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Film ab im Santa Cinema : Verein bringt Kinokunst aufs Land

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Das Filmkunstfest Schwerin lockt Anfang Mai Tausende Cineasten an. Doch auch sonst ist der Nordosten keine Lichtspiel-Wüste. Rund ums Jahr bringt ein Verein große Kinokunst in kleine Dörfer.

svz.de von
erstellt am 29.Apr.2013 | 10:00 Uhr

Gross Brütz/Güstrow | Im Pfarrhaus Groß Brütz bei Schwerin muss Jesus Christus einmal im Monat der Leinwand weichen. Das Kruzifix hänge sie neben die Tür, wenn der Gemeinderaum zum Kino umgerüstet wird, sagt Pastorin Gesine Isbarn.

In dem Dorf bei Schwerin haben zwölf Kulturinteressierte 2001 den Filmklub "Santa Cinema" aus der Taufe gehoben. Aufführungen gebe es regelmäßig im Pfarrhaus und sommers auch in der Kirche oder im Garten. "Wir zeigen keinen Durchschnitt, sondern anspruchsvollen Film von der echten Klamotte bis zur höchsten Kunst", sagt die Pastorin.

Für buntes Lichtspieltheater auf dem Lande sorgt ein kleiner Verein. Hervorgegangen aus der ostdeutschen Filmklubbewegung, einer von den DDR-Oberen stets kritisch beäugten Szene, gründete sich 1990 in Güstrow der Verband Filmkommunikation. Nach den Wünschen seiner Mitglieder mietet der Verein rund 50 Filme im Jahr bei gewerblichen Verleihern, wie der Vorsitzende Jens-Hagen Schwadt erklärt. Damit bespiele er landauf, landab rund 40 Leinwände.

Als DVD, Blu-Ray-Disc oder 35-Millimeter-Rolle wandert der Film mehrere Wochen lang über die Dörfer. Nach einem speziellen Routenplan, dem jeweiligen Abspielring, wird der Streifen durchs Land geschickt. Nacheinander verwandeln sich Kirchen, Feuerwehrstationen, Schulen, Fabriken, Klubs, Gutshäuser oder Parks für ein paar Stunden in illustre Lichtspielhäuser. Dieses "Wander-Kino" gebe es nur im Nordosten Deutschlands, sagt Schwadt. Vorbild sei der DDR-Landfilm, der früher auch schon mal per Motorroller über die Dörfer gezogen war.

In entlegenen Winkeln zwischen Ostsee und Seenplatte kämen vor allem jene Filme zur Aufführung, die in kommerziellen Multiplex-Kinos kaum zu finden seien, erklärt Schwadt. Auch junge Regisseure, Kurzfilme oder studentische Arbeiten erhielten so ihre Leinwand-Chance. "Wir bringen große Filmkunst dorthin, wo es kein Kino mehr gibt." Mehr als 600 Veranstaltungen spulten die ehrenamtlichen Filmfreaks jedes Jahr ab. Geboten werde Kunst pur - ohne Popcorn und Cola. Vielfalt statt Einfalt sei das künstlerische Ziel. "Gleichschaltung gibts nicht", betont Schwadt. Rund 15 000 Zuschauer kämen jedes Jahr in die Kultur-Kinos, darunter auch Touristen. Mit geringen Eintrittsgeldern werden die Film-Mieten bei den Verleihern bestritten. 7000 Euro pro Jahr gebe die Landesfilmförderung dazu. "MV ist keine Kinowüste", betont Schwadt.

Pastorin Isbarn aus Groß Brütz findet es mühsam, die Leute in MV für exklusives Landkino zu begeistern. Die Filmklubs böten ja nicht gerade leichte Kost, sagt sie. "Das ist schon ein schweres Brot mit der Kunst im Dorf."

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