ZIgarettenschachteln : Vergammelte Zähne statt sexy Cowboy

Vorbild für künftige Zigaretten-Verpackungen in Deutschland − ein Schockbild in Australien warnt: „Rauchen zerstört Deine Zähne und Dein Zahnfleisch“.
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Vorbild für künftige Zigaretten-Verpackungen in Deutschland − ein Schockbild in Australien warnt: „Rauchen zerstört Deine Zähne und Dein Zahnfleisch“.

Studie belegt präventive Wirkung von Ekelfotos auf Zigarettenschachteln

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30. Mai 2018, 05:00 Uhr

Damals war es ein Kamel vor einer stilisierten Wüstenlandschaft. Oder ein Spruch wie „Liberté toujours“ (dt. „Freiheit für immer“), der Zigarettenschachteln zierte. Heute sind es stattdessen Schockfotos von Krebsgeschwüren, Raucherlungen, fast abgestorbenen Zehen, vergammelten Zähnen und anderen hässlichen Nikotinfolgen. Dazu passende Warnhinweise. Bild und Text müssen laut EU-Recht seit rund zwei Jahren auf Zigaretten- und Tabakschachteln auch in Deutschland zu sehen sein. Der Grund: Sie sollen vor dem Griff zum Glimmstängel abschrecken.

Doch können so Nikotinsüchtige überzeugt werden? Erstmal gibt es gute Nachrichten von der DAK-Gesundheit. Anlässlich des morgigen Weltnichtrauchertages veröffentlichte die Krankenkasse eine Studie zum Rauchverhalten von Jugendlichen. Ergebnis: Die Ekelfotos auf Zigarettenpackungen haben womöglich einen präventiven Effekt. Die Jugendlichen, die noch nie geraucht haben, reagierten emotional stärker auf die Bilder als ihre rauchenden Altersgenossen. Eine negative Einstellung dem Rauchen gegenüber, so DAK-Vorstandschef Andreas Storm, wird anscheinend durch die Gruselbilder verstärkt.

Rauchen als Negativtrend – diese Einstellung hat sich erst in den letzten letzten Jahren durchsetzen können. In der Nachkriegszeit hatten Zigaretten und andere Rauchwaren Kultstatus. Und noch bis in die 1980er-Jahre wurde das Image des „coolen Rauchers“ gepflegt. Verstärkt auch durch Werbe-Ikonen wie den Marlboro-Mann, der lässig und sexy in den Sonnenuntergang ritt. Die Tabakindustrie versuchte alles, um Lust auf den Glimmstängel zu machen.

Erst Langzeitstudien zwischen Rauchern und Nicht-Rauchern – und damit bewiesene Gesundheitsschädigungen – brachten ein Umdenken in Politik und Bevölkerung. Dennoch gab es 2007 den großen gesellschaftlichen Aufschrei, als zum Schutz von Nichtrauchern im öffentlichen Raum – und damit auch in der Gastronomie – ein Rauchverbot ausgesprochen wurde. Heute wäre es undenkbar, wenn jemand mit Zigarette, Pfeife oder Co. in einem Restaurant sitzen würde. Eine positive Entwicklung!

Ebenso positiv: Die Zahl der Raucher in Deutschland ist seit Jahren weiter rückläufig – vor allem bei den Jugendlichen. Ende der 1990er-Jahre rauchten noch 30 Prozent der 12- bis 17-Jährigen. Heute sind es laut Tabakatlas Deutschland nur noch zehn Prozent.

Ein weiteres Ergebnis der Politik im Kampf gegen den blauen Dunst: die seit 2016 geltende Tabakerzeugnis-Verordnung, die eben jene Horrorbilder auf Zigarettenschachteln vorschreibt. Dabei gibt es insgesamt 42 verschiedene Motive, die europaweit zum Einsatz kommen. Sie sind in drei Gruppen unterteilt, von denen jede abwechselnd ein Jahr lang verwendet werden darf. Durch die Rotation soll die Wirkung der Motive aufrechterhalten bleiben.

Doch wie wirkungsvoll sind die Bilder bei Rauchern? Hier kommen Studien zu keinem eindeutigen Ergebnis. Abschreckende Wirkung für Nichtraucher und besonders Jugendliche, wie auch in der DAK-Studie bestätigt, scheint es zu geben. Auch helfen die Fotos Ex-Rauchern dabei, nicht wieder zur Zigarette zu greifen. Bei Nikotinsüchtigen hingegen scheint die emotional abschreckende Wirkung der Bilder nicht zu greifen. Zumal viele Raucher ihre Tricks haben, um die Horrorschachteln nicht anschauen zu müssen: Da wird überklebt, übermalt oder einfach die Zigaretten in ein anderes Behältnis getan.

Letztlich ist jeder selbst für seine Gesundheit verantwortlich. Denn auch wenn es positive Entwicklungen gibt: Laut DAK greift in Deutschland immer noch jeder Vierte zur Zigarette. Jeder siebte Todesfall sei auf die Folgen des Rauchens zurückzuführen. Bei fast 22 Prozent der im Jahr 2013 in Mecklenburg-Vorpommern gestorbenen Männern ist laut Tabakatlas Rauchen Schuld. Bei den Frauen waren es im selben Jahr über 7 Prozent. Diese erschreckenden Ergebnisse zeigen: Der Kampf gegen den blauen Dunst ist noch nicht vorbei.

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