zu sein. Mit 15 Gäste-Übernachtungen je Einwohner liegt es deutlich über den Konkurrenten Schleswig-Holstein (acht) und Bayern (sechs). Dennoch sind bei Gästen aus dem Ausland noch Wachstumspotenziale.

Lob gibt es auch für die Haushaltspolitik von Finanzministerin Heike Polzin (SPD). Ausgeglichene Etats seit 2006 und Schuldentilgung 2007 und 2008 werden mit den Sätzen honoriert: "Dieser Erfolg ist zu einem großen Teil auf die Konsolidierungsbemühungen der Landesregierung zurückzuführen. In der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise profitiert das Land davon, dass es solide gewirtschaftet hat." 6178 Euro Schulden je Einwohner haben sich in 20 Jahren angesammelt. Das liegt dennoch über dem Bundesdurchschnitt von 5789 Euro. Spart das Land nicht energisch weiter, wächst die Pro-Kopf-Verschuldung auch ohne neue Schuldenaufname allein durch den jährlichen Bevölkerungsrückgang von 15 000 Personen wieder.

Ausweg: Verwaltungsabbau. Noch immer werden 26,4 Bedienstete je 1000 Einwohner gezählt, zwei mehr als im Bundesdurchschnitt. Die Autoren fordern eine Aufgabenverlagerung auf die Kreise. Genau das ist ein Streitthema in der Koalition.

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