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Erneuerung B 96n auf Rügen : Millionengrab Schnellstraße?

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Noch ist die dreispurige Schnellstraße eine Baustelle, die langfristigen Effekte für den Verkehrsfluss sind nicht absehbar. Sicher ist, dass der Bau abermals teurer wird.

svz.de von
erstellt am 20.Jul.2015 | 08:00 Uhr

Der Bau der rund 20 Kilometer langen Schnellstraße B 96n auf der Insel Rügen verteuert sich erneut. Statt der zuletzt für den ersten Abschnitt von Altefähr bis Samtens veranschlagten Kosten von 85 Millionen Euro geht das Schweriner Verkehrsministerium jetzt von einer Summe von 96,5 Millionen Euro aus. Die Kostensteigerung sei insbesondere auf den Baugrund zurückzuführen, sagte ein Ministeriumssprecher. Dieser habe sich als deutlich schwieriger erwiesen als bei den ursprünglichen Planungen angenommen.

Folge seien zusätzliche Leistungen, die bei der Kalkulation im Jahr 2012 noch nicht absehbar waren. Hinzu kämen neben diesen Problemen zusätzliche Kosten aus der Gleisverlegung, die infolge einer Straßenunterführung erforderlich wurden.

Ursprünglich sollte der Bau der gesamten dreispurigen Schnellstraße bis nach Bergen rund 80,3 Millionen Euro kosten. Nun könnten sich die vom Bund finanzierten Gesamtkosten auf knapp 160 Millionen Euro nahezu verdoppeln. Denn auch der zweite Abschnitt wird Ministeriumsangaben zufolge voraussichtlich teurer: Statt der zuletzt geplanten 50 Millionen Euro wird jetzt mit 60 Millionen Euro gerechnet. Die neue Summe sei ein auf der von 2012 vorliegenden Kalkulation aufbauender und die Erfahrung mit dem Südabschnitt zugrunde legender grober Schätzwert, hieß es aus dem Ministerium.

Ob dieser Abschnitt aber überhaupt gebaut werden kann, ist noch offen. Bislang fehlt die endgültige Zusage des Bundes zum Bau des zweiten Abschnittes. Man rechne aber in Kürze mit einer Zusage, zeigte sich das Schweriner Ministerium optimistisch.

Zuletzt kam Kritik vom Bundesrechnungshof an den ausufernden Kosten. Angesichts der prognostizierten Verkehrsentwicklung auf Rügen hält der Bundesrechnungshof den Neubau des zweiten Abschnitts nicht für sinnvoll. Das Prüfergebnis stammt vom April 2015, für das die Rechnungsprüfer noch die Summe von ursprünglich 44 Millionen Euro statt der nun wahrscheinlichen 60 Millionen Euro zugrunde gelegt hatten. Vielmehr - so ihre Forderung schon damals - solle die alte Straße punktuell umgebaut werden, um den Verkehrsfluss zu verbessern. Dieser Umbau wäre preiswerter und würde die Eingriffe in die Natur verringern.

Mit einem Baubeginn für den zweiten Abschnitt wird angesichts der knappen Haushaltsmittel zudem nicht vor 2020 gerechnet. Damit wird auch der erste Abschnitt bis Samtens, der nach gut vier Jahren Bauzeit Ende des Jahres freigegeben werden soll, auch über die nächsten Jahre nicht seine volle Wirkung auf eine Entzerrung der Staus erfüllen können.

Der Bau der Schnellstraße parallel zur bestehenden zweispurigen B 96 war von Anfang an umstritten. Umweltverbände hatten seit den ersten Planungen für den Ausbau der bestehenden Straße und für Ortsumgehungen plädiert und mit Klagen den Baustart um vier Jahre auf 2011 verzögert. Autos stauen sich jetzt nicht mehr - wie Jahrzehnte zuvor - an der Rügenbrücke, dafür aber auf der Insel.

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