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Straße statt Schiene : Mit dem Bus auf Ferntour

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Seit gestern sind auch Schwerin und Rügen im Netz der Überlandbusse – mehrmals täglich nach Berlin und zurück .

svz.de von
erstellt am 11.Apr.2014 | 11:55 Uhr

Vor dem Schweriner Hauptbahnhof herrscht eigentlich immer reges Treiben. Doch gestern Morgen lag zusätzlich zur allgemeinen Geschäftigkeit auch eine erwartungsvolle Spannung in der Luft. Der Grund: Zum ersten Mal ist der Fernbus von Schwerin nach Berlin gefahren, um 8.30 Uhr sollte es losgehen – Sitzplatz gebucht per Internet für elf Euro.

Mit dem Bus auf Ferntour: Wir machten den Test. Ein Erfahrungsbericht von Christina Milbrandt.

Als der Bus eine Viertelstunde vor Abfahrt immer noch nicht da ist, werde ich langsam nervös. Schließlich weist das Unternehmen MeinFernbus.de schon bei der Buchung darauf hin, dass meine Karte verfällt, wenn ich nicht 15 Minuten vorher einchecke. Allmählich entdecke ich auch andere Wartende, die sich fragend umblicken – eine bunt gemischte Truppe. Die 21-jährige Studentin Yao Li will über Berlin nach München zu ihrer Universität fahren. Das Ehepaar Mario und Susanne Willimzig freut sich dagegen auf einen entspannten Tagesausflug zur Museumsinsel. Moritz Sternberg hat in Berlin seine zweite Heimat gefunden, er war zu Besuch in Schwerin.

Gemeinsam mit ihnen warte ich darauf, dass der grüne Bus, der seit einem Jahr auch schon von Rostock aus nach Berlin fährt, um die Ecke biegt. Per SMS werden wir darüber informiert, dass er sich um 20 Minuten verspäten wird. Die Stimmung bleibt dennoch entspannt. „Das ist doch nichts im Vergleich mit den Verzögerungen der Bahn“, sagt Susanne Willimzig: „Wir sind froh über das Angebot.“ Hätte es diese Möglichkeit nicht gegeben, wären sie wahrscheinlich mit dem Auto gefahren und hätten es am Stadtrand von Berlin stehen lassen.

Als der Bus schließlich vorfährt, geht alles ganz schnell: Der Busfahrer kontrolliert die Tickets, lädt die Gepäckstücke ein und dann geht es auch schon los Richtung Hauptstadt.

Die Linie ist eine von insgesamt 17, die das Unternehmen seit Anfang März neu in sein Streckennetz aufgenommen hat – seit gestern von Schwerin sowie Binz auf Rügen nach Berlin. Auch die Rostock-Linie in die Hauptstadt wurde seit gestern bis Dresden verlängert.

Wie in allen anderen Bussen des Unternehmens gibt es an Bord alles, was das Herz eines Reisenden begehrt: Kaffee – von dem ich leider nichts mehr abbekomme –, kalte Getränke und sogar ein paar Snacks. In jedem der Busse gibt es zudem eine Toilette. Aber das Beste: Es gibt eine Internetverbindung, über die ich mir sogar Filme anschauen kann.

An Bord herrscht eine spürbar entspannte Atmosphäre. „Wir haben ja keinen Zeitdruck“, so Mario Willimzig. Ihm gefalle der Reisekomfort sehr, vor allem, dass der Bus so leise ist. Und tatsächlich: Außer einem leisen Rauschen und den Unterhaltungen der Fahrgäste liegt kein einziges Geräusch in der Luft.

Die Füße auf die ausklappbare Stütze am Sitz gelehnt, schaue ich aus dem Fenster und genieße die Landschaft. Immer wieder kommen uns auf der Gegenfahrbahn andere Linien der grünen Riesen, wie ich die Busse getauft habe, entgegen. Die ganze Fahrt ist so entspannend, dass ich sogar kurz einnicke.

Den anderen Passagieren scheint es ähnlich zu gehen. Während Yao Li vor sich hin döst, nutzt Moritz Sternberg die Zeit, um in seinem Buch zu lesen. „Ich finde es wirklich entspannt. Vor allem die Beinfreiheit gefällt mir“, sagt er. Er sei auf anderen Strecken schon öfter mit dem grünen Fernbus gefahren und immer zufrieden gewesen. „Früher bin ich öfter mit der Mitfahrgelegenheit gefahren, aber das ist in letzter Zeit immer bürokratischer geworden.“

Auch Yao Li fährt mittlerweile nur noch mit dem Fernbus – vor allem wegen des Preises. „Als Studentin kann ich es mir nicht leisten, mit der Bahn zu fahren“, sagt sie. Bis nach München bezahle sie da deutlich mehr als 100 Euro. Mit dem Angebot von Mein Fernbus sei sie dagegen „superzufrieden“.

Nach etwa zweieinhalb Stunden erreichen wir schließlich unser Ziel: den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB). Schon von weitem erkenne ich mindestens fünf andere der grünen Riesen, um die sich zahlreiche Reiselustige scharen. Ob Kiel, Mannheim oder Köln – es scheint kaum eine Stadt zu geben, die ich von hier aus nicht erreichen könnte. Letztlich fahre ich aber doch wieder zurück nach Schwerin.


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