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Rostock : Zuwachs im Schweden-Verkehr

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Stena Line seit zwei Jahren am Standort / Kein Stellenabbau in Rostock vorgesehen / „Trelleborg“ bleibt als Reserve einsatzbereit

svz.de von
erstellt am 01.Okt.2014 | 12:00 Uhr

Am 11. Oktober vor zwei Jahren hat die Stena Line von Scandlines die Schweden- und Baltikum-Verkehre übernommen. In der Hansestadt war es konkret die dafür eigens gegründete Stena Line GmbH & Co KG Rostock, die den Betrieb in Rostock und Sassnitz mit etwa 320 Mitarbeitern in der Saison und 260 Mitarbeitern im Winter gewährleistet. Nach einem Jahr der Findung kann die Reederei nach der Saison auf der Route Rostock–Trelleborg ein zufriedenstellendes Fazit ziehen, wie der Rostocker Geschäftsführer Detlef Kobrow (58) und der für den deutschen Passagemarkt zuständige Marketingleiter Hardy Puls (37) bestätigen. Der Passagierverkehr legte insgesamt um drei Prozent zu. Das Frachtaufkommen stieg um etwa zehn Prozent. Dazu kommt der Eisenbahnfährverkehr, der seit Juli nicht mehr über Sassnitz, sondern fast komplett über Rostock gut läuft. Somit sind auch mehr als 20 000 Bahnwaggons abzufertigen.


Veränderungen im Betriebsablauf


Das führte zu Veränderungen im Betriebsablauf. Stena kündigte im August die bisherige Kooperation mit der TT-Line auf, nach der verkehrsschwache Abfahrten jeweils nur von einer Reederei durchgeführt wurden. Denn die eigenen Kapazitäten, so die Manager, würden nun voll gebraucht.

Die Königslinie zwischen Sassnitz und Trelleborg wurde mit dem rückläufigen Frachtaufkommen mehr zu einer touristischen Route, die in der Vor- und Nachsaison jetzt nur noch durch das unter deutscher Flagge fahrende Fährschiff „Sassnitz“ bedient wird. Der Fahrplan wurde dem Markt angepasst, erklärte der ehemalige Routenchef Niklas Mårtensson, der inzwischen als Chief Operating Officer (COO) das gesamte Netzwerk der Stena-Flotte verantwortet.

Hintergrund sind die Auflagen bei Schwefelemissionen, die entweder aufwändige Umbauten oder den Einsatz teurer Treibstoffe wie Marinediesel erfordern und somit die Betriebskosten emporschnellen lassen. Die Reederei rechnet für ihre 39 Schiffe der Flotte so mit Aufwendungen von 50 Millionen Euro mehr im Jahr. Neben Treibstoffzuschlägen sind Kosteneinsparungen die Folge. Hardy Puls geht davon aus, dass die angekündigte Streichung von 800 der insgesamt 5600 Stellen der Reedereigruppe nicht die deutschen Niederlassungen betrifft. Nach der Werftzeit wird aber – wie avisiert – die schwedische „Trelleborg“ in den nächsten Tagen, voraussichtlich am 5. Oktober, im Rostocker Stadthafen aufgelegt. Es sei aber kein „kaltes Auflegen“, erklärt Detlef Kobrow. Die Fähre bleibe betriebsbereit, um bei Bedarf flexibel eingesetzt werden zu können. Beispielsweise zum Jahreswechsel und zu Ostern. Der Fahrplan der auf der Königslinie eingesetzten Fähre „Sassnitz“ ist nun vor allem auf den schwedischen Markt ausgerichtet.


Königslinie nutzen vorwiegend Skandinavier


70 Prozent der Passagiere seien hier Schweden, nur 30 Prozent Deutsche, so Puls. Den Kunden bleibt mit einer Morgenabfahrt ab Trelleborg sowie der Nachmittagsabfahrt ab Sassnitz weiterhin der gewohnte Service – wenn nun auch eingeschränkt – erhalten. Der Shop an Bord wird erweitert und ein wenig attraktiver gestaltet.

Auf der Linie Rostock–Trelleborg werden täglich bis zu drei Abfahrten pro Richtung durch die noch größeren Schiffe „Mecklenburg-Vorpommern“ und „Skåne“ angeboten. Daneben läuft die Verbindung Kiel–Göteborg. Hier wird als Pilotprojekt der Antrieb der „Stena Germanica“ von Schweröl auf Methanol umgestellt. Im Stena-Technik-Bereich werde zudem weiteren Alternativen vom Abgaswäscher, so genannte Scrubber, bis zum Antrieb mit Flüssiggas (LNG) nachgegangen, berichten die Stena-Manager. Während „Skåne“, „MeckPom“ und „Sassnitz“ zunächst mit Marinediesel fahren, sind die Mitarbeiter der Reederei auch kleineren effizienteren Ausrüstungen auf der Spur. So erhielt die „MeckPom“ neue Propeller, deren neue Form dem Schiff Einsparungen von etwa fünf Prozent verspricht. Mit Trafos zur Nutzung von Landstrom wurden die Rostocker Schiffe bereits ausgerüstet, um bei längeren Liegezeiten am Kai den Energiebedarf zu decken, was auf schwedischer Seite möglich sei.


Baltikum-Niveau halbwegs stabil


Gut 170 000 Passagiere mit 50 000 Pkw reisten im vorigen Jahr auf der Stena-Route Rostock–Trelleborg. Zudem standen knapp 135 000 Frachteinheiten zu Buche. Daran wurde in den ersten acht Monaten dieses Jahres mit teilweise deutlichen Zuwächsen angeknüpft. Neuer Routenchef ist seit dem 1. September Hans Nilsson, der vorher in anderen leitenden Funktionen der internationalen Stena AB tätig war.

Im Baltikum-Verkehr der Stena-Line, die ebenfalls vor zwei Jahren von Scandlines übernommen wurde, weisen die Routen ab Travemünde in diesem Jahr noch ein halbwegs stabiles Frachtvolumen auf. Während die DFDS ihre neue Linie nach Klaipeda bereits wieder einstellen musste, verzeichnete Stena bisher noch keinen nennenswerten negativen Effekt durch die Sanktionen gegenüber Russland. Wie in Travemünde zu sehen ist, füllt offenbar Militärtechnik einige Ladungslücken.

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