Streik : Vereint im Zorn

„Wir lassen uns keine faulen Eier andrehen.“  Demonstrationszug gestern in der Hamburger Innenstadt
„Wir lassen uns keine faulen Eier andrehen.“ Demonstrationszug gestern in der Hamburger Innenstadt

15 000 Demonstranten in Hamburg verlangen mehr Geld für öffentlichen Dienst / 1400 Beschäftigte aus MV reisen in 40 Bussen an

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26. März 2015, 21:12 Uhr

Vereint im Zorn: Mehrere tausend Menschen haben in Hamburg ihrer Wut über schleppende Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst der Länder Luft gemacht. Zwei Tage vor der vierten Verhandlungsrunde in Potsdam versammelten sich gestern nach Verdi-Angaben vor dem Rathaus rund 12  000 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes. Zu ihnen stieß im Laufe der Veranstaltung ein laut Gewerkschaft rund 3000 Menschen umfassender Demonstrationszug des dbb Beamtenbunds. Viele der Protestierer waren extra aus MV angereist. Begleitet wurde die Aktion von einem ganztägigen Warnstreik. Die Polizei zählte zu Beginn des Verdi-Demonstrationszuges nach eigenen Angaben rund 2800 Teilnehmer, zu Beginn des dbb-Marschs 1500 Teilnehmer

In den 40 Bussen der Lehrergewerkschaft GEW fuhren rund 1400 Lehrer aus MV zur Demo nach Hamburg, wie eine Gewerkschaftssprecherin sagte. Weitere Aktionen hätten an Schulen, vor allem im Ostteil des Landes, stattgefunden. Etwa die Hälfte aller Schulen im Land sei bestreikt worden.

Alle Redner in Hamburg erneuerten die Gewerkschaftsforderung nach 5,5 Prozent mehr Gehalt, mindestens jedoch 175 Euro, für die Angestellten im öffentlichen Dienst. Zusätzlich verlangten sie einen Tarifvertrag für die bundesweit rund 200 000 angestellten Lehrer. Hinweise der Arbeitgeber, dass die Länder kein Geld hätten, wiesen sie zurück. Die Steuereinnahmen lägen deutlich über denen des vergangenen Jahres, sagte Verdi-Verhandlungsführer Achim Meerkamp. „Wir wollen am Wochenende ein Ergebnis haben.“ Die Vorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW in MV, Annett Lindner, warnte bereits: „Die Osterbotschaft: Wir lassen uns keine faulen Eier andrehen.“

Deutlich wurde auch der Hamburger Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Gerhard Kirsch. Er nannte den Verhandlungsführer der Arbeitgeber – Sachsen-Anhalts Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD) – eine „rote Null“. Er führe sich als Sozialdemokrat auf, als wäre er „der Leiter einer Hinterhof-Textilfabrik in Bangladesch“. Dass die Arbeitgeber immer noch kein vernünftiges Angebot vorgelegt hätten und dass sie weiter in die Altersversorgung eingreifen wollten, bezeichnete Kirsch als eine „arrogante Provokation“. Dies werde Folgen haben. „Wer nicht hören will, der wird fühlen – und werte Arbeitgeber: Ihr werdet fühlen.“

Vom Warnstreik betroffen waren Behörden, Kundenzentren und Kfz-Zulassungsstellen, aber auch Bauhöfe, Schulen und die Polizei. Ähnlich sah es in Schleswig-Holstein und in MV aus. Im Norden legten nach Angaben der Gewerkschaften Beschäftigte des Universitätsklinikums, Lehrer, Mitarbeiter von Hochschulen, Ministerien, Finanzverwaltung und Polizei die Arbeit nieder.

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