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Probezeit für „Verkehrsberuhigten Bereich" : Verkehr rollt durch die Einkaufsmeile

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Parchims Haupteinkaufsmeile wird nach rund vier Jahrzehnten als Fußgängerzone für den Verkehr geöffnet, und kaum einer hat es bemerkt. Wer hat sich das ausgedacht? Ist die Neuregelung sinnlos oder sinnvoll?

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erstellt am 02.Jan.2012 | 07:14 Uhr

Parchim | Man stelle sich vor, die Haupteinkaufsmeile der Kreisstadt wird nach rund vier Jahrzehnten als Fußgängerzone wieder für den Verkehr geöffnet, und kaum einer hat es bemerkt. So dürften es gestern die Parchimer empfunden haben, die sich am ersten Werktag des neuen Jahres zum Einkauf ins Altstadtzentrum aufmachten.

Von der Ecke Stiftstraße/Lindenstraße bis zum Neuen Markt ist seit dem 2. Januar 2012 ganz offiziell ein so genannter Richtungsverkehr wie in einer Einbahnstraße möglich. In diesem verkehrsberuhigten Bereich gilt eine Geschwindigkeit von vier bis sieben Kilometern pro Stunde. Und das Befahren der Straße ist mit dem Auto nur erlaubt, wenn Be- oder Entladen sichtbar erkennbar geplant sind. Auch das kurzzeitige Parken ohne entsprechenden Grund ist nicht gestattet. "So ein Blödsinn! Wer hat sich das nur ausgedacht? Es gibt doch in der Langen Straße kaum noch geöffnete Geschäfte. Und Waren, die mit einem Auto abtransportiert werden müssen, werden hier überhaupt nicht angeboten", machen Monika und Olaf Stümbke ihrer Skepsis Luft.

Hauptgeschäftsstraße für Händler attraktiver machen

Ganz anderer Meinung ist Kerstin Waschner, die das Auf und Ab der Langen Straße in ihrem Damenbekleidungsgeschäft "ceka" in den zurückliegenden Jahren hautnah miterlebt hat. "Die Straße muss für einen Branchenmix wieder attraktiver werden. Da macht die Neuregelung durchaus Sinn. So wie viele Geschäftsleute habe ich mich im Vorfeld für die Öffnung der Langen Straße für einen geregelten Autoverkehr ausgesprochen", erklärt sie. Kerstin Waschner plädiert dafür, den Nutzen der Änderungen frühestens nach einem Jahr zu bewerten. Für sinnvoll würde sie es halten, an Kunden - wie in anderen Städten bereits praktiziert - Parkkarten auszugeben, damit sie ihren Haltegrund bei Kontrollen nachweisen können.

Zufrieden zeigte sich gestern Wolfgang Juhre. "Für mich als Lieferdienst ist es nun einfacher, weil ich zeitunabhängig vorfahren und entladen kann", so der Prignitzer.

Dass die Veränderungen, die beispielsweise auch das Radfahren im Gegenverkehr erlauben, gewöhnungsbedürftig sind, wurde beim Start deutlich. Nur wenige Autos wurden in der Langen Straße gesichtet. Einige waren deutlich schneller als sieben Kilometer pro Stunde unterwegs und es wurde sogar ein Pkw ertappt, der in der Einbahnstraße in der Gegenrichtung unterwegs war.

Verwaltung bittet um Meinungen von Kunden und Händlern

Einige Parchimer haben schon gestern mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg gehalten. "Das wird für viele Kraftfahrer zur Abkürzung werden. Sonst bringt es Nichts. Es ist schade um die Fußgängerzone. Für Spaziergänger und Fahrradfahrer könnte es sogar gefährlich werden", meint Hans-Jürgen Koch, der sich gut an die Eröffnung des Boulevard erinnern kann.

Auch bei den Geschäftsleuten, der Verwaltungsexperten und den Stadtvertretern, die schließlich im Frühherbst vergangenen Jahres grünes Licht für den verkehrsberuhigten Bereich gaben, war das Vorhaben bis zu letzt umstritten. "Wir bitten um Mithilfe und erwarten positive sowie negative Äußerungen", heißt es zum Start der Probephase aus dem Rathaus.

Rund 35 neue Schilder sind für den verkehrsberuhigten Bereich der Langen Straße nötig. Im Frühjahr sollen sie alle montiert sein. Für die Gesamtkosten der Neuregelung sind bis zu 10 000 Euro eingeplant. In zwei Jahren soll endgültig entschieden werden, ob diese Variante auf Dauer gilt.

Verkehrsberuhigter Bereich

Als verkehrsberuhigter Bereich wird in Deutschland eine mit dem Verkehrszeichen 325 beschilderte Straße oder Verkehrsfläche bezeichnet. Der Bereich dient der Verkehrsberuhigung in geschlossenen Ortschaften. Die offizielle Einführung erfolgte 1980. Umgangssprachlich wird der verkehrsberuhigte Bereich häufig als „Spielstraße“ bezeichnet.
Hier gilt u.a.:
• Fußgänger dürfen die Straße in ihrer ganzen Breite benutzen; Kinderspiele sind erlaubt.
• Der Fahrzeugverkehr muss Schrittgeschwindigkeit (3 bis 7 km/h) einhalten.
• Das Parken ist außerhalb der dafür gekennzeichneten Flächen unzulässig, ausgenommen zum Ein- oder Aussteigen sowie zum Be- oder Entladen.

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