Mordprozess um Leonie : Verhandlung dauert länger: Urteil im Januar geplant

 

 

Am 12. Januar stirbt eine Sechsjährige in der Wohnung der Familie. Dem Stiefvater wird Mord vorgeworfen, aber seine Geschwister und der Vater halten das nicht für möglich. Ein Urteil soll nun im Januar 2020 fallen.

von
04. November 2019, 13:07 Uhr

Der Prozess um den gewaltsamen Tod der sechsjährigen Leonie aus Torgelow (Vorpommern-Greifswald) verlängert sich um mindestens zwei Monate. Wie Richter Jochen Unterlöhner am Montag am Landgericht Neubrandenburg sagte, soll die Mutter des Mädchens noch mindestens zweimal als Zeugin gehört werden - ohne Öffentlichkeit. So sei frühestens Anfang Januar mit dem Hauptgutachten der Gerichtsmedizinerin und dem Bericht des Psychiaters zu rechnen, der die Schuldfähigkeit des Angeklagten beurteilen soll. Auch der angeklagte Stiefvater will noch eine Aussage machen. Ein Urteil wäre dann Mitte Januar möglich, meinte Unterlöhner. Ursprünglich hatte der Mordprozess Ende November zu Ende gehen sollen.

Stiefvater weiter unter Verdacht

Leonie war am 12. Januar tot in der Wohnung der Mutter und des Stiefvaters in Torgelow gefunden worden. Rechtsmediziner stellten bei dem Kind eine Vielzahl an Verletzungen fest, die von schweren Misshandlungen herrühren sollen. Dem Stiefvater wird deshalb Mord durch Unterlassen und Misshandlung von Schutzbefohlenen vorgeworfen.

Laut Anklage hat der Mann das Mädchen so misshandelt, dass es infolge der Verletzungen starb. Er hatte bei der Polizei aber von einem Treppensturz Leonies im Hausflur gesprochen.

Ungeklärt ist aber bisher, warum die Rettungskräfte erst viereinhalb Stunden nach dem angeblichen Sturz gerufen worden waren. Auch gegen die Mutter wird noch ermittelt, weil sie nicht eher Hilfe geholt haben soll.

Weiterlesen: Angeklagter war zu Geschwistern geflüchtet

Erste Details zur Flucht des Verdächtigen

Mehrere Angehörige des Angeklagten berichteten am Montag vor Gericht, dass der 28-Jährige zwar ein aufbrausender und „lauter Typ“ sei. Aber keiner könne sich vorstellen, dass er ein Kind schlägt. Außerdem wurden am Montag erste Details der Flucht des 28-Jährigen im Januar bekannt. So hatte der Torgelower nach einer Flucht bei einer Vernehmung am 14. Januar aus dem Polizeigebäude in Pasewalk Hilfe von Geschwistern und seinem Vater, der ihn ein Stück mit dem Auto wegfuhr.

Er war in Torgelow bei einer Schwester und später in Groß Luckow im Umfeld von Pasewalk. „Er stand morgens vor meiner Tür, ich habe noch die Kinder zur Kita gebracht und dann haben wir miteinander geredet“, sagte eine 27-Jährige als Zeugin. Er habe gekniet und gesagt, „dass er nichts gemacht hat.“

Im Anschluss habe man den Anwalt aus Wolgast informiert, der den 28-Jährigen jetzt auch vor Gericht vertritt. Bis zum Abholen am 21. Januar durch den Anwalt sei der Flüchtige im Dorf geblieben. Kurz vor Anklam hatte die Polizei damals den Flüchtigen im Auto des Anwaltes festgenommen.

Beschimpfung vor Gericht

Richter Jochen Unterlöhner verhängte außerdem eine Ordnungsstrafe gegen eine der Schwestern des Angeklagten von 300 Euro. Die Frau hatte als Zeugin das Gericht und alle Beteiligten am 1. November als „Dreckspack“ beschimpft und mit lautem Knall die Tür zugeschlagen.

Der Prozess wird an diesem Donnerstag fortgesetzt, dann sollen zwei Experten gehört werden, die speziell toxikologische und DNA-Spuren analysiert haben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen