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Verdorbene Blutkonserven - Schwestern unter Verdacht

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svz.de von
erstellt am 03.Jan.2012 | 07:19 Uhr

Anklam | In Deutschland werden täglich 15 000 Blutspenden benötigt. Kaum vorstellbar: Verdorbene Blutkonserven mussten im Herz- und Diabeteszentrum Karlsburg entsorgt werden. Weil der Blutkühlschrank abgeschaltet war wanderten Dutzende rote Lebensretter in den Sondermüll. 55 Konserven mit einem Gesamtwert von 15 000 Euro. Es waren besondere Konserven, die für Patienten nach einer Herz-OP oder andere Intensivpatienten des hochspe zialisierten Herz- und Diabeteszentrums für Notfälle vorgehalten wurden. Konserven, die unterschiedliche Kühltemperaturen benötigen.

Die Klinikleitung geht nicht von einem technischen Defekt aus. Die Konserven seien durch das "Abschalten eines Kühlschranks zerstört worden". Der Ärztliche Direktor hat bei der Staatsanwaltschaft Stralsund Anzeige gegen Unbekannt gestellt - aus Sorgfaltspflicht gegenüber den Patienten und Blutspendern, so Prof. Dr. Wolfgang Motz. "Für das Klinikum ist das ein routinemäßiger Vorgang, um Transparenz zu wahren und eine vollständige Aufklärung dieses Sachverhalts zu erreichen", sagt der Ärztliche Direktor auf Nachfrage unserer Zeitung.

"Ihre Vernehmung ist zur Wahrheitsfindung erforderlich", heißt es in der Vorladung für die Schwestern, die den Kühlschrank in der Regel benutzen. Auf der Intensivstation arbeiten 50 Ärzte, Schwestern, Pfleger und Reinigungskräfte. Der Oberstaatsanwalt kommt auf die Intensivstation. Am 6. November bemerkte ein Krankenhaus-Techniker, dass der Kühlschrank, in dem die Blutkonserven für die Intensivstation lagerten, nicht mehr angeschaltet war. "Alle in dem abgeschalteten Kühlschrank gelagerten Blutprodukte sind nach der Entdeckung des Schadens sofort gegen neue ausgetauscht worden. Kein Patient erhielt ein beeinträchtigtes Produkt, so dass schlimmere Folgen verhindert wurden", erklärte Klinik-Sprecherin Anette Pröber.

Bereits an den Tagen zuvor waren Unregelmäßigkeiten bei der Kühlung aufgetreten, wie eine der Schwestern berichtet. Die Pflegekräfte sollten die Temperatur in regelmäßigen Abständen kontrollieren. "Es wurde ein externes Thermometer angehängt und wir mussten die Temperatur ablesen und in eine Tabelle tragen", erzählt eine der Intensivschwestern. Von der Staatsanwaltschaft Stralsund ist zu den Vernehmungen noch nichts zu erfahren. Nur so viel: "Es liegt eine Anzeige gegen Unbekannt vor und wir ermitteln. Die ersten Vernehmungen haben im Klinikum Karlsburg stattgefunden", sagte Staatsanwaltschafts-Sprecher Ralf Lechte.

So einen Verdacht hat es in Vorpommern noch nicht gegeben. Vom Chefarzt der Klinik klingt das allerdings ganz anders: "Das Wohl und die Sicherheit der Patienten zu gewährleisten, ist zu jeder Zeit die wichtigste Aufgabe. Um Vorfälle dieser Art in einem hochsensiblen Bereich des Klinikums möglichst ausschließen zu können, ist eine Ursachenforschung mittels staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen dringend geboten", erklärt Wolfgang Motz. "Das ist ein Einzelfall", sagt ein Sprecher des Sozialministeriums dazu. Man will bei der Fachaufsicht in Schwerin die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft abwarten. "Das Landesamt für Gesundheit und Soziales kontrolliert und überwacht regelmäßig alle Blutkonserven, die in den Kliniken das Landes lagern", versichert der Sprecher.

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