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Chaos nach Xavier : Vergessene Reisende und Tausende ohne Anschluss

vom
Aus der Onlineredaktion

Bahn meldete dritten Zug mit 150 Fahrgästen nicht den Behörden und noch immer sind 4000 Wemag-Kunden ohne Strom

von
erstellt am 06.Okt.2017 | 20:55 Uhr

Die Folgen des Schnellläufer-Sturmtiefs „Xavier“ hielten auch am Tag danach noch an. So wurde erst gestern offenbar, dass rund 150 Fahrgäste eines Intercity-Zuges mehr als 15 Stunden im Bahnhof Boizenburg nahe der Landesgrenze sich selbst überlassen waren. Während in Ludwigslust und Pritzier schnell und engagiert Fahrgäste anderer Züge evakuiert und versorgt wurden, hatte die Deutsche Bahn den Boizenburger Zug mit Fahrziel Hamburg offenbar vergessen, ihn zumindest nicht den lokalen Behörden gemeldet.

Lesen Sie hier den Artikel über den ICE, der in Ludwigslust gestrandet ist.

Lesen Sie hier über die Evakuierung des EC bei Pritzier


Landkreissprecher Andreas Bonin bestätigte gestern auf Anfrage, dass der Kreis erst gestern in den frühen Morgenstunden vom Zug erfahren habe. Warum das passierte, blieb unklar. Zu einer Stellungnahme war bis Redaktionsschluss niemand bereit.

Zwar gab es laut Zeugenaussagen im Zug sowie an einem nahen Kiosk notdürftig Versorgung, doch seit Donnerstag gegen 15 Uhr waren die Passagiere sich selbst überlassen. Auch die Stadt Boizenburg und die örtliche Feuerwehr waren ahnungslos. „Wir hätten etwas organisieren können, aber wir wussten nichts“, sagte Gemeindewehrführer Bernd Buck gestern. Erst am Freitagmorgen, ab etwa 7 Uhr, wurden die Fahrgäste dann mit Bussen, die offenbar die Bahn organisiert hatte, abgeholt und wohl nach Hamburg gefahren. Bestätigen mochte dies gestern indes niemand.

Noch schlimmer war die Lage bei der Stromversorgung in Teilen des Kreises Ludwigslust-Parchim, in der Prignitz sowie an der Elbe im Amt Neuhaus. Zwischenzeitlich war die Lage so unübersichtlich, dass nach SVZ-Informationen Mitglieder des noch aktiven Katastrophenstabes einzelne Gemeinden anriefen, ob sie schon wieder Strom hätten.

Wemag-Pressesprecherin Diana Kuhrau wies gestern empört Vorwürfe zurück, der Nahversorger habe den Überblick verloren. „Wir wissen sehr genau, wo die Ausfälle sind und informieren auch den Kreis. Aber die Lage ist durch die Vielzahl der entwurzelten Bäume so schlimm, dass wir alle Lücken heute nicht schließen können.“ Gestern Nachmittag betraf das noch rund 4000 Kunden im Hagenower Umland, in der Prignitz sowie um Ludwigslust. Einige Gebiete würden wohl auch bis Sonntag noch keine Stromversorgung haben, hieß es.

Lesen Sie hier die aktuellsten Infos der Wemag zur Stromversorgung.

Ein extremer Fall wurde aus Vielank nahe Lübtheen bekannt: Mehr als 24 Stunden waren dort Werner und Rosemarie Schweigert (62) ohne Strom. „Mein Mann ist wegen seiner Krankheit auf Atemgeräte angewiesen und fürchtete schon, dass er noch eine weitere Nacht ohne Strom auskommen müsste“, sagte die selbst pflegebedürftige Ehefrau Rosemarie. Hilfe konnten die Schweigerts zunächst auch nicht rufen, weil sie wegen des Ausfalls eines Sendemastes ihres Mobilfunkanbieters keinen Handyempfang hatten. Zum Glück konnte ihr zufällig anwesender Sohn über seinen anderen Netzbetreiber alles Notwendige in die Wege leiten.

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