P+S-Werften stellen Arbeiten ein : Verkaufspoker hat begonnen

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Für die insolventen P+S Werften beginnen die Verkaufsverhandlungen. Sowohl für die beiden Betriebe in Stralsund und Wolgast als auch für die Schiffe gibt es Interessenten.

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06. September 2012, 07:12 Uhr

Schwerin | Zuversicht in der Schiffbauhalle: Für die vor einer Woche in die Insolvenz gerutschten P+S-Werften in Stralsund und Wolgast hat der Verkaufsprozess begonnen. "Es gibt sowohl Interesse an den bestellten Schiffen als auch an den Werften selber", sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann gestern nach der ersten Sitzung des Gläubigerausschusses in Schwerin. In den vergangenen Tagen habe es zahlreiche Gespräche mit Investoren und Schiffsbestellern geführt. Die Investorensuche werde von der Unternehmensberatung Roland Berger begleitet, beschloss der Gläubigerausschuss gestern. Berger ist in der Vergangenheit auf der Werft bereits als Berater engagiert gewesen. Weitere Einzelheiten wollte Brinkmann nicht nennen.

Bislang habe es keine Stornierungen gegeben, sagte Brinkmann: "Die Besteller wollen die Schiffe." Allerdings müssten alle Neubauaufträge neu vereinbart werden, entsprechende Verhandlungen liefen derzeit. Dabei drängten die Reeder vor allem auf sichere Auslieferungstermine. Zunächst müsse jetzt aber geklärt werden, wie die Finanzierung der Neubauaufträge gesichert werden könne. Dazu werde beispielsweise über einen Massekredit verhandelt. Denkbar sei aber auch ein Finanzierung gemeinsam mit den Auftraggebern. Derzeit werde darüber verhandelt, ob Besteller bereit seien, Vorfinanzierungen zur Verfügung zu stellen. Das Modell sei bereits auf der ebenfalls in die Insolvenz gegangene Sietas-Werft in Hamburg erfolgreich genutzt worden. Brinkmann war vor einer Woche vom Amtsgericht Stralsund als vorläufiger Insolvenzverwalter der mit mehr als einer halben Milliarde Euro überschuldeten P+S-Werften eingesetzt worden. Zuvor hatte er sowohl bei der Hamburger Sietas-Werft als auch bei den 2009 in die Pleite gerutschten Wadan-Werften in Wismar und Warnemünde die Insolvenzverfahren geführt. Am Ende hatte er für alle Unternehmensteile neue Investoren gefunden und den überwiegenden Teil der Arbeitsplätze erhalten.

Nach einer Woche Prüfung der Bücher gab sich Brinkmann gestern auch für Stralsund und Wolgast optimistisch: "Ich gehe davon aus, dass etliche Schiffe vollendet werden können." Vor der Insolvenz hatten die Werften nach eigenen Angaben Neubauaufträge von mehr als eine Milliarde Euro in den Büchern. Experten zufolge sollen aber für die wenigsten die Finanzierung gesichert gewesen sein. Nicht geklärt scheint bislang auch, wie es mit den beiden im Bau befindlichen Scandlines-Fähren weitergehen soll. "Ein besonderes Problem", meinte Brinkmann. Die Schiffe seien zu 85 bis 90 Prozent fertig, allerdings 200 Tonnen schwerer als vereinbart. Das führe zwar dazu, dass auf den Fähren weniger zugeladen werden könne und die Schiffe über geringere Kapazitäten verfügten. Dennoch könnten die Fähren auf den vorgesehenen Routen fahren. Derzeit würden mit Scandlines entsprechende Verhandlungen geführt. Die von Scandlines bemängelte größere Tiefgang sei "ein Scheinproblem", meinte Brinkmann. Wie es in Unternehmenskreisen hieß, sollen die Schiffe 22 Zentimeter zu tief im Wasser liegen. Brinkmann stellte klar: Die Fähren müssten fertiggestellt werden, sonst käme es zum "totalen Wertverlust". Zu Meldungen, wonach allein für den Weiterbau der beiden Scandlines-Fähren 20 Millionen Euro fehlten, wollte sich Brinkmann nicht äußern.

Vorerst gehe zumindest der Reparaturbetrieb auf der Wolgaster Peenewerft weiter, die anderen Arbeiten ruhten aber sowohl in Stralsund als auch in Wolgast, erklärte Brinkmann. Ein Großteil der Belegschaft baue jetzt in den vergangenen Monaten angefallene Überstunden ab.

Inzwischen haben die Werften neues Geld in die Kasse bekommen. So seien weitere vier Millionen Euro auf einem Guthaben-Konto ausfindig gemacht worden. Damit seien jetzt etwa fünf Millionen Euro in der Werftenkasse, sagte Brinkmann. So könne voraussichtlich bis Monatsende der Betriebsablauf organisiert werden.

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