zur Navigation springen

Hoffnung nach schleppendem Start : Verhaltener Start für Bundesfreiwilligendienst

vom

Ein knappes halbes Jahr nach seiner Einführung fasst der Bundesfreiwilligendienst in MV nur schleppend Fuß. Gerade einmal 555 Frauen und Männer haben im Land bisher den Nachfolgedienst des Zivildienstes angetreten.

Schwerin | Großer Andrang sieht wohl anders aus: Gerade einmal 555 Menschen leisten nach Angaben des "Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben" (Bafza) derzeit in Mecklenburg-Vorpommern ihren Bundesfreiwilligendienst. Nur im Saarland und in Bremen gibt es mit 315 beziehungsweise 188 noch weniger Menschen, die den Nachfolgedienst des Zivildienstes ableisten. Bundesweit engagieren sich derzeit 27 785 Menschen im Bundesfreiwilligendienst.

Im Juli hatte die Bundesregierung den Bundesfreiwilligendienst als Ersatz für den durch die Abschaffung der Wehrpflicht wegfallenden Zivildienst eingeführt. Den neuen Freiwilligendienst können auch ältere Menschen und Frauen ableisten, für Jugendliche gibt es daneben weiterhin das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) und das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ).

Doch große Klagen über die geringe Zahl der Freiwilligen sind derzeit nicht vernehmbar: Insgesamt zeigen sich die Wohlfahrtsverbände in MV mit der Entwicklung durchaus zufrieden. Von einem Chaos in der Pflege, wie es mit dem Wegfall des Zivildienstes einst befürchtet worden war, spricht heute niemand, die Folgen der Umstellung scheinen bewältigt. "Wir hatten früher rund 70 Zivis und 30 Menschen, die ein FSJ abgeleistet haben", sagt Berenike Matern, Pressesprecherin des auch Hamburg und Schleswig-Holstein umfassenden Landesverbandes Nord der Johanniter-Unfall-Hilfe. "Heute haben wir 40 FSJler und zehn Menschen im Bundesfreiwilligendienst, davon fünf in MV." Drei würden sich in Schwerin im Fahrdienst für Behinderte engagieren, einer in Crivitz und einer in Rostock. "Wir glauben, dass sich der Bundesfreiwilligendienst vor allem als Möglichkeit für ältere Menschen noch nicht ausreichend herumgesprochen hat", sagt Berenike Matern. Die Chance des neuen Freiwilligendienstes sei, dass sich dort auch Menschen über 55, etwa Ruheständler, engagieren könnten. "Der Zivildienst war ja ein Pflichtdienst für junge Männer, die nicht zur Bundeswehr wollten", sagt Berenike Matern. "Wer sich damals freiwillig engagieren wollte, ging ins FSJ - und das machen viele junge Menschen auch heute noch."

Von einem "sehr verhaltenen" Start spricht auch Gudrun Pisch, die beim Arbeiter-Samariter-Bund MV für den Bundesfreiwilligendienst zuständig ist. Derzeit beschäftige lediglich der Regionalverband Stralsund sieben Freiwillige. Im kommenden Jahr soll ihre Zahl auf zwölf erhöht werden. "Wir bekommen durchaus mehr Bewerbungen, aber die Leute müssen auch zu uns passen", sagt Gudrun Pisch. Dass auf der Bundesebene viele Fragen, etwa die Fortzahlung des Kindergeldes, lange unbeantwortet waren, habe dem neuen Dienst zumindest nicht geholfen.

"Wir sehen, dass der Bundesfreiwilligendienst angekommen ist", sagt Carsten Heinemann, Pressesprecher des Diakonischen Werks Mecklenburg-Vorpommern. Zwar könnten die wenigen Menschen, die bei der Diakonie derzeit ihren Freiwilligendienst ableisten, die bisherigen Zivis nicht ersetzen. "Aber wenn wir die Situation mit der Situation vergleichen, die wir vor 20 Jahren beim Aufbau des Freiwilligen Sozialen Jahrs in MV hatten: Dann ist es ähnlich."

zur Startseite

von
erstellt am 23.Dez.2011 | 07:35 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen