Lesertelefon : Vereinfachung für steuerpflichtige Rentner

Finanzminister Mathias  Brodkorb am Lesertelefon
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Finanzminister Mathias  Brodkorb am Lesertelefon

Ausfüllen der Steuererklärung kann für Rentner entfallen: Experten um Finanzminister Mathias Brodkorb berieten zu bundesweitem Pilotprojekt in MV.

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24. Mai 2017, 10:43 Uhr

Mecklenburg-Vorpommern geht bei der Besteuerung von Rentnerinnen und Rentnern neue Wege. Wer im Alter außer der Rente keine weiteren Einkünfte bezieht, kann hier auf die Abgabe einer Steuererklärung verzichten. Der Versuch in Mecklenburg-Vorpommern ist ein bundesweites Pilotprojekt und könnte beispielhaft für Steuerverwaltungen in ganz Deutschland werden.

Unter welchen Umständen das Finanzamt die Steuererklärung für Rentner übernimmt und wann sich dieses Amtsveranlagungsverfahren nicht lohnt, erklärten am Mittwoch Finanzminister Mathias Brodkorb (SPD), Ulrich Pohl und Manuela Schmidt aus dem Finanzministerium sowie Petra Müller und Tina Sichting aus dem Finanzamt Schwerin am Lesertelefon. Das Interesse war riesengroß. Lesen Sie nachfolgend die wichtigsten Fragen und Antworten.

Ist das neue Verfahren für alle Rentnerinnen und Rentner verpflichtend?
Nein. Die Teilnahme am Amtsveranlagungsverfahren ist selbstverständlich freiwillig. Sie haben die Wahl, ob sie eine normale Steuererklärung einreichen möchten oder am Amtsveranlagungsverfahren teilnehmen.

Wie hoch muss meine Rente sein, damit ich eine Einkommensteuererklärung abgeben muss?
Das lässt sich nicht so einfach beantworten. Grundsätzlich sind Sie zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet, wenn Ihre Einkünfte den Grundfreibetrag übersteigen. Dieser beträgt 8.652 € für das Jahr 2016. Dabei ist zu beachten, dass nicht die volle Rente steuerpflichtig ist. Dies ist davon abhängig, wann Sie Rentner geworden sind und wie hoch die zwischenzeitlichen Rentenerhöhungen waren. Sie können sich dies aber gern im Finanzamt durchrechnen lassen oder am vereinfachten Besteuerungsverfahren teilnehmen. Dann sind Sie auf der sicheren Seite und erhalten einen Einkommensteuerbescheid.

Wie funktioniert das vereinfachte Verfahren für Inlandsrentner?
Das Finanzamt kann anhand der elektronisch übermittelten Rentendaten Ihre Einkommensteuer grundsätzlich auch eigenständig festsetzen. Dieses Verfahren wird Amtsveranlagung genannt. Sie müssen  sich  damit  ausdrücklich  einverstanden  erklären. Anschließend wird Ihnen in gewohnter Weise der Steuerbescheid übersandt, der unter anderem Angaben zur Höhe der festgesetzten Steuer und die Zahlungsfrist enthält.

Wo bekomme ich die Einverständniserklärung her?
Die Erklärungsvordrucke liegen in den Finanzämtern aus oder Sie können diese im Internet unter www.steuerportal-mv.de herunterladen und ausdrucken.

Woher weiß das Finanzamt, wie hoch meine Rente ist?
Die Renteneinkünfte werden der Finanzverwaltung von den Rententrägern mitgeteilt. Diese sind gemäß § 22a Einkommensteuergesetz zur elektronischen Übermittlung verpflichtet. Dies betrifft Leistungen von Trägern der gesetzlichen Rentenversicherung, der landwirtschaftlichen Alterskasse, berufsständischen Versorgungseinrichtungen, Pensionskassen, Pensionsfonds und Versicherungsunternehmen.

Ich beziehe zusätzlich zur Altersrente eine Betriebsrente. Darf ich auch am vereinfachten Verfahren teilnehmen?
Wenn die Betriebsrente vom (ehemaligen) Arbeitgeber im Rahmen des Lohnsteuerabzugsverfahrens (also mit Lohnbescheinigung) gezahlt wird, können Sie zurzeit leider nicht am vereinfachten Verfahren teilnehmen.

Mein Bekannter wohnt in Hamburg. Kann er auch das neue Verfahren nutzen?
Das Verfahren wird zurzeit nur in Mecklenburg-Vorpommern angeboten. Daher darf Ihr Bekannter leider nicht am Verfahren teilnehmen.

Ich habe noch einen kleinen Nebenjob. Darf ich trotzdem am vereinfachten Verfahren teilnehmen?
Unschädlich sind pauschal besteuerte Einkünfte aus geringfügigen Beschäftigungen (Mini-Jobs) bis zu einer Höhe von insgesamt 450 Euro monatlich – dann können Sie gern am Amtsveranlagungsverfahren teilnehmen. Bei nicht pauschal besteuertem Arbeitslohn oder Arbeitslohn über 450 Euro monatlich müssen Sie eine normale Einkommensteuererklärung einreichen.

Ich bekomme noch ein paar Zinsen. Kommt das vereinfachte Verfahren trotzdem  für mich in Frage?
Unschädlich für die Teilnahme am Amtsveranlagungsverfahren sind Kapitaleinkünfte, von denen bereits Abgeltungssteuer an das Finanzamt abgeführt oder für die der Sparerpauschbetrag in Anspruch genommen wurde (Freistellungsauftrag).

Wann ist es besser für mich, eine normale Steuererklärung einzureichen?
Wenn Sie besondere Aufwendungen wie zum Beispiel für Spenden, Krankheitskosten oder haushaltsnahe Dienstleistungen geltend machen möchten, wäre es besser, wenn Sie eine normale Steuererklärung einreichen.

Kann ich noch Aufwendungen geltend machen, wenn ich bereits einen Einkommensteuerbescheid erhalten habe?
Dies ist grundsätzlich nur innerhalb der Einspruchsfrist möglich. Diese beträgt  vier Wochen ab Zugang des Einkommensteuerbescheides.

Was muss ich machen, wenn ich feststelle, dass das Finanzamt eine Rente nicht berücksichtigt hat?
In diesen Einzelfällen sind Sie verpflichtet, dies dem Finanzamt mitzuteilen. Also setzten Sie sich bitte mit dem zuständigen Finanzamt in Verbindung.

Ab wann kann ich die Einverständniserklärung nutzen?
Die Einverständniserklärung liegt in jedem Finanzamt aus und kann auch rückwirkend genutzt werden. Wenn die Steuer noch nicht erklärt wurde, geht das auch noch rückwirkend etwa für das Jahr 2014.

Ich habe nur dieses Jahr hohe Kosten, die ich geltend machen möchte. Kann ich zwischen dem vereinfachten Verfahren und Abgabe einer Steuererklärung jährlich neu wählen?
Ja. Sie können sich jedes Jahr neu entscheiden, ob Sie lieber eine Steuererklärung einreichen möchten oder die Einverständniserklärung. Beides gilt nur für das eine Jahr.

Ich bin schwerbehindert. Kann ich trotzdem an dem vereinfachten Verfahren teilnehmen?
Der Grad der Behinderung liegt dem Finanzamt zurzeit noch nicht elektronisch vor. Daher ist es wichtig, dass das Finanzamt den Grad der Behinderung erfährt. Sie können daher den Schwerbehindertenausweises oder eine Kopie davon dem Finanzamt vorlegen. Dies wird dann gespeichert und sie können künftig auch dem vereinfachten Verfahren teilnehmen.

Mein Mann und ich sind schon seit 2004 in Rente und bekommen zusammen 1800 Euro Rente. Die Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge sind hiervon noch nicht abgezogen. Müssen wir auf die Rente Steuern zahlen?
Wenn Sie neben den Renteneinkünften weiter keine Einkünfte haben, z.B. Vermietungseinkünfte, brauchen Sie im diesem Fall auf Ihre Rente keine Steuern zu zahlen. Eine genaue Auskunft im Einzelfall kann Ihnen die Zentrale Informations- und Annahmestelle ihres Finanzamts geben.

Ich arbeite noch, mein Mann ist schon seit zwei Jahren Rentner. Können wir trotzdem das vereinfachte Steuerverfahren in Anspruch nehmen?
Nein. Das vereinfachte Verfahren kann nicht genutzt werden, wenn einer der Eheleute Arbeitnehmereinkünfte bezieht. In diesem Fall ist – wie bisher– eine komplette Steuererklärung abzugeben. Ausnahme: Haben Sie nur einen pauschal besteuerten 450-Euro-Job, können Sie auch am vereinfachten Verfahren teilnehmen.

Würde es lohnen, wenn wir uns künftig für eine getrennte Veranlagung entscheiden würden?
Im Regelfall ist eine Zusammenveranlagung günstiger. Die getrennte Veranlagung nur deshalb zu wählen, damit einer der Eheleute am vereinfachten Verfahren teilzunehmen kann, lohnt sich regelmäßig nicht, zumal der andere Partner weiterhin eine komplette Steuererklärung abgeben muss. Eine genaue Auskunft im Einzelfall kann Ihnen die Zentrale Informations- und Annahmestelle ihres Finanzamts geben.

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