Keine Umbaupläne für die Schweriner Schauburg : Verhüllte Kino-Legende sucht Zukunft

<strong>Die alte Feuerwache ist abgerissen. </strong>Was mit der Schauburg passiert, ist allerdings noch unklar. Einen Abrissantrag für das unter Denkmalschutz stehende Haus gibt es nicht.
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Die alte Feuerwache ist abgerissen. Was mit der Schauburg passiert, ist allerdings noch unklar. Einen Abrissantrag für das unter Denkmalschutz stehende Haus gibt es nicht.

1912 flimmerte der erste Film über die Leinwand der Schauburg, des ersten Schweriner Lichtspielhauses. Doch das Kino ist schon lange stillgelegt. Eine Interessengemeinschaft kämpft nun für seine Wiederbelebung.

svz.de von
27. März 2013, 05:53 Uhr

Altstadt | "Goldfieber", ein Drama in drei Akten, flimmerte am 13. Oktober 1912 zur Kino-Premiere über die Leinwand des tags zuvor eröffneten ersten Schweriner Lichtspielhauses. Über die folgenden Jahrzehnte begeisterten unzählige Filme nahezu täglich die Schweriner Filmfreunde und Gäste der Stadt - bis 1995 der Kinobetrieb eingestellt wurde. Das "Goldfieber" hatte sich aber für die Besitzer der Immobilie trotz zeitweise großer Pläne nie einstellen können. Schon in der Weimarer Republik wechselten die Besitzer, zu DDR-Zeiten musste die beliebte Schauburg hinter dem Capitol eher in die zweite Reihe rücken - was oftmals auch an der Filmauswahl erkennbar war. Wer damals allerdings überlange Streifen wie "Spiel mir das Lied vom Tod" oder "Es war einmal in Amerika" gesehen hat, wusste im Vergleich zu den schmalen Holzstühlen des Capitols die weichen Sitze der Schauburg zu schätzen.

Mit der Planung für das Schlosspark-Center und den ersten Ideen für den Vorgänger der Marienplatzgalerie gab es erneut einen neuen Besitzer der geschichtsträchtigen Immobilie: Das Unternehmen Peek &amp; Cloppenburg hatte das Areal zwischen Goethe- und Mecklenburgstraße in den 90er-Jahren gekauft, um vis a vis des Schlosspark-Centers ein Textilkaufhaus zu errichten. Das "Goldfieber" blieb allerdings aus, denn P &amp; C hat die Baupläne nie umgesetzt.

Im vergangenen Jahr hat nun eine türkischstämmige Familie aus Berlin das Quartier erworben. Havi und Nuber Doganay betreiben gemeinsam mit Sohn Musa Christian einen erfolgreichen Gewürzhandel mit Niederlassungen in Esslingen und Schwerins Partnerstadt Wuppertal (SVZ berichtete). Dass sie ausgerechnet das geschichtsträchtige Kino wiederbeleben wollen, dürfte eher unwahrscheinlich sein. Fakt ist aber: Da das Areal nicht im städtischen Sanierungsgebiet liegt, fließen keine Fördermittel. Und die "Schauburg" steht seit 2010 auf der Denkmalliste der Stadt. Ein Abriss der "Schauburg" in der Mecklenburgstraße steht nicht auf der Tagesordnung, bestätigte der Chef des Stadtplanungsamtes, Günter Reinkober, gegenüber unserer Zeitung. Es hatte bereits Anfragen nach dem Abriss der benachbarten historischen Feuerwache gegeben. Nach dem Kauf des Schauburg-Quartiers durch das Familienunternehmen gibt es nur einen Bauantrag für die Backsteinhäuser in der Schlossstraße, Ecke Mecklenburgstraße. Sie sollen wieder für Wohnzwecke hergerichtet werden.

Indes kämpft eine Interessengemeinschaft weiter für die Wiederbelebung der Schauburg als Kino - und hat dabei namhafte Unterstützung. "Ein Ort wie die ,Schauburg, der Geschichten von Menschen erzählt, die ihn gern und häufig aufgesucht haben, muss bewahrt und beschützt werden", schrieb beispielsweise Filmemacher Wim Wenders an OB Angelika Gramkow. Wenn die Schauburg-Patrioten allerdings ans "Goldfieber" denken, dann aber - im Gegensatz zu allen bisherigen Hausbesitzern - nur an das auf der Leinwand…


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